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23.12.2011 07:11  | Peter Boehringer

Silber als natürliches Geld

Dieser Artikel ist zuerst erschienen im Sonderheft "Gutes Geld" des Smart Investor Magazins von September 2011. Wir danken für die freundliche Genehmigung zum Zweitabdruck. Eine druckerfreundliche Version kann hier abgerufen werden. Das ganze 132-seitige Sonderheft ist unter www.smartinvestor.de erhältlich.


Neben Gold ist auch Silber aus unabdingbaren physikalischen, historischen und psychologischen Gründen monetär

Ist Silber natürliches Geld? Man könnte sich die Antwort leicht machen und einfach auf Geschichte und auch auf aktuelle Entwicklungen verweisen: Über viele Jahrhunderte hat Silber in verschiedenen Kulturen als Geld gedient und als solches auch funktioniert. Dies bis zur von oben verordneten De-Monetisierung in wichtigen Ländern vor gut 100 Jahren. Seit fünf Jahren zeigen nun aber trotz unverändertem offiziellen Status von Silber als einfacher "Rohstoff" die Statistiken erstmals seit langer Zeit wieder eine faktische Re-Monetisierung an: nach 100% Industrienachfrage noch 2006 und trotz weiterhin steigender absoluter Industrienachfrage werden 2011 bereits 25% der Minenneuförderung in Münz- oder Barrenform verwahrt und eben nicht industriell verbraucht. Da weder die historische Verwendung von Silber als Geld noch die aktuelle und weiter zunehmende Münznachfrage durch irgendeine staatliche Autorität erzwungen werden musste, könnte man diesen Artikel hier beenden und feststellen: Ja, neben Gold ist auch Silber natürliches Geld.


Was heißt "natürlich"?

Aber weil der Begriff "natürliches Geld" durch diverse wissenschaftliche und pseudo-wissenschaftliche Geldschulen fälschlich für deren jeweilige Geld-Theorie reklamiert wird, müssen wir zum Beleg der Natürlichkeit von Silbergeld zunächst den oft missbrauchten Begriff "natürlich" definieren: Eine Geldschule wie z.B. die Gesell´sche Freigeldlehre wird nicht dadurch "natürlich", dass man dies höchst suggestiv direkt in den Namen der Ideologie packt ("Natürliche Wirtschafts- und Geldordnung").

Der Lackmus-Test jedes Geldsystems, das sich "natürlich" nennen will, kann einzig und allein die freiwillige Akzeptanz des Geldes durch die Menschen in einem von freier Wahl geprägten Wettbewerbsumfeld ohne jede staatliche Einflussnahme sein! Der Mensch ist natürlich frei. Er will weder "zu seinem Besten" geleitet werden, noch darf er unter Ausübung von "gesetzlichem" Zwang zur Verwendung eines monopolistisch von oben verordneten Geldes genötigt werden! Natürliches Geld kann grundsätzlich nur Geld sein, das den Markt-Test besteht und damit den Akzeptanztest unter frei wählenden Menschen.

Es ist offensichtlich, dass weder das "umlaufgesicherte" Schwundgeld der Gesellianer noch das heutige ungedeckte Papiergeld oder irgendein anderes Scheingeld auch nur den Hauch einer Chance auf Bestehen dieses Akzeptanztests hätte. Von ganz wenigen (und zeitlich und geographisch immer extrem eingegrenzten) Ausnahmefällen abgesehen, lassen sich Menschen nicht gerne enteignen. Weder offen und berechenbar noch heimlich und schleichend. Jede Behauptung oder gar Forcierung des Gegenteils ginge gegen die menschliche Natur, zu der unabdingbar der Selbstbehauptungs- und Überlebenstrieb gehört, der - abgesehen von den Mitgliedern der engeren Familien-Umgebung - nur höchst selten freiwillige altruistische Abgaben von Eigentum an Fremde oder gar Anonyme vorsieht.

Wer diese Grundaussage widerlegen will, der stelle bitte sein Geldsystem dem offenen und freien Wettbewerb ohne Monopolgesetze. Dieser Wettbewerb aber wird von Vertretern aller Schuld- und Schwundgeldsysteme konsequent verweigert. Dies muss als unausgesprochenes Eingeständnis gewertet werden, dass ihre Geldsysteme nur unter Zwang funktionieren und daher im Sinne der o.g. Definition unnatürlich sind!


Welches Sachgeld wählt der Markt?

Der Gegenentwurf zum Schuldgeld - das es in historischer Monopolstellung überhaupt erst seit 1913 und in weltweiter "Perfektion" erst seit 1971 gibt - sind Sachwerte, die monetär verwendet werden bzw. fungibel gemacht werden können. Dennoch gilt natürlich auch: Nicht alle Sachwerte sind "natürliches" Geld.

Welche Sachwerte aber eignen sich ideal als Geld? Hierfür gibt es eine Reihe von Kriterien. Die wichtigsten sind zunächst die Beweglichkeit und die Homogenität der vielen Sachwert-Kandidaten. Immobilien z.B. können aus naheliegenden Gründen niemals umlauffähig und damit zu Geld gemacht werden. Diamanten sind nicht ohne Wertverlust teilbar und auch nicht einfach vergleichbar. Lebensmittel sind verderblich. Alleine hierdurch scheiden schon sehr viele Sachwerte und Waren zur Verwendung als Geld aus.

Ein Blick auf die Periodentafel der Elemente zeigt, dass von den 118 bekannten Elementen 114 als Geld ausscheiden müssen: Viele davon sind bei Raumtemperatur gasförmig oder flüssig und damit aus physikalischen Gründen nicht monetisierbar. Andere wie Lithium sind extrem reaktiv und brennen direkt bei Luftkontakt. Einige Metalle sind zwar geringer reaktiv - oxidieren auf Sicht aber doch recht schnell, was sie als Geld problematisch macht. Einige existieren nur in sehr geringen Mengen (Lanthanide / seltene Erden / Osmium, auch das Edelmetall Rhodium), manche können gar nur synthetisch und in geringsten Mengen hergestellt werden. Manche kommen dazu im Gegensatz viel zu häufig vor.

Ihre schiere Menge und fehlende Seltenheit disqualifiziert sie als Geld, denn niemand schleppt Tonnen von Wechselsilizium in der Tasche herum. Manche sind einfach zu leicht, was wiederum ein Volumen- und ein Fälschungsproblem aufwirft. Viele Elemente sind toxisch: wer aber will sich von seinem Geld vergiften lassen? Und zuletzt sind mindestens 35 sogar radioaktiv, was eine natürlich-freiwillige Nutzung als Geld ausschließen dürfte.

Aber bleiben wir bei der wahren Natürlichkeit und nähern wir uns damit dem wahren natürlichen Geld: Nach Abschluss der Analysen aller Elemente des Periodensystems und anderer Sachwert-Varianten bleiben genau vier Elemente als ernsthafte Geldkandidaten übrig:

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Abb 1: Die Geldmetalle im Periodensystem der Elemente







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