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Der Krieg um den Dollar vs. Gold

27.10.2009  |  Clif Droke
Ein erbitterter Krieg der Worte ist in den letzten Wochen zwischen den beiden großen monetären Kreisen ausgebrochen. Das erste Lager - die Gold-Bullen/ Dollar-Bären - haben ihrer Doppelaufassung, der Goldpreis werde stark steigen, der Dollarpreis mit Sicherheit kollabieren, lautstark Ausdruck verliehen. Die andere Seite - die Gold-Bären/ Dollar-Bullen - behaupten das Gegenteil, sprich, dass der Goldpreis auf einen Crash zustrebt.

Beide Seiten haben keine Kosten und Mühen gescheut, die allgemeine Investorenschaft von der Stimmigkeit ihrer jeweiligen Argumente zu überzeugen. Innerhalb von nur wenigen Wochen sind bei mir per Post zwei ausgeklügelte Werbekampagnen für Finanzberatungsdienstleistungen eingegangen. Auf den Umschlag eines dieser Päckchen war die folgende Warnung zu lesen: "Vorsicht: Der Dollar-Crash steht an! Ihre letzte Chance, den Greenback abzustoßen, bevor die Panik einsetzt." Auf dem Umschlag des anderen Päckchens standen die folgenden Worte: "Schockierender Bericht enthüllt, warum Gold einbrechen und nicht stark steigen wird. Gerissene Trader sind dabei, ein Vermögen mit dem Verkauf von Gold an Millionen panischer Investoren zu machen."

Von den beiden Werbekampagnen erhielt ich innerhalb von zwei Wochen zwei Kopien der postalen Warungen vor einem Dollar-Crash. Ich kann daraus nur schließen, dass diese bestimmte Postwurfsendung für den Herausgeber sehr gut "gelaufen" ist und möglicherweise aus guten Gründen: Die Öffentlichkeit fürchtet sich viel stärker vor einem Dollar-Kollaps als vor einem Gold-Crash. Einer kürzlich durchgeführten Stimmungsumfrage auf CNBC zufolge gaben fast 98% aller Befragten an, sie wären hinsichtlich des US-Dollars negativ eingestellt. Gehen wir jetzt davon aus, dass diese Zahl auch nur annähernd korrekt ist, dann wäre dies ein Allzeithoch der bärischen Stimmung gegenüber dem US-Dollar.

Bevor wir uns die Behauptung "der Gold-Crash steht an" näher anschauen, wollen wir einen Blick auf das Dollar-Crash-Szenario werfen. Ist es möglich, dass es die "waltenden Mächte" zulassen würden, dass der mächtige Greenback auf neue Tiefststände kracht und damit die Kaufkraft vieler Millionen von Amerikanern aushöhlt? Am Ende hat noch keine Regierung ihre Währung überlebt. Warum sollte es die Bundesregierung zulassen, dass der Wert des Dollars auf Kosten des eigenen Überlebens sabotiert wird? Die Möglichkeit einer regelrechten Dollar-Implosion muss daher als mager angesehen werden.

Von einigen wird dahingehend ein anderer Denkansatz vertreten, nämlich, dass ein langsames und regelmäßiges Sinken des Dollar-Wechselkurses wohl eher keine Katastrophe sei, sondern eigentlich recht gut für die USA. David Jennett, Herausgeber des Investment Letters, ist ein Anhänger dieser Theorie. Er schreibt Folgendes: "Ein schwächerer Dollar, den man bei Weitem nicht als Anzeichen darauf werten kann, dass alles auf einen desaströsen Crash zuläuft, ist eher ein Zeichen dafür, dass den amerikanischen Produzenten erneut eine faire Chance gegeben wird, der Welt zu beweisen, dass sie kostengünstige und qualitativ hochwertige Produzenten sind."

Diese Stimmung findet auch in Adrian Van Ecks Oktoberausgabe seines Money Forecast Letters Widerhall: "Es hat schon mit Nationalstolz zu tun, wenn der Dollar als König des Geschäfts- und Finanzwelt behandelt wird. Während des [2008er] Crashs hat es eine Erholung des Dollars gegeben, jetzt schauen wir aber wieder auf einen fallenden Dollar. Das ermöglicht es den Produzenten in den USA, rund um die Welt Aufträge aufgrund guter Qualität zu bekommen - billige Preise sind nicht die Botschaft."

Selbst innerhalb der Gold-Community gibt es einige, die sich dem Motto "Dollar-Crash jetzt" nicht anschließen. Während eines Interview, das ich kürzlich mit James Hesketh, Präsident und CEO von Atna Resources (einem Goldbergbau- und Explorationsunternehmen) führte, sagte Hesketh: “Der Goldpreis setzte die Grenzen für neuer Höchststände auf dem Rücken des schwächer werdenden US-Dollars. Aber irgendwann werden das Finanzministerium und die US-Notenbank einschreiten und den Dollar unterstützen müssen. Jetzt werfen sie den US-Dollar quasi vor die Hunde.

Unsere anhaltenden Defizite werden den US-Dollar nach wie vor schwächen. Und eigentlich entwerten sie damit die Ersparnisse jeder einzelnen Person in diesem Land. Und so etwas kann nicht unendlich lange so weitergehen, deswegen werden sie auch Schritte einleiten müssen, um einerseits den Gürtel enger zu schnallen und andererseits den Dollar zu stützen. Wenn es dazu kommt, dann wird dies auch die Fortschritte des Goldes stoppen." Allerdings fügt er hinzu: "Jetzt scheint es noch nicht die Zeit gekommen zu sein, dass irgendein Politiker diese Schritte unternehmen wird." Hesketh prognostiziert: "[A]uch wenn er nicht weiterhin ansteigt, so wird es doch zu einer Stabilisierung [des Goldpreises auf diesen Niveaus] kommen."

Aus kurzfristiger technischer Sicht können wir in den Tagescharts des Dollar-Index und der Gold-Futures-Preise sehen, dass sich eine kritische Situation abzeichnet. Der Dollar-Index testet, wie man unten sieht, die untere Grenze eines Abwärtstrendkanals. Der Dollar drückt sich an die unter Kanalgrenze und droht, sie zu durchbrechen. Wenn das passiert, werden wir einen "Channel-Buster" haben, der wiederum eine potentiell deutlich ausfallende Erholung einläuten wird. Die zwei vorhergehenden Brüche der unteren Begrenzung des Trendkanals im August und September (eingekreist) haben für ein eben solches Zurückschnellen gesorgt, wenn auch nur vorübergehend. Ein dritter "Channel-Buster" durch den Abwärtskanal würde wahrscheinlich für eine noch größere Erholung sorgen, gerade in Anbetracht des dichten Gedränges bei den bärischen Dollar-Trades.




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