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Kassenschlager beim Gold

25.05.2013  |  Theodore Butler
Gold und Silber haben schon seit Langem keine so schlimme kurstechnische Durststrecke mehr erlebt; das ist kein Geheimnis. Man muss wohl schon in die Zeit der einstelligen Silberkurse zurückschauen, um eine vergleichbare Phase zu finden. Eine Frage geistert den Edelmetallinvestoren durch den Kopf: Wird diese schlimme Durststrecke noch lange anhalten; haben die letzten Monate den Weg für eine ausgeprägte, starke Kurserholung geebnet oder bläst der Wind jetzt gar für längere Zeit aus einer anderen (schlechten) Richtung? Ich denke, die Antwort lässt sich aus der Betrachtung der folgenden Fakten ableiten.

Eines der Schlüsselthemen für den Goldsektor war der Verkauf oder die Rückführung (redemption) von mehr als 10 Millionen Unzen (mehr als 15 Mrd. $) aus dem größten Gold-Exchange-Trade Fund der Welt (GLD) seit Ende letzten Jahres. Das ist eine enorme Goldmenge, sie macht 25% der gesamten GLD-Goldbestände (Stand Jahresende) aus. Dieser Gold-ETF ist die größte Ansammlung von privat gehaltenen Goldbeständen. Folglich hat er weitreichende Auswirkungen auf die Goldpreise.

Wie es in vielen Berichten hieß, wurden die 10 Millionen Unzen Gold aus dem GLD nach Indien oder China geliefert, obgleich diese Berichte nicht durch Fakten untermauert wurden. Tragen wir an dieser Stelle also die bekannten Fakten zusammen: Jene 10 Millionen Gold-Unzen, die aus dem GLD abflossen, entsprechen ungefähr 100 Millionen GLD-Anteilen (eine 1/10-Unze pro Anteil). Die 10 Millionen Unzen, die sich nicht mehr im GLD befinden, existieren aber nach wie vor - d.h. irgendjemand muss sie jetzt besitzen. Wir wissen, dass die Liquidierung der GLD-Anteile auf die miese, faule Kursentwicklung, welche die Stimmung der Metallinvestoren deutlich belastete, zurückzuführen ist. Damit scheidet China als großer Ankäufer tendenziell aus; denn solche Käufe würden den Goldkurs steigen und nicht fallen lassen.

Die Anteile wurden abgestoßen und das Metall aus dem GLD verkauft, weil die Kurse sanken - hier hatten wir im Großen und Ganzen einen sich selbstverstärkenden Prozess. Wir wissen, wie viel verkauft wurde und wer die Verkäufer waren. Die Identität der Käufer kennen wir allerdings nicht. Und das hat auch einen guten Grund: Die Käufer haben alles getan, um ihre Identität zu verbergen.

Der große Käufer jener 10 Millionen Gold-Unzen, die im GLD liquidiert wurden, war meiner Meinung nach JP Morgan - entweder allein oder in geheimer Zusammenarbeit mit Geschäftsbanken. Dieselbe Methodik, die ich zuvor schon einem potentiellen Mr. Big im SLV zugeschrieben hatte (möglicherweise ebenfalls JP Morgan), wird auch im GLD angewandt.

Hätten ein (oder 2 oder 3) große GLD-Käufer diese 100 Millionen verkaufte GLD-Anteile einfach nur wieder aufgekauft, so wäre dieser Käufer (oder diese Käufer) schnell über die SEC-Schwelle für berichterstattungspflichtige Positionskäufe gekommen, die bei 5% liegt, wodurch auch deren Identität offenkundig geworden wäre. Indem aber der Verkauf des Goldes aus dem Trust (die Auslösung) erreicht wurde, und dieses Gold anschließend als Metall und nicht in Form von Anteilen angekauft wurde, ließ sich die Meldepflicht bei Wertpapiertransaktionen umgehen. Auf diesem Wege konnte ein einzelner Akteur (vielleicht in heimlicher Zusammenarbeit mit anderen) praktisch zum Besitzer von ca. 25% des weltgrößten privaten Goldlagerbestands werden.

Ich sage damit nicht, dass JP Morgan mit einer absichtlichen Umgehung der Meldepflichten der SEC irgendetwas Ungesetzliches gemacht hätte. Diese potentielle Widrigkeit fällt in Anbetracht des eigentlichen Verbrechens eigentlich kaum noch ins Gewicht. Beim eigentlichen Verbrechen (im Silbermarkt eigentlich noch schlimmer als im Goldmarkt) manipulieren betrügerische Banken die Goldkurse in die Tiefe und zwar mithilfe der gewohnten kursdrückenden COMEX-Praktiken, um die Halter von GLD-Anteilen zum Verkauf zu bewegen. Hierbei handelte es sich also um eine geplante und ausgeführte Operation, bei der alle Hebel in Bewegung gesetzt wurden.

Seit Ende November haben die Commercials als Gesamtgruppe mehr als 160.000 Netto-COMEX-Goldkontrakte bei sinkenden Kursen gekauft, also umgerechnet 16 Millionen Unzen. Rechnet man noch die Abflüsse aus den ETFs und den Lagerbeständen der Börse hinzu, so kommen noch einmal 15 Millionen Unzen hinzu. Insgesamt sind das also 30 Millionen Unzen (45 Mrd. $). Mit Optionen und OTC-Derivatetransaktionen (over-the-counter) könnte sich dieser Betrag wohl noch verdoppeln. Damit dürften sich die Gesamtkäufe wahrscheinlich auf um die 50 Millionen Unzen (75 Mrd. $) belaufen. Das hört sich gewaltig an, für diese Großbanken ist eine solche Summe aber sicherlich noch machbar, sie entspricht auch nur einem kleinen Bruchteil des gesamten Derivatemarktes. Das Ausmaß ihrer Käufe ist enorm, und auch die positiven Konsequenzen dieser Entwicklung sind verblüffend.

Ich glaube, dass JP Morgan und die Commercials angefangen haben, die Datenerhebung durch COTs und Bank Participation Reports regelrecht zu hassen, weil diese außerordentliche Details darüber liefern, was sie dort treiben. Übeltäter agieren lieber im Dunkeln, aus dem Versteck heraus. Eine Sache zeigen die verfügbaren Daten aber ganz deutlich: Die großen Käufer bei diesen niederträchtigen Kursrücksetzern waren die Commercials. Ich finde es einerseits erbärmlich, dass man den Großbanken die gewinnbringende Manipulation unserer Märkte erlaubt, wodurch unsere Gesetze zu einer Farce werden und unsere Aufsichtsbehörden korrupt.

Wenn man andererseits sieht, wie JP Morgan und die Commercials derart aggressiv Gold und Silber kaufen, dann lässt das eigentlich nur den folgenden Schluss zu: Diese Betrüger planen für deutlich steigende Metallpreise voraus. Sollte JP Morgan, wie ich behaupte, mindestens 20 Millionen Gold-Unzen, die aus dem GLD und anderen Orten geschüttelt wurden, eingesammelt haben, dann würde eine 300 $-Rally beim Gold ihnen einen unrechtmäßig erworbenen Gewinn vom 6 Mrd. $ bescheren - allein mit dieser Position. Und es könnte noch viel mehr werden, falls sie beim Herbeiführen steigender Kurse dann noch skrupelloser vorgehen. Ganz allgemein scheinen solche Betrüger in der Regel zu mehr fähig zu sein, als man ihnen zutrauen würde.

Ich vermute ganz stark, dass JP Morgan und seinesgleichen absolut gewaltige Gold- und Silbermengen an vielen verschiedenen Märkten gekauft haben. Leider geht ein großer Teil dieser Käufe auf vorsätzliche und erfolgreiche Kursmanipulation zurück, mit der andere zum Verkauf gezwungen wurden. Ich glaube nicht, dass das fair oder aber legal ist. Nichtsdestotrotz scheint das emotionslose Urteil des Marktes dafür zu sprechen, dass die Kurse irgendwann in nächster Zeit sehr deutlich steigen werden.


© Theodore Butler


(Diese Abhandlung wurde vom Silberanalysten Theodore Butler, einem unabhängigen Berater, verfasst. Investment Rarities teilt seine Ansichten nicht notwendigerweise, diese können sich als richtig oder falsch herausstellen.) Exklusiv übersetzt für GoldSeiten.de. Das Original wurde am 21.05.2013 auf der Website www.silverseek.com veröffentlicht.

Informationen zum Abonnement finden Sie unter www.butlerresearch.com.


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