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Interview mit Gerald Celente (Teil 1/2)

16.05.2013  |  Presse
Gerald Celente über die Neue Renaissance und große nicht-staatliche Trends, die die Welt verändern

Seit 1980 prognostiziert Gerald Celente Trends. Er ist Herausgeber des Trends Journal®, Gründer und Vorstand des Trends Research Institute® und Autor der vielbeachteten Bestseller "Trend Tracking“ und "Trend 2000“ (Warner Books). Auf Grundlage seiner Erkenntnisse, wie aktuelle Ereignisse zukünftige Trends bestimmen, entwickelte er die Globalnomic-Methode, die zur Erkennung, Beobachtung, Prognose und zum Umgang mit Trends benutzt wird. Aufgrund seiner akkuraten und zeitgenauen Vorhersagen hat sich das Trends Research Institute den Ruf des zuverlässigsten Namens im Bereich Trendprognose erarbeitet. In den Bereichen Geopolitik und Wirtschaft werden Celente und dem Trends Research Institute die Prognose des Zusammenbruchs der Sowjetunion, der letzten beiden Rezessionen, der Dot-Com-Marktschmelze, der Währungskrise in Asien 1997, des Aktienmarkt-Crashs von 1987, den wachsenden Terrorismus gegen die USA, die "Kreuzzüge 2000“ und vieles mehr bescheinigt.

Daily Bell: Hallo. Was gibt es Neues? Geben Sie uns einen Eindruck von ihren neuen Projekten und Arbeiten.

Gerald Celente: Neu ist, dass ich aktuell drei Gebäude aus der vorrevolutionären Zeit im kolonialen Kingston (Bundesstaat New York) restauriere. Im letzten Jahr habe ich das Franz-Roggen-Haus aus den 1750ern gekauft, die Academy und das Haus Dr. Jansens. Die Academy wurde im Jahr 1774 erbaut, das Jansen-Haus 1763 - in der ältesten Ecke der Vereinigten Staaten; der einzige Ort, wo an allen Ecken noch Steinhäuser aus der Zeit vor dem Unabhängigkeitskrieg stehen. An der vierten Ecke gibt es sogar ein Museum - das Matthew-Person-Haus aus den 1660ern.

Ich mache das aus zwei Gründen. Erstens möchte ich die Gebäude natürlich bewahren - und eines ist in wirklich sehr schlechtem Zustand. Der zweite Grund ist, dass hier die erste amerikanische Revolution ihre Wurzeln hat. Kingston war die erste Hauptstadt des Staates New York, die 1777 von den Briten niedergebrannt wurde und anschließend von Grund auf wiedererrichtet wurde.

Jetzt ist die Zeit für eine neue Revolution gekommen, diesmal natürlich keine Revolution mit Bomben, Kugeln oder Armeen, sondern eines des Verstandes, des Geistes und des Herzens. Es ist Zeit für Revolution und deswegen mach ich das auch. So viel also zu den Neuigkeiten.


Daily Bell: Am Ende dieses Interviews werden wir Sie nach fünf großen Trends fragen, Sie sind ja schließlich ein berühmter Trendforscher. Aber jetzt wollen wir erst mal ein paar private Fragen stellen … Die erste: Sehen Sie in dieser Welt noch positive Stellen?

Gerald Celente: Ich denke, die gibt es immer. An einigen Stellen läuft es besser als an anderen, im Allgemeinen befindet sich die Welt aber im Abwärtstrend. Sie brauchen sich nur die Wirtschaftsdaten anzuschauen. In China kühlt sich die Konjunktur ab. Ich liebe diese Formulierungen. Das ist schon Standard. Hier ein Zitat direkt von Bloomberg: “Prognose gesenkt, Eurozone auf dem Weg zur 2-Jahre-Rezession.” Immer werden die “Prognosen gesenkt“. Man gaukelt den Menschen eine Erholung vor, und wenn die nicht kommt, “senkt" man die Prognosen.

Wo ist denn die Erholung geblieben? Die neugeschaffenen Arbeitsplätze sind Billiglohn-Jobs. Das sind keine Geheimnisse, sondern bekannte Fakten in den Vereinigten Staaten. Und trotzdem brüstet man sich mit ihnen. “Dem Pizzaservice Dominos geht es prächtig. Es heißt, das Unternehmen könne jetzt 10.000 Menschen einstellen.” Wie bitte? Fahrer, die ihre kaputten Karren fahren, um ihre Franchise-Pizzas auszuliefern? Das wird einem direkt ins Gesicht gesagt. Es gibt keine Erholung, und das trotz der herausgeworfenen billionenschweren Stimuli!

Und was haben diese Leute erst gestern gemacht? Zwei Sachen: Die Fed hat angekündigt, dass sie weiterhin jeden Monat Anleihen und hypothekarisch gesicherte Wertpapiere im Wert von 85 Mrd. $ aufkaufen werde. Das ist absurd. Wie können die nur damit durchkommen? Sie manipulieren den Markt, und das genau vor unseren Augen. Das ist fast schon so, als würden sie sagen: "Wir werden die Märkte manipulieren: Und so funktioniert‘s." Und dann kauft auch noch die EZB Anleihen auf und senkt die Leitzinsen; Japan hat ebenfalls sein eigenes Stimulusprogramm im Umfang von 1,4 Billionen $ angekündigt; in Australien, Südkorea, Indien und anderen Ländern werden auch die Zinsen gesenkt, um die Wirtschaften anzukurbeln.


Daily Bell: Es macht ganz den Eindruck, als würde alle Wirtschaften zusammenbrechen - mit Ausnahme der BRICS. Was halten Sie von all dem?

Gerald Celente: Auch mit Blick auf die BRICS sollte man realistisch bleiben - Brasilen, Russland, Indien, China und Südafrika. Wenn Europa und die USA keine chinesischen Produkte mehr kaufen, hören die Chinesen auf zu produzieren. Und wenn die Chinesen nicht mehr produzieren, werden auch die Brasilianer, die Russen und natürlich auch die Inder kaum noch Geschäfte machen. Brasilien, Russland, Südafrika und ähnliche Länder sind Rohstoffexportnationen. Wenn also China und die anderen industrialisierten Länder nicht mehr bauen oder produzieren, dann werden diese Länder auch nicht mehr verkaufen. Das hat Konsequenzen für alle. Selbst in Kanada kann man das schon sehen. Die Lage kühlt sich ab, besonders am Immobilienmarkt. Die früheren Wachstumszahlen gehören der Vergangenheit an.

Abgesehen davon verhält sich China aber klug und versucht mit Nachdruck die Binnenwirtschaft auszubauen. Das Land hat 1,2 Milliarden Menschen. Die brauchen bloß Geschäfte untereinander machen. Und das machen sie unserer Meinung nach auch. Im Westen ging alles an die Banken, in China fließen die Stimuli in die Infrastruktur und den Ausbau der Binnenwirtschaft. Völlig anders. Deswegen werden sie langfristig auch besser dastehen.


Daily Bell: Warum ist der Westen in so schlechter Verfassung?

Gerald Celente: Weil er von einem Haufen dummer Leuten geführt wird und weil schamlose Korruption herrscht - unverhohlen und offensichtlich. Eine Abzocke nach der anderen: "Insider Trading”, “High-Frequency Trading“! Wie oft müssen die Worte denn noch fallen, damit die Öffentlichkeit endlich aufwacht? Überall herrscht Korruption, ob nun beim König von Spanien oder in gleich welchem Land. Oder dieser Clown in Frankreich, Minister für sonstwas, der eigentlich Verantwortung dafür tragen sollte, dass die Menschen das System nicht ausnehmen und ihr Geld nicht zu Offshore-Banken schaffen. Man hat herausgefunden, dass dieser Mann selbst einige Millionen auf Schweizer "Offshore-Bankkonten“ hat. Also Korruption, amoralisches Verhalten und Dummheit. Hier sitzen Psychopathen an den Hebeln, und jeder hat Angst, die Dinge beim Namen zu nennen.




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