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Bullische Rekord-Leerverkäufe bei Edelmetallen

11.06.2014  |  Adam Hamilton
Die Edelmetalle brachen vorletzte Woche ein und durchschnitten entscheidende Unterstützungszonen, was eine wahre Explosion pessimistischer Stimmung auslöste. Diese beunruhigenden starken Verkäufe waren keine Antwort auf Nachrichten, sie passierten aus dem Nichts heraus. Wer stieß Gold ab, und warum? Später erschienene Daten bestätigten, dass es US-amerikanische Futures-Spekulanten waren, die Gold und Silber rekordartig leerverkauften. Extreme Leerverkäufe sind sehr bullisch, da diese Wetten bald eingedeckt werden müssen.

Die Kursbewegungen von Gold und Silber sind seit Anfang 2013 überaus anomal. Damals entfachte die Federal Reserve ein Anschwellen der allgemeinen Aktienmärkte - einerseits durch die Monetisierung von Schulden, andererseits durch leere Beschwichtigungen, dass sie die Aktienpreise beaufsichtige und absichere. Die abgehobenen Aktienmärkte saugten nach und nach das Leben aus alternativen Investitionen, einschließlich Gold, welches durch nie gesehene Verkäufe von ETF-Anteilen zerschmettert wurde.

Westliche Investoren warfen Gold über Bord und überließen es der alleinigen Gnade US-amerikanischer Futures-Spekulanten. Deren kollektive Käufe und Verkäufe haben den Goldpreis schon immer beeinflusst, aber ihr Einfluss wird in dieser surrealen Welt verkümmerter Investitionsnachfrage richtiggehend verstärkt. Seitdem die extremen rekordartigen Gold-ETF-Verkäufe von 2013 Anfang dieses Jahres nachgelassen haben, wurden Gold- und Silberkurs völlig durch den Handel an den US-amerikanischen Futures-Märkten dominiert.

Die Spekulation mit Goldfutures ist ein enorm riskantes Spiel mit riesiger Hebelwirkung. Letzten Monat kürzte die CME Group die Marginerfordernisse für Gold- und Silberfutures um 7,7% bzw. 8,3%. Jetzt müssen Trader nur noch 6.000 $ auf ihrem Konto hinterlegen für einen einzigen 100-Unzen-Goldkontrakt und 8.250 $ für einen 500-Unzen-Silberkontrakt. Und bei einem Goldpreis von 1.250 $ bzw. einem Silberpreis von 19 $ sind diese Kontrakte unglaubliche 125.000 $ bzw. 95.000 $ wert.

Somit hat ein Spekulant bei Minimummargin eine maximale Hebelwirkung des 20,8-fachen bei Goldfutures und des 11,5-fachen bei Silberfutures. Das ist unglaublich hoch. Auf den Aktienmärkten hat die Federal Reserve mittels Regulation T seit 1974 die Hebelwirkung gesetzlich auf das Zweifache begrenzt. Bei einem Hebel von 20,8 kann eine relativ kleine Bewegung von 4,8% bei Goldfutures in die falsche Richtung der Wette eines Spekulanten 100% des riskierten Kapitals auslöschen!

Daher können es sich Futures-Spekulanten einfach nicht erlauben, langfristig falsch zu liegen, selbst bei Minimaleinlage. Am Dienstag, dem 27. Mai, erhöhten sie ihre Wetten darauf, dass Gold- und Silberkurs einfach weiter abwärts driften, enorm. Deswegen fielen Gold und Silber an diesem Tag um 2,1% bzw. 1,9%, was den finalen Todesstoß für die Stimmung vieler Edelmetallbullen bedeutete. Zu diesem Zeitpunkt war der Ursprung dieser enormen Verkäufe noch nicht bekannt.

Futures-Spekulanten können Edelmetall-Futures auf zwei Wegen verkaufen, was im Endeffekt das Angebot erhöht und die Preise fallen lässt. Sie können Long-Kontrakte liquidieren, die schlimmste Art des Verkaufens. Sobald Händler ihre Long-Positionen von Gold- und Silberfutures verkaufen, haben sie keine Verpflichtung, wieder zurückzukommen. Sie können für eine lange Zeit fern bleiben, was den Edelmetallpreisen sicher nicht hilft. Long-Wetten zurückzuschneiden kann mitunter ein sehr pessimistisches Zeichen sein.

Futures-Spekulanten können Edelmetallfutures auch leerverkaufen, indem sie das Metall praktisch von jemand anderem leihen, bevor sie es schließlich abstoßen. Sie hoffen, die Futures später zu einem niedrigeren Preis zurückzukaufen, um ihre Schulden zurückzuzahlen und streichen den Preisfall als Gewinn ein. Aber entgegen der Long-Liquidation sind Leerverkäufe sehr bullisch, denn Händler unterstehen der gesetzlich-vertraglichen Verpflichtung, in naher Zukunft Long-Kontrakte zu kaufen, um ihre Shorts einzudecken.

Futures-Leerverkäufe garantieren zeitnahe Käufe, da jeder leerverkaufte Kontrakt zurückgekauft werden muss, was die Nachfrage erhöht. Diese bullische Deckung geschieht aus zwei Gründen bald. Erstens können es Spekulanten aufgrund der hohen Hebelwirkung, die Gold- und Silberfutures innewohnt, nicht riskieren, zu lange extrem short zu bleiben. Zweitens haben Futures-Kontrakte ein eingebautes Auslaufdatum. Sie müssen vor diesem eingedeckt werden.

Glücklicherweise waren die ernstzunehmenden Verkäufe, welche Gold und Silber an besagtem Dienstag niederschlugen, ausschließlich enorme Futures-Leerverkäufe US-amerikanischer Spekulanten. Wir hatten davon bis zum späten Freitagnachmittag vorletzte Woche keine Ahnung, als die Commodity Futures Trading Commission ihren wöchentlichen Commitments-of-Traders-Bericht zu den Futures-Positionen veröffentlichte. Bis dahin machte ich mir Sorgen, dass dieser Dienstag eine Long-Liquidation gewesen war.

US-amerikanische Aktientrader, deren unvergleichliche GLD-Anteilsverkäufe für den gesamten Goldabsturz im letzten Jahr sorgten, hatten keinen Anteil am Zusammenbruch der Edelmetalle an besagtem Dienstag. An diesem Tag stiegen die Goldbestände des GLD sogar um 1,1% bzw. 8,4 t. Das war prozentual betrachtet der größte tägliche Zuwachs seit August 2011 und der größte in Tonnen seit Oktober 2012! Haben Aktientrader Gold gekauft?

Das bezweifele ich. Die Aufgabe des führenden Gold-ETF GLD ist es, dem Goldpreis zu folgen. Wenn also Aktientrader GLD-Anteile nicht so schnell verkauft hätten, wie Futures-Händler Gold abstießen, hätte sich der GLD-Kurs nach oben abgelöst. Die Verantwortlichen des GLD hätten ein neues Anteilsangebot aufbringen müssen, um den Kurs schnell genug fallen zu lassen, damit er mit Gold mithält. Also hätten sie neue Anteile ausgegeben und den Erlös genutzt, um mehr physisches Gold zu kaufen.

Da der GLD an diesem Tag des Zusammenbruchs keinem Überverkaufsdruck ausgesetzt war, mussten US-amerikanische Futures-Spekulanten der alleinige Schuldige sein. Und der CoT-Bericht vom entsprechenden Freitag bestätigte, dass sie es waren - auf der Short-Seite. Diese erste Grafik zeigt den GLD-Kurs sowie die gesamten wöchentlichen Long- und Short-Positionen von Goldfutures-Spekulanten, dem CoT-Bericht entnommen. Als ich die jüngsten CoT-Daten vom vorletzten Freitag sah, fielen mir fast die Augen aus dem Kopf.

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In der am Dienstag, dem 27. Mai geendeten CoT-Woche, dem Tag des Gold- und Silberabsturzes, verkauften US-amerikanische Futures-Spekulanten erstaunliche 30.500 Goldkontrakte leer! Das ist eine schwindelerregende Zahl, das Gegenstück von 94,8 t Gold, das in einer einzigen Woche auf den Markt geworfen wurde. Die globale Investitionsnachfrage, welche laut World Gold Council durchschnittlich 30,2 t pro Woche im Jahr 2012 betrug und 14,9 t im letzten Jahr, konnte diese Angebotsschwemme einfach nicht absorbieren.



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