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Keynes und die Gefahren der Inflation

02.01.2016  |  Michael J. Kosares
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"Ich stelle fest, dass ich für eine Lösung unserer Probleme mehr und mehr auf die unsichtbare Hand angewiesen bin, die ich vor über 20 Jahren aus dem Wirtschaftsdenken zu verbannen versuchte."
- John Maynard Keynes, 1946 -


Dieses Eingeständnis machte John Maynard Keynes 1946 gegenüber Henry Clay, einem Mitglied des Beratungskomitees der Bank of England. Keynes hat seine Ansichten komplett geändert und wurde vom glühenden Verfechter des Interventionismus zum Befürworter des Laissez-faire nach Adam Smith. 25 Jahre später sollte Präsident Richard Nixon die Konvertibilität des US-Dollar in Gold abschaffen und das Bretton-Woods-System außer Kraft setzen, das zum großen Teil von Keynes erdacht worden war und in dem die Wechselkurse zwischen den Währungen festgelegt waren.

Damit gab Nixon den Startschuss für den freien Handel mit Gold und Währungen an den internationalen Märkten. Es war die Geburt des Fiatwährungssystems des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Obwohl es sich grundlegend von der Ordnung unterschied, die Keynes nach dem Zweiten Weltkrieg konzipiert hatte, erklärte Nixon anlässlich seiner Einführung: "Jetzt sind wir alle Keynesianer."

Man fragt sich, was Keynes wohl von dieser Aussage gehalten hätte. Die Wirtschaftsordnung, die wir in den folgenden Jahren "keynesianisch" nennen sollten, hatte wenig gemeinsam mit dem Wirtschaftsbild, das der berühmteste Ökonom des 20. Jahrhunderts erdacht hatte. Nach dem Ende der Bretton-Woods-Ära erreichte das unkontrollierte neue System seinen Zenit im Jahre 2008 unter der Führung von Ben Bernanke, dem damaligen Vorsitzenden der amerikanischen Notenbank Federal Reserve.

Bernanke setzte die direkte Monetarisierung von Staatsschulden in Höhe von Billionen von Dollar um, schnürte ein Rettungspaket für den unbelehrbaren Finanzsektor und sorgte dafür, dass Banksparbücher fortan zu einem Relikt aus der Vergangenheit wurden. Als Keynes die Korrumpierung der Währung verurteilte, meinte er genau das. Doch die Zentralbanker dieser Welt folgten fortan dem Beispiel Bernankes.

Keine Spur von der liberalen Wirtschaftspolitik, die Keynes zu Ende seines Lebens befürwortete. Stattdessen haben wir das genaue Gegenteil erreicht: Eine staatlich gelenkte Kommando-Wirtschaft, finanziert von den großzügigen Druckerpressen der Zentralbanken. Die Weltwirtschaft treibt heute auf einem Ozean aus Papiergeld dahin, das durch nichts gedeckt ist, abgesehen von den Versprechen der jeweiligen herausgebenden Regierung. Die wirtschaftspolitischen Optionen wurden damit im Wesentlichen auf "weiter so" und "noch mehr Geld drucken" beschränkt.

Währungsabwertungen zählen nicht länger zu den Maßnahmen, die in den hintersten Ecken der Zentralbankpolitik versteckt werden müssen, nein, sie werden ganz offen vor aller Welt, einschließlich der Finanzmärkte, verkündet. Das geht sogar soweit, dass die Staaten untereinander in Wettstreit treten, um zu sehen, wer seine Währung am schnellsten entwerten kann. Wie Richard Russel, der kürzlich verschiedene, vehemente Kritiker der Zentralbankpolitik es ausdrückte: "Inflation oder Tod!"


Keynes würde Gold kaufen, so schnell er kann

Wie hätte Keynes, dessen Gespür für gute Investitionen genauso legendär war, wie seine Ratschläge für die Staatsmänner, sein eigenes Portfolio unter diesen Umständen angepasst? Richard Hurowitz, der Herausgeber des Octavian Report, äußerte im Wall Street Journal einige interessante Vermutungen zu diesem Thema:

"Keynes hatte verstanden, dass zuverlässiges Geld und stabile Wechselkurse unabdingbare Grundvoraussetzungen für weltweiten Wohlstand und Frieden darstellen. Entgegen einer weit verbreiteten Annahme war er der Ansicht, dass Währungsabwertungen in den meisten Fällen kontraproduktiv seien und ihre Vorteile oft weniger stark ins Gewicht fielen, als die steigenden Ausgaben im Inland und die Unterhöhlung der staatlichen Kredite.

'Es gibt keine raffiniertere und sicherere Methode, die Grundlage einer Gesellschaft zum Einsturz zu bringen, als ihre Währung zu korrumpieren,' beobachtete Keynes im Jahr 1919. Er argumentierte immer wieder, dass eine stabile Währung für eine funktionierende, freie Wirtschaft unerlässlich sei. Er verstand, dass eine solche Währung letztlich mehr Wohlstand generieren würde, als der endlose Teufelskreis der improvisierten Abwertungen, den wir heute auf globaler Ebene erleben.

Wäre Keynes noch am Leben, würde er sich wahrscheinlich auf die Seite der Bundeskanzlerin Angela Merkel schlagen und für mehr geldpolitische Disziplin und die Rückkehr zu einem besser ausbalancierten internationalem System eintreten. Seine neo-keynesianischen Gefolgsleute würden seine Bedenken allerdings zweifellos als hoffnungslos veraltet und reaktionär abtun.

Keynes war ein Wirtschaftstheoretiker, aber auch ein scharfsinniger Marktanalyst und ein passionierter und ehrgeiziger Spekulant, sowohl für seine eigenen Zwecke als auch für die Cambridge University. Würde er heute das von Nullzinspolitik und quantitativen Lockerungen geprägte wirtschaftliche Panorama betrachten, würde er mit Sicherheit Gold kaufen, so schnell er kann, ungeachtet dessen, was seine Anhänger vielleicht denken könnten."



Die wirtschaftlichen Konsequenzen des Inflationismus

Wenn Sie diesen Newsletter regelmäßig lesen, werden Sie Keynes' Zitate über die Gefahren der Währungsabwertung wiedererkennen. Keynes schrieb diese Worte 1919 als junger Mann in seinem Werk "Krieg und Frieden. Die wirtschaftlichen Folgen des Vertrags von Versailles" nieder, einer nach dem Ende des Ersten Weltkriegs veröffentlichten Abhandlung. Darin sprach er sich für Nachsicht mit dem besiegten Deutschland und seinen Verbündeten aus, warnte jedoch auch vor der "Bedrohung des Inflationismus" in den zentraleuropäischen Staaten.





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