Suche
 
Folgen Sie uns auf:

IWF-/IMF-Meeting in Washington und seine Folgen…

11.10.2004  |  Dr. Dietmar Siebholz
Wie jedes Jahr, tagen die Präsidenten, Kanzler und ihre Finanzminister im Rahmen des IWF-/IMF-Treffens, dieses Mal wieder in Washington. Werden sie Beschlüsse fassen, die die weltweite Finanzwirtschaft in Atem halten werden? Ich meine eher nein, sie werden versuchen, die bereits seit längerem festgestellten Widrigkeiten in für die Öffentlichkeit angenehmeren Begriffen zu verstecken, vor denen ich schon seit Jahren warne. Warum bin ich eigentlich so misstrauisch?

Die Antwort ist einfach: Jeder einigermaßen mit den Grundzügen der Ökonomie vertraute, stellt Fragen nach dem Sinn von Maßnahmen und Erklärungen, die aber von den jeweiligen Regierungen nicht beantwortet werden (können), weil mit der Antwort dann da die Mißstände definiert werden und sicherlich deren Abstellung dann ja zugesichert werden müsste. Und: Diese Probleme sind nicht lösbar, denn die Regierenden haben die Krebsgeschwüre längst erkannt, können sie aber wegen ihrer Ängste, dann abgewählt zu werden, nicht behandeln.


Welche Probleme sind dies?
  • Die Überalterung der westlichen Industriestaaten und deren morbide Altersversorgung,
  • die Verschuldung der Staaten, der Wirtschaftsunternehmen und der Bürger,
  • die überzeichneten Immobilien-Booms in vielen Staaten der Welt,
  • die Verlagerung der Arbeitsplätze nach Osteuropa und Asien und die damit verbundene strukturelle Arbeitslosigkeit,
  • die Überlastung der Sozialsysteme,
  • die Manipulation an den Weltmärkten zur Aufrechterhaltung der bereits ausgehöhlten westlichen Industriestaaten,
  • die Kriegsfinanzierung für den Irak-Feldzug; es ist ein Krieg und er verschlingt Kapital, das in der Wirtschaft und für Soziales gebraucht wird,
  • die versteckten Lasten in den Unternehmen (nicht bilanzierte Pensionslasten) und die Risiken der Risikoabsicherung über Derivate.


Kein Politiker der Welt hat auch nur für zwei oder drei dieser für sich selbst schon übermächtigen Probleme eine Lösung; die typische Politiker-Lösungen bestehen darin, die Probleme klein zu reden, deren Entstehung zu beschönigen und die Statistiken zu manipulieren.

So wird seit Jahren heftig in die Edelmetall-Märkte eingegriffen, um das "Geld-Gesundheits-Thermometer" (nämlich den Goldpreis) nicht zu extrem ausbrechen zu lassen, denn anhand des Gold-Fiebers würden sich viele die Fragen stellen, warum Gold so stark steigt. Gold ist immer noch für viele der Maßstab, an dem das Papiergeld und deren innerer Wert (= nämlich NULL) gemessen werden.

Die inzwischen verfeinerten Methoden der Statistiker für die Veröffentlichung von Arbeitslosenzahlen oder die neu geschaffenen Arbeitsstellen, für die Verbesserung der Steigerungswerte für das Bruttosozialprodukts oder für die Meßwerte der Geldentwertung lassen Schlimmes vermuten, aber eines stellen sie nicht dar: Einen Gradmesser, an dem sich Private und Unternehmer mit ihren wirtschaftlichen Entscheidungen orientieren können.

Was soll ein Inflations-Meßwert, wenn in ihm nicht die Kosten für Energie und Lebensmittel enthalten sind? Ja, das ist der "Core-CPI" in den USA, ein Kernindex ohne Energie und Lebensmittel. Die Politi-ker muss man fragen, ob sie von Kühlschränken, Kraftfahrzeugen und Babywäsche leben oder Lebensmittel und Energie nicht doch wichtiger für das tägliche Leben sind?

Nun sind meine persönlichen Erkenntnisse wegen meines Engagements bei der GATA (ich deren deutscher Repräsentant), die ja seit Jahren die Einflussnahme der US-Regierung (und anderer) in die Edelmetallmärkte schärfstens verurteilt und auch die sonstigen Eingriffe der Regierungen brandmarkt, nicht besonders aufregend. Aber in den letzten Wochen nehmen sich auch andere und objektivere Fachleute dieser Thematik an.

Wenn Bill Gross, der Chef des weltweit größten Anleihen-Investmentfonds-Verwalters (PIMCO Inc) in seinem Essay vom 30. Oktober (Investment Outlook October 2004: "Haute Con Job"(="Höchster Schummel-Job") die US-Verwaltung aufs Korn nimmt, ist dies ein bedenkliches Zeichen für den eingetretenen Verfall; denn der US-Staat wird nicht von den Politikern finanziert, sondern von den Bond-Anlegern, die ihre Staatsanleihen kaufen. (Webseite: www.pimco.com)

Ernsthafte Wissenschaftler sollten den Erfüllungsgehilfen der Politiker, nämlich den Bürokraten in den Machtzentren, die für die Statistiken verantwortlich sind, unangenehme Fragen nach dem Sinn der so verfälschten Werte stellen.

Erst wenn man zur Kenntnis genommen hat, dass die Entscheidungsgrundlagen für die wirtschaftlich Aktiven, nämlich die veröffentlichten volkswirtschaftlichen Daten schlicht falsch und nicht repräsentativ sind, wird man in der Lage sein, die Gründe für diese Handlungen und deren Auswirkungen zu ermessen.

Meine Meinung hier ist: Es ist wie schon seit Jahrtausenden in der Menschheitsgeschichte ein deutliches Zeichen, wenn die Wertmaßstäbe verändert werden, dass diese Epochen zu Ende gehen. Der Zusammenbruch des Römischen Reiches war eingeleitet, als die Münzen und deren Edelmetall-Gehalte an die Grenze des Erträglichen (nämlich ca. 12,5% des ursprünglichen Inhalts) gelangt waren; niemand wollte sie mehr haben.

Die Assignaten aus der Zeit nach der französischen Revolution hatten - nachdem sie als neues Finanzierungsmodell und Wunder gepriesen waren - nach ihrer Verhundertfachung schnell ausgedient.

Kriege als Vernichter von Kapital waren schon immer Vorboten von ungebremsten Inflationen, denn dem Aufwand für die Kriegsführung liegt ja im Resultat kein wirtschaftliches Ergebnis zugrunde. Waffen produzieren halt kein Bruttosozialprodukt, vernichten aber Kapital und erhöhen die Schuldenlast.

Alle diese Probleme kann das IWF-Treffen in Washington nicht lösen, man wird hehre Diskussionen führen, Vorschläge unterbreiten, aber der Verfall der ökonomischen Grundlagen geht weiter.

Wenn nach den US-Präsidenten-Wahlen der neue (oder alte) Präsident sich dann der Wirklichkeit stellen muss - vor der Wahl wäre es leichtsinnig und fahrlässig, auf den aufgeklärten Bürger zu setzen und ehrlich zu sein - dann werden sicherlich Maßnahmen ergriffen werden müssen, die einschneidende Konsequenzen auslösen werden.

Die aktuelle Nervosität an den Bonds- und den Edelmetall- und den Rohstoff-Märkten zeigt deutlich die erwarteten Trends an:
  • Die Bevorzugung der Finanztitel wird zu Ende gehen,
  • die Anleger werden sich an die Substanzbindung der Edelmetall- und Rohstoffwerte erinnern,
  • die Inflation wird richtig eingeschätzt, mit der Folge, dass die Anleihemärkte international nachgeben werden,
  • die Immobilien-Preisblasen werden in bestimmten Ländern platzen und damit werden in Folge
  • die Derivate (von denen Warren Buffett sagt, sie seien die Massenvernichtungswaffen des Finanzwesens) teilweise in sich zusammenfallen, zumindest die Zinsderivate.


Meine Meinung: Wir stehen vor aufregenden Zeiten! Wie sagt mein US-Freund Don Stott immer so schön in seinen launigen Kommentaren?
DON´T BELIEVE THE GOVERNMENT AND PROTECT YOURSELF!


© Dietmar Siebholz







Bewerten 
A A A
PDF Versenden Drucken

Für den Inhalt des Beitrages ist allein der Autor verantwortlich bzw. die aufgeführte Quelle. Bild- oder Filmrechte liegen beim Autor/Quelle bzw. bei der vom ihm benannten Quelle. Bei Übersetzungen können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Der vertretene Standpunkt eines Autors spiegelt generell nicht die Meinung des Webseiten-Betreibers wieder. Mittels der Veröffentlichung will dieser lediglich ein pluralistisches Meinungsbild darstellen. Direkte oder indirekte Aussagen in einem Beitrag stellen keinerlei Aufforderung zum Kauf-/Verkauf von Wertpapieren dar. Wir wehren uns gegen jede Form von Hass, Diskriminierung und Verletzung der Menschenwürde. Beachten Sie bitte auch unsere AGB/Disclaimer!




Alle Angaben ohne Gewähr! Copyright © by GoldSeiten.de 1999-2024.
Die Reproduktion, Modifikation oder Verwendung der Inhalte ganz oder teilweise ohne schriftliche Genehmigung ist untersagt!

"Wir weisen Sie ausdrücklich auf unser virtuelles Hausrecht hin!"