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Gold kapituliert

27.02.2013  |  Adam Hamilton
Gold hat in der letzten Woche einen Einbruch erlebt, der nur als Kapitulation bezeichnet werden kann. Die massiven Verkäufe haben sich verselbstständigt, als das gelbe Metall mehrere wichtige Support-Linien durchbrach. Zudem trugen die Marktnachrichten zu einer Verschärfung der Situation bei, da die extreme Angst weit und breit für eine bärische Stimmung sorgte. Gold-Baissiers waren euphorisch und verkündeten, dass das Metall dem Untergang geweiht sei. Eigentlich sind Kapitulationen jedoch äußerst bullisch.

Das Wort "Kapitulation“ ist eines der hässlichsten Worte an den Märkten, denn es bedeutet Selbstaufgabe. Den meisten von uns wird bereits im frühen Alter beigebracht, niemals aufzugeben. Händler geben also ungern zu, dass sie der Kapitulation unterlegen sind. Statt sich einzugestehen, dass sie sich von ihrer eigenen Furcht treiben lassen haben und zu niedrigen Preisen zum wohl ungünstigsten Zeitpunkt verkauft haben, versuchen sie, ihr Scheitern zu rechtfertigen. Sie müssen glauben, dass eine Kapitulation den Beginn der Verkäufe darstellt.

Dies ist jedoch nicht der Fall. Die starken, von extremer Angst ausgelösten Sell-Offs finden am Ende von langen aussichtslosen Sell-Offs statt. Sie signalisieren den Höhepunkt der Angst, den Moment, an dem die psychischen Qualen am stärksten sind. Diese Einbrüche vertreiben die schwachen Gemüter, die ihre Emotionen nicht kontrollieren können. Nur der harte Kern der Querdenker unter den Tradern, der sich an den Fundamentaldaten orientiert, kann der weit verbreiteten Angst standhalten.

Man kann jedoch lernen, sich Kapitulationen zu widersetzen. Weniger erfahrene Händler, oder zumindest Händler, die neu in einem kapitulierenden Sektor sind, halten dem emotionalen Druck höchstwahrscheinlich nicht stand und verfallen in Panik. Je mehr Erfahrung Sie mit dem Trading haben, desto einfacher ist es, eine Kapitulation zum Zeitpunkt ihres Stattfindens zu erkennen und zu wissen, dass sie schon bald vorbei sein wird. Die schlimmsten Stunden signalisieren das Ende der Kapitulation.

Die Goldpreiskapitulation der letzten Woche verlief im Vergleich zu anderen Kapitulationen eigentlich recht bescheiden. Bis Mittwoch war das Metall um 4,3% innerhalb von drei Handelstagen gefallen. Seit Beginn des Goldbullenmarktes im April 2001 gab es 12 Handelstage, an denen Gold jeweils mehr als 4% verlor. Sechs dieser Handelstage fanden anlässlich der Aktienpanik Ende 2008, die anderen sechs unter "normalen“ Bedingungen statt.

Seit Bullenmarktbeginn haben wir also im Schnitt alle paar Jahre eine Kapitulation erlebt. Einige dieser Kapitulationen stellen die aktuelle Kapitulation maßgeblich in den Schatten. Ende September 2011 zum Beispiel fiel Gold um 9,0% innerhalb von drei Handelstagen, als die Fed es nicht schaffte, mit QE3 zu beginnen und die Händler somit enttäuschte. Dennoch war die extreme Angst, wie bei allen Kapitulationen, äußerst bullisch. Nur sechs Wochen später war Gold um 10,7% gestiegen.

Kapitulationen sind rein emotionsbedingt und nie auf die Fundamentaldaten zurückzuführen. Eine Reihe von Nachrichtenmeldungen entfacht am Ende eines langen, aussichtslosen Sell-Offs ungeheure Angst. Die wachsende Furcht gerät außer Kontrolle, verselbstständigt sich und sorgt für eine vorübergehende, panikähnliche Fluchtwelle. Wie kampferprobte Goldhändler wissen, sind für gewöhnlich die News der Federal Reserve der ausschlaggebende Faktor für die finalen Kapitulationsverkäufe.

Dies war auch in der letzten Woche der Fall. Die Märkte warteten ungeduldig auf das Protokoll der letzten Sitzung des Federal Open Market Committee (FOMC) von Ende Januar. Insbesondere Goldhändler waren besorgt, ob die Fed bekannt geben werde, dass die Kampagne zur Monetarisierung der Schulden QE3 eher früher als später endet. Das Protokoll dieser Sitzung erwies sich in der Tat als entscheidender Funke, der die Kapitulation entfachte.

Ein Funke allein reicht jedoch nicht aus, um eine Kapitulation hervorzurufen. Er muss in einem Marktklima landen, das einem Pulverfass gleicht und bereits von Angst bestimmt ist. Ein ähnliches FOMC-Sitzungsprotokoll wurde Anfang Januar für die vorherige Sitzung veröffentlicht. Auch dieses Protokoll wurde dahingehend gedeutet, dass sich die QE3-Inflation nicht so lange fortsetzen wird, wie Goldhändler erwarteten. Dennoch machten die Gold-Sell-Offs innerhalb von einem und innerhalb von drei Tagen nur 50% des Sell-Offs der vergangenen Woche aus.

Die schwache Goldpreis-Performance der letzten Wochen und Monate goss Öl ins Feuer der letzten Kapitulation. Obwohl jeder einzelne Tag, an dem Gold Schwäche zeigte, auf unterschiedliche Faktoren zurückzuführen war, gab es einen Faktor, der gleichblieb, und zwar die sich in einem Aufwärtstrend befindenden US-amerikanischen Aktienmärkte. Als der Leitindex S & P 500 (SPX) einen Zuwachs verzeichnete, hielt sich das Interesse der Händler in Investitionsalternativen wie Gold in Grenzen. Die konventionellen, wachsenden Märkte erhielten die ungeteilte Aufmerksamkeit.

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Während Gold die ultimative Investitionsalternative darstellt, sind die weithin bekannten Aktienmärkte die ultimative konventionelle Investitionsmöglichkeit. Im Chart sind der Goldpreis und der SPX von 2012 bis 2013 abgebildet. Bis November 2012 bestand eine positive Korrelation zwischen Gold und dem SPX. Sowohl Gold als auch der SPX profitierten zu denselben Zeitpunkten von Kapitalzuflüssen und sie erlebten für gewöhnlich auch gleichzeitig einen Sell-Off.






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