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Die Schattenseite von Minenaktien

04.06.2006  |  Todd Stein & Steven McInt
Im Monat April sind die Silber und Goldpreise so gut wie jeden Tag gestiegen. Hingegen sind die Minenaktien stagniert und teilweise sogar gefallen. Man hat also in den letzten drei Monaten den erwarteten Erfolg von Minenaktien nicht beobachten können.

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Lassen wir uns noch mal verdeutlichen, dass wir dem Gold und Silbermarkt gegenüber, langfristig sehr zuversichtlich sind. Es sind die einzigen zwei Währungen der Welt, die nicht irgendjemandes Schulden sind. In einer Welt aus Rechengeld, Chaos und Zerstörung werden die monetäre Stabilität und das begrenzte Angebot von Gold und Silber von einem jedem Investor weltweit zunehmend erwünscht sein. Diese kürzlich entstandene Edelmetall Bullenmarktrallye hat 2000-2001 begonnen und brachte Gold bisweilen auf 630 Dollar pro Unze und Silber auf über 13 Dollar. Die Rallye wurde zwar kürzlich zweimal korrigiert, aber langfristig gesehen wird der schwache US-Dollar der Katalysator für noch weit höhere Edelmetallpreise werden.

Wenn man dem Edelmetallmarkt nun optimistisch gegenüber steht, stellt sich nur die Frage wie man aus ihrer steigenden Beliebtheit, den größten Nutzen zieht. Sind es die Aktien, Futures, Optionen auf Futures, oder der einfache Besitz des Edelmetalls durch ETFs oder physischer Lagerhaltung? Ende der 90er Jahre waren wir am Edelmetallmarkt erstmals so optimistisch, dass wir durch Haltung von Minenaktien aber auch physischen Besitz, langfristig hohe Preise erzielten. (wir sind nicht klug genug kurzfristige Spekulationen zu tätigen) Minenaktien schienen sowohl nach oben als auch nach unten hin, größeres Entwicklungspotential zu haben als der physische Besitz. Wir wollten die Aktien von bewährten Minen, da wir das operationelle Potential das sie den Zeichnern boten, ausnutzen. Eine 1-prozentige Erhöhung des Goldpreises verursachte nicht selten einen 2-prozentigen Anstieg der Nettoeinkommen der Minenunternehmen. Jüngere Minen waren und sind ganz einfach zu spekulativ für uns. Einige erwirtschafteten enorme Renditen und andere verdampften wie Wasser auf heißen Steinen.

Zurückblickend kann man sagen, dass Anhänger dieser Strategie großzügig belohnt wurden. Während Gold bereits 150 % über seinem 250 Dollar tief steht und Silber gegenüber seinem 4 Dollar Tief seine Performance verdreifacht hat, haben Minenaktien zwischenzeitlich ihren Wert versieben- oder sogar verachtfacht. In den meisten Fällen war das Zeichnen von Minenaktien bisher die weit klügere Investmententscheidung. In den letzten drei Monaten jedoch entwickelten sich die die Preise von Gold und Silber weit besser als die Aktienkurse von Minenaktien. Gold stieg um fast 100 Dollar und Silber stieg prozentuell gesehen noch höher, jedoch muss man anmerken, dass viele Komponenten des XAU und HUI nicht annähernd so viel Erfolg hatten.

Wir glauben, dass diese kürzlich aufgetretene Divergenz vielseitige Gründe hat. Erstens mussten Gold und Silber einiges aufholen um mit den steigenden Aktienkursen der Minenfirmen mitzuhalten. Zweitens stellten sich die Minenfirmen selbst ein Bein, weil die erwarteten Bargeldkosten aufgrund von Öl und Produktionsengpässen weit höher ausfielen. Diese drosselten das Wachstum des EPS mit gestiegenen Silber und Goldpreisen. Drittens stellen die in Südamerika gewählten linken Regierungen, wie Bolivien und Peru, für die Produzenten ein zunehmendes Problem dar. Diktatoren wie Hugo Chavez werden durchaus positiv für den aktuellen Edelmetallpreis sein, da sie das Angebot beschränken. Für die ansässigen internationalen Minenorganisationen sind sie aber ein Dorn im Wirtschaftsauge, weil sie mit höheren Steuern und schlimmstenfalls Enteignung rechnen müssen. Viertens sind wir der Meinung, dass viele Minenunternehmen sehr schlecht geführt werden. In keiner anderen Industrie, die wir verfolgen, sind Unternehmen derartig blind dem einzigen Ziel der Produktionsausweitung verschrieben.

Dies bedeutet, dass stark verwässerte Aktien ausgegeben werden um das "Geschäft aufzubauen". Zum Beispiel: Die Aktienzahl von Coeur d’Alene (ticker: CDE) stieg im Zeitraum 1997 bis 2005 um 30%. Dies verursachte einen konstanten Rückschlag bei Aktionärsdividenden. Coeur hat seit 2006 seine Emmission um nochmals 10% erhöht. Wie man sich vorstellen kann, ist Coeurs Silberproduktion um weit nicht 30 % in den letzten 10 Jahren gestiegen. Real gemessen, ist also die Produktion per Aktie stets gesunken.
Wir wollen damit jedoch nicht nur Coeur hervorheben, da so gut wie jedes Minenunternehmen in ähnlicher Weise mit seinen Aktionären umgeht.

Zu allerletzte, war der wohl bewegenste Grund für die aktuelle Unterproduktion der Minen die Skepsis. Gold und Silber steigen unermüdlich, aber der Großteil der Investoren erwartet eine starke Kurskorrektur. Die junge Wallstreet genießt die steigenden Edelmetallpreise mit äußerster Sorgfalt, vergleichbar mit dem Ölgeschehnissen vor einigen Jahren. Das letzte mal, als sich Rohstoffe so gut entwickelten, lagen die jungen Händler noch alle in ihren Windeln. Teilweise dauerte es über ein Jahr bis die Wall Street bemerkte, dass die hohen Öl- und Erdgaspreise langfristig bleiben würden und begannen vergleichsweise kostengünstige Öl- und Gasaktien zu kaufen. Ein ähnliches Szenario am Gold und Silbermarkt ist nicht unwahrscheinlich. Sobald die bedenken der Anleger aus dem Weg geschafft wären, würden sich die P/Es der Minenaktien besser entwickeln und eine solide Basis für einen Weg der andauernden Aktienpreisanstiege ebnen.

Wir denken, dass die schlechte Performance von Minenaktien in den letzten fünf Jahren der Grund für eine höhere Wertschätzung von physischen Edelmetallbeständen ist. Wenn die Markttrends sich ändern, werden die Minenaktien mit den physischen Beständen an relativem Wert aufholen und es wird eine Wertverschiebung zurück zu den Minen geben. Behalten Sie im Hinterkopf, dass von jedem Unternehmen, (sei es jetzt Coca Cola oder eine Gold und Silber Mine) der letztendliche innere Wert nie mehr Wert sein kann, als der aktuelle Wert der Nettoeinnahmen bzw. der zukünftigen Cashflow Ströme für die Aktionäre. Beim betrachten von einigen P/Es von Minenaktien läuft es einem immer noch kalt den Rücken hinunter. Andere bevorzugen es die restlichen Reserven und Bodenressourcen der Unternehmen zu analysieren und rechnen sich anhand dessen aus, ob es rentabel wäre die Unzen zu den aktuellen Preisen abzubauen. Sich über den relativen Wert von Minenaktien verglichen mit dem physischen Bestand im Klaren zu sein, ist äußerst wichtig, jedoch sollte das Hauptaugenmerk stets auf dem absoluten Wert liegen. Um sich mit dem absoluten Wert einer Mine anzufreunden, muss man an einen langfristig stabilen Edelmetallpreis glauben. So wird es dem Unternehmen möglich sein, zusätzlichen Cashflow zu generieren und die Erträge pro Aktie zu erhöhen. Schlussendlich werden diese zu einem fairen Preis von Minenaktien führen, einer, der weit über dem aktuellen Marktpreis liegt.


Todd Stein & Steven McIntyre sind international anerkannte Analysten und Verfasser des The Texas Hedge Report Newsletter. Ein Market Newsletter welcher über unter- und überbewertete Wertpapiere in den Aktien-, Anleihen-, Währungs- und Rohstoffmärkten berichtet.


© Todd Stein & Steven McIntyre

Exklusiv übersetzt von Martin Wieser. Das Original wurde am 25.04.2006 auf der Website www.silver4india.com veröffentlicht.



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