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Meine Meinung zum außerordentlich nervösen Goldmarkt

23.08.2016  |  Dr. Dietmar Siebholz
Nachdem ich seit dem Jahre 1961 bis heute immer wieder die Bestätigung des Lehrsatzes meines Börsenchefs erleben durfte, der mir auf gut Schwäbisch sagte "Burle, wenn elles rennet, da muscht´ langsam do und wenn sich koaner rührt, da muscht schnell sei..." Die Schwaben unter meinen Lesern mögen mir meine phonetischen Entgleisungen verzeihen. Aber fest steht, dass ich jedes Mal - wenn ich den Lehrsatz als nicht mehr gültig verworfen hatte - mein Lehrgeld zahlen musste. Dennoch will ich wieder gegen den Stachel lecken und noch einmal zum Engagement im gelben Metall auffordern.

Es ist ja so offensichtlich, dass derzeit alles zum Golde rät; selbst der Herr Soros (der ja bisher seine erfolgreichen Engagements nie vorher ankündigte, sondern erst einmal Kasse machte) veröffentlicht jetzt seine Wette gegen den S & P-Index und sein großes Engagement in Gold und viele andere Hedgefonds auch. Das macht mir Angst und vielleicht ist diese Angst auch bei vielen anderen Investoren unterschwellig vorhanden. Denn die Großen machen ja ihren Profit immer gegen die Verluste der Kleineren. Soweit also meine mentale Ausgangslage.

Nun aber zu den Fakten. Seit dem Jahre 1994 versuche ich, die Frage zu beantworten, warum der Goldpreis fällt, während die Produktion des Metalls nicht mit der Nachfrage Schritt hält und dies über Jahrzehnte. Wir wissen inzwischen ganz sicher, dass dies das Manipulationswerk der Notenbanken und ihrer "Vollzugsbeamten" bei den Investmentbanken ist, die sowohl über Derivate ohne Ende, aber auch über physische und damit über reale Verkäufe den Preis unten hielten. Die Frage nach dem Warum erübrigt sich: Gold ist Geld und sonst nichts, das hat nun wieder einmal der frühere FED-Präsident Mr. Greenspan erklärt, der ja bei seinen Aussagen immer wieder nach seinen Auftraggebern schielte.

Als er im Präsidium der FED saß, sah er dies anders. Ja, er machte sich meiner Meinung nach sogar des Meineides schuldig, als er in den späten neunziger Jahren unter Eid vor einem Kongressausschuss aussagte, es habe beim US-Staatsgold keine Veränderungen gegeben. Nur schade, dass zwischen zwei Jahresabschlüssen der US-Rechnungsprüfung GAO eine Differenz von ca. 49 Tonnen veröffentlich wurde. Wer kann mir sagen, wie das mit der Aussage vor dem Kongress übereinstimmt?

Ich finde bei heftigstem Nachdenken für diese Aussage nur die Erklärung, dass sich eben doch etwas verändert hatte, verdampft kann das Gold ja nicht sein. Aber lassen wir das. Was Sie daraus folgern sollten, ist: Traue keinem Politiker, denn er will Dein Bestes - und das ist Dein Vermögen. Das Thema Vertrauen in Politiker-, Notenbanken- und Investmentbanken-Aussagen dürfte ich damit abgehakt haben, oder nicht?

Seit dem Jahre 1999 war ich auch über mein Engagement bei der GATA dabei, langsam den Schleier über die ungeklärten Fragen zum Goldmarkt zu zerreißen. Und ich bekam auch die Antwort auf die Frage nach dem Warum. Es ist ganz einfach: Mit der Aufhebung der partiellen Golddeckung des US-Dollars konnten die Notenbanken ungehemmt Geld in Umlauf bringen, das vorher nicht durch Leistungen verdient werden musste. Und der konservative Investor musste erkennen, dass dieses ungedeckte Papiergeld immer weniger Kaufkraft behielt. Jetzt nähern wir uns stramm der Endzeit: Billionen von US-Dollar, von Euros, von Yen und von Britischen Pfund etc, wurden aus dem Nichst erschaffen und schwirren nun durch die Welt.

Dass damit die Schulden der Staaten in ähnlicher Weise stiegen, war kaum einem klar bewusst. So ist das Gold der Wertmaßstab für Geld und jetzt wissen wir auch, warum diese Institutionen das Edelmetall so bekämpfen. Wer mich schon längere Zeit kennt, weiß um meine drastischen Vergleiche: „Die schönsten Mädchen kann ich nach Hause bringen, an jeder hat meine Frau etwas auszusetzen..:“. So geht es auch dem Gold. Gegen Gold sind alle Papierwährungen ein Nichts und das stört natürlich die Notenbanken und ihr Entourage, die ja ihr Geld mit der Geldschöpfung verdienen.

Das Spiel mit der Einflussnahme auf den Goldpreis hat schon einen Bart, die bereits zweimal gescheiterten Versuche, den Markt auszuschalten (z.B. im Londoner Goldpool) zeigen auf, dass diese Aktionen gegen den Markt am Ende immer scheitern müssen, auch wenn richtig große Geschütze aufgefahren werden. Die Beeinflussung findet zwar immer noch statt, wenn man sieht, wie über Zukunftskontrakte, die ähnlich dem Papiergeld aus dem Nichts und mit Rückendeckung der Notenbanken geschafft werden, der Preis niedrig gehalten wird.

Was hat sich denn nun geändert, dass ich so optimistisch für Gold bin?

Die mächtigen Notenbanken und ihre Vasallen haben ebenbürtige Gegner erhalten; das sind die Staaten, die sich unter dem Begriff "die Neue Seidenstraße" zusammengefunden haben und eine andere Geldpolitik betreiben, die keinesfalls mit der der anglo-amerikanischen Schule á la USA, Großbritannien, EU, Australien, Japan etc. übereinstimmt.

Haupttreiber ist hier China; und ich bin stolz, bereits in einem Essay aus dem Oktober 2004 auf diese neue Macht und Kraft hingewiesen zu haben (siehe "Meine Meinung zu… Nr. 1040 Die Strategie Chinas, um die USA vom Thron zu stürzen..“). Nämlich anders als die "Sofort-Belohnungs-Mentalität", die uns unsere Brüder in den USA gebracht haben (warum Brüder? Nun, Freunde könnte man sich ja aussuchen), vollzieht China eine sich langsam entwickelnde Strategie, die unweigerlich zu einer Schwerpunktverschiebung weg von den Städten wie New York, London, vielleicht auch Frankfurt hin nach Peking, Hongkong, Singapur, ja sogar New Delhi führt.

Sie sollten sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass die größten Goldhandelsumsätze in Shanghai und nicht mehr in London stattfinden, dass es in China Future-Kontrakte gibt, die mit der physischen Lieferung geschlossen werden können und müssen und die nicht zum permanenten Roll-Over auf die nächste Fälligkeit am Papiergoldmarkt ermächtigen.

Sehen Sie sich die Statistiken der Länder der Neuen Seidenstraße einmal genauer an; da ist zum Beispiel Russland, das sich in einer extrem schwierigen Lage befindet, weil auch so zuverlässige Partner wie die BRD sich dem Postulat des Hegemons unterwerfen und dabei ihre eigenen Interessen ignorieren. Selbst in dieser Lage kommt kein russisches Gold auf den Markt, sondern wird akkumuliert. Und wer den offiziellen Statistiken von China Vertrauen schenkt, sollte sich einmal mit den jahrtausendalten Kampfstrategien der Chinesen beschäftigen. Kurz gesagt: Will man seinen Feind töten, muss man ihn über die eigene Stärken belügen. Er wird es dann bald selbst entdecken, dass der Glauben an Chinas Ehrlichkeit immer tödlich ist.

Für mich steht fest, die Neue Seidenstraße ist die Rollbahn des Tsunamis, der die alten Kolonialmächte in extreme Schwierigkeiten bringen wird. Das ist nicht eine kleine Welle im Finanz-Ozean, sondern eine tiefe Grundsee.

Was den Trend nun unterstützt, ist nun wieder anglo-amerikanisches Machwerk, vorab praktiziert durch Japan, nämlich der Trend zu Negativzinsen. Wenn man mich zum Zeitpunkt meiner Bankausbildung und des Studiums gefragt hätte, was ich von Negativzinsen hielte, hätte ich damals in Berlin die Einlieferung seines Gegenübers nach Wittenau (Irrenhaus - wie man es heute politisch korrekt ausdrückt, weiß ich nicht) gefordert.

Das uralte Kontra-Argument, Gold bringt keine Zinsen, ist inzwischen nahezu wertlos, denn es erspart ja heute die Negativzinsen und bringt sogar einen relativen Ertrag. Es ist wohl der Hohn der Geschichte, dass die Finanzkomiker, alles ärgste Feinde des Goldes, das ja zur Ehrlichkeit zwingt, nun gezwungen sind, dem Gold neue zusätzliche Impulse zu verleihen, weil sonst ihre Papiergeldschnipsel einmal nur noch als Grundstoff für Pappmaché dienen werden. Diese unerwartete Kraft steigert die Potenz der oben genannten Grundsee-Welle erheblich.


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