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Der Konsummüdigkeitsvirus

30.01.2008  |  Jochen Steffens
- Seite 2 -
Um es zu überspitzen, der vom Virus befallene Konsument:

Nehmen wir spaßeshalber an, uns alle befällt ein seltsamer Virus, der dazu führt, dass uns plötzlich endlich klar wird, dass Konsum nicht glücklich macht und dass viel essen ungesund ist. Wir stellen fest, dass wir zum Leben kaum noch etwas brauchen. Also kaufen wir uns keinen technischen Schnickschnack mehr, fahren alle mit der Bahn oder gehen zu Fuß, essen nur noch (sehr wenig) Gemüse und trinken ausschließlich Wasser. Das Geld landet auf den Konten oder zuhause auf der hohen Kante und wird dort geparkt.

Urplötzlich würde die Geldumlaufgeschwindigkeit sich extrem verlangsamen. Sofort würden wir in eine Deflation ohnegleichen geraten (die Unternehmen müssten ihre Produkte loswerden und würden ihre Waren verramschen).


Selbst Helikopter Ben wäre machtlos

In diesem Fall könnte auch ein Ben Bernanke mit einem Helikopter umherfliegen und Geld abwerfen, es würde den Preisverfall nicht verhindern können. Die Menschen würden das Geld brav aufsammeln und es säckeweise zu Hause aufbewahren.

Also die Geldmengenausweitung allein muss nicht zur Inflation führen, eine weitere Variable in dieser Gleichung ist die Geldumlaufgeschwindigkeit.


Der menschliche Einflussfaktor

Ich habe das obige Beispiel gewählt, um zu zeigen, dass es in dieser Gleichung auch noch einen entscheidenden "menschlichen Aspekt" gibt, der ebenfalls an der Preisentwicklung beteiligt ist.

Dieser wird gerne im Zusammenhang mit Deflation beschrieben, bekannt ist folgendes Beispiel: Menschen werden bei allgemein sinkenden Preisen mit ihren Käufen warten, um eventuell eine Ware noch günstiger zu erhalten (was auch die Geldumlaufgeschwindigkeit verringert). Der umgekehrte Fall: Bei einer Hyperinflation versuchen die Menschen ihr Geld so schnell wie möglich in Waren zu tauschen, da das Geld am nächsten Tag schon nur noch die Hälfte "wert" sein kann.

Wichtig ist also die Bereitschaft Geld auszugeben, sprich, die Frage, ob Geld wirklich ausgegeben wird und wie schnell das geschieht.


Die Zentralbanken

Und hier wird es für die Zentralbanken schwierig. Sie können eben fast nur auf die Geldmenge Einfluss nehmen. Unter normalen Umständen führt eine Ausweitung der Geldmenge auch zu einer Beschleunigung des Geldumlaufs - so lange ist alles in Ordnung.

Doch das muss, wie gezeigt, nicht so sein. Da es der Zentralbank nicht möglich ist, auf die Konsumfreudigkeit der Verbraucher und damit direkt auf die Geldumlaufgeschwindigkeit einzuwirken, kann sich die Geldmenge auch extrem ausweiten, ohne dass es zur Inflation kommt.

Den Zentralbanken ist dieser Umstand durchaus bewusst und sie versuchen diese Komponente immer wieder in ihre Überlegungen einzubeziehen. Doch, wie sich in Japan gezeigt hat, unter bestimmten Aspekten sind sie vergleichsweise machtlos.

Um also einer Deflation zu entgehen, muss eine Zentralbank möglichst früh die Geldmenge massiv ausweiten, damit das Geld nicht geparkt wird, sondern in den Konsum fließt, was wiederum die Wirtschaft antreibt und somit eine Deflation verhindern kann. Auch kann eine nachfragefördernde Wirtschaftspolitik angestrebt werden, in diesem Zusammenhang fällt einem das Konjunkturprogramm von Bush ein.

Und das sind die Schritte, die zu der Überlegung führten, das in den USA gerade eine mögliche Deflation bekämpft wird.


© Jochen Steffens
Quelle: Auszug aus dem Newsletters "Investor´s Daily"



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