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Start am 4. Dezember: Wie die größte Wirtschaft der Welt zerstört werden könnte!

29.11.2016  |  Uli Pfauntsch
In den letzten sechs Monaten hat die Welt zwei "Black Swans" erlebt: Erst den Brexit und dann Trump. Beide Ereignisse werden noch weitreichende Folgen nach sich ziehen und wurden nur deshalb möglich, weil immer mehr Menschen das Gefühl haben, von der herrschenden Klasse abgehängt und zurückgelassen zu werden.

Der nächste "Black Swan" steht am 4. Dezember an. Es ist der dritte Dominostein eines tiefen Erosions- und Umbruchprozesses der internationalen Ordnung. Falls Sie Aktien, Anleihen oder Fonds besitzen, wird der 4. Dezember 2016 ein schicksalhafter Tag für Ihre finanzielle Zukunft. Die kommende Krise könnte jegliche Art von Geld, die Sie besitzen, neu kalibrieren.

Mit anderen Worten: Falls Sie nicht vorbereitet sind, könnten Sie sich in einer wirtschaftlichen Katastrophe wiederfinden, die den Crash von 2008 wie einen Spaziergang aussehen lässt.

Was am 4. Dezember ansteht, ist das Referendum in Italien - dem Land, das seit langem die größte Bedrohung für das Überleben des Euro und der Europäischen Union darstellt. Ministerpräsident Matteo Renzi glaubt, dass die Lähmung der Institutionen das größte zugrunde liegende Problem Italiens sei. Deshalb will er die Bevölkerung darüber abstimmen lassen, den Einfluss der Regionalregierungen zu beschränken und den Senat dem Abgeordnetenhaus des Parlaments zu unterstellen. Dies, zusammen mit einem neuen Wahlgesetz, das der größten Partei eine Mehrheit garantieren soll, soll ihm die Macht verleihen, die Reformen, die Italien so verzweifelt benötigt, zu verabschieden.

Einfach ausgedrückt: Der Wähler in Italien soll freiwillig auf Macht verzichten, um der Regierung die Durchsetzung von Reformen zu ermöglichen.

Der 41-jährige Renzi hatte bereits angekündigt, im Falle einer Niederlage zurückzutreten und sich nicht an einer Übergangsregierung zu beteiligen. Die nächsten offiziellen Wahlen in Italien stehen 2018 an. Falls sich aber Renzi zurückziehen sollte, wird das Land zwangsläufig ins politische Chaos stürzen. Deshalb könnte es schon vor 2018 zu Neuwahlen in Italien kommen.

In diesem Fall ist zu befürchten, dass die rechtspopulistische Protestpartei "Fünf-Sterne-Bewegung" unter Führung des Komikers Bebbe Grillo als stärkste Partei die Oberhand gewinnt. Diese hatte ihren Wählern bereits im Vorfeld ein Referendum für den Verbleib in der Eurozone versprochen. Die 5-Sterne-Bewegung klagt die chronische Wachstumsschwäche Italiens durch den Euro an und will die alte Währung, die Lira, wieder einführen, sobald sie an die Macht kommt. Und das könnte früher sein, als die meisten Menschen glauben.


Warum die Italiener mit "NEIN" wählen werden

Wenn Sie sich mit Italienern, etwa in ihrer Heimatstadt, unterhalten, werden Sie schnell feststellen, dass diese von ihrer Regierung einfach nur die Schnauze vollhaben. Dazu haben sie allen Grund - sogar noch mehr als die Briten und Amerikaner. Seit 1999 gibt es kein Produktivitätswachstum. Vielen Italienern geht es heute sehr viel schlechter als vor der Jahrtausendwende.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie von McKinsey & Co. offenbart, dass 97 Prozent aller Italiener von 2005 bis 2014 einen Verlust in Lohn und Einkommen hinnehmen mussten. In keinem anderen Land haben sich die Bedingungen so verschlechtert wie in Italien. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass es für die italienische Wirtschaft bis 2025 dauern könnte, ehe das Niveau von vor 2008 wieder erreicht ist. Was sich in Italien abspielt, ist die wirtschaftliche Zerstörung eines gesamten Landes in Echtzeit, dem das Schlimmste erst noch bevorsteht.

Mit einem "Nein" zur Verfassungsreform, bekommt der durchschnittliche Italiener die Gelegenheit, dem Establishment und den EU-Bürokraten in Brüssel den Mittelfinger zu zeigen. Angesichts der hohen Frustration, die sich im Land breitmacht, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Italiener diese Gelegenheit nutzen und mit "Nein" stimmen.


Bankensystem möglicherweise vor tödlicher Katastrophe!

Eine Niederlage von Renzi würde für Italien ohne jeden Zweifel eine Periode der politischen Instabilität einleiten. Die Märkte würden diese Niederlage als Beweis interpretieren, dass Rom unfähig ist, die verzweifelt benötigten Reformen durchzusetzen. Das wiederum würde ernsthafte Zweifel auslösen, wie Italien seinen Schuldenberg in Höhe von 135 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf ein solides Fundament stellen will.

Wie Sie vermutlich wissen, lasten auf dem italienischen Bankensektor faule Kredite in Höhe von fast 400 Milliarden Euro, während die Wirtschaft des Landes immer tiefer in die Krise rutscht. Zahlreiche italienische Banken benötigen dringend gigantische Kapitalspritzen. Alleine die Pleitebank Monte dei Paschi, die faule Kredite von 50 Milliarden Euro erdrückt, benötigt kurzfristig 5 Milliarden Euro. Und die Mutter der Hypo-Vereinsbank, UniCredit, benötigt sogar 13 Milliarden Euro frisches Kapital.

Es ist eine Gefahr, die der Markt derzeit (noch) nicht ausreichend zu berücksichtigen scheint: Verliert Renzi bei seinem Referendum, dürften auch noch die letzten potenziellen Investoren das Vertrauen verlieren. Und dann könnte die Rettung der italienischen Banken zum aussichtslosen Unterfangen werden.

Wie die katastrophale Kursentwicklung der italienischen Bank-Aktien zeigt, ist das gesamte italienische Bankensystem möglicherweise nur einen Fingerzeig von einer kompletten, tödlichen Katastrophe entfernt.

Weltweit belaufen sich die Forderungen der ausländischen Banken gegenüber Italien auf 550 Milliarden Euro. Französische Geldhäuser tragen mit 250 Milliarden Euro das größte Risiko, auf Platz zwei folgen dann bereits deutsche Institute mit 92,7 Milliarden Euro. Jedes Kreditinstitut ist engmaschig miteinander vernetzt - fällt ein Dominostein, fallen alle anderen. Es wäre eine Illusion zu glauben, dass einzelne Institute noch stark genug wären, um zu überleben.

Anders als bei den Bankenkrisen in Griechenland, Portugal und Irland, ist das Bankensystem in Italien schlicht und einfach zu groß, um durch einen "Bail-Out" der Europäischen Zentralbank gerettet zu werden. Darüber hinaus beheimatet Italien den weltweit drittgrößten Bond-Markt, mit ausstehenden Staatsanleihe-Schulden im Volumen von mehr als 2 Billionen Euro.


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