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Simpel, Fair, Fundiert

16.09.2010  |  Theodore Butler
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Da die meisten Rohstoffe schon jetzt weit unter diesem Grenzwert von einem Prozent der Weltproduktion liegen, muss man jetzt nur noch jene Rohstoffe dorthin bringen, die immer noch Positions- oder Rechenschaftsgrenzen von über einem Prozent haben. Es gibt nur vier begrenzt verfügbare Rohstoffe, bei denen derzeit noch Positionsobergrenzen oder Rechenschaftsgrenzen von über einem Prozent der Weltproduktion bestehen. Drei von ihnen werden an der Intercontinental Exchange (ICE) gehandelt und einer an der COMEX, die sich im Eigentum der CME Group befindet.

Zu den drei ICE-Rohstoffen zählen derzeit Kakao, Kaffee und gefrorener Orangensaft. Kakao hat aktuell eine Rechenschaftsgrenze von 6.000 Kontrakten, oder 2% der aktuellen Weltjahresproduktion; Kaffee 5.000 Kontrakte, oder 1,5% der Weltproduktion und gefrorenes Orangensaftkonzentrat liegt mit einer Obergrenze von 3.200 Kontrakten bei 1,25% der Weltproduktion. Es wird nicht allzu schwer fallen, die entsprechenden Positionsobergrenzen auf das 1%-Niveau zu senken.

Problematischer ist allerdings die aktuelle Höhe der Rechenschaftsgrenze beim COMEX-Silber. Die aktuelle Grenze liegt bei 6.000 Kontrakten oder 30 Millionen Unzen. Das sind 4,3% der rund 700 Millionen Unzen, die pro Jahr weltweit im Bergbau gefördert werden - sie liegt damit meilenweit über den Grenzen, die für jeden anderen begrenzt verfügbaren Rohstoff gelten. Auf Grundlage der 1%-Formel dürfte die Positionsobergrenze beim Silber nicht höher als 7 Millionen Unzen liegen oder äquivalent bei 1.400 Kontrakten (jeder Silberkontrakt entspricht 5.000 Feinunzen).

Es ist verwirrend, warum die CME Group die Positionsobergrenzen beim Silber nicht den anderen großen Metall-Kontrakten, die an der COMEX gehandelt werden, angleicht. Beim Kupfer liegt die aktuelle Rechenschaftsgrenze entsprechend bei 0,4% des weltweit produzierten Kupfers. Warum sollte die Grenze beim Silber zehnmal höher liegen als beim Kupfer. Der COMEX-Kontrakt für Gold hat eine Rechenschaftsgrenze von 6.000 Kontrakten oder (bei einem Kontraktumfang von je 100 Feinunzen) 600.000 Unzen. Das entspricht 0,75% der Weltproduktion, die bei 80 Millionen Unzen liegt. Warum ist die Rechenschaftsgrenze hinsichtlich der Weltjahresproduktion nun beim Silber fünfmal so hoch wie beim Gold?

Auch auf Folgendes hatte ich die Kommission schon in der Vergangenheit hingewiesen: Vergleicht man beide Metalle hinsichtlich des Volumens, des Open Interests und der Lagerbestände an den Börsen, so stellt sich heraus, dass auch bei einer solchen Betrachtung die Rechenschaftsgrenze vier- bis fünfmal so hoch liegt, wie sie eigentlich liegen sollte. Unter jedem dieser Aspekte fällt die Rechenschaftsgrenze beim Silber weit aus dem Rahmen.

Die Kommission erhielt vor Kurzem fast 300 öffentliche Kommentare zum Thema Positionsobergrenzen im Metallsektor - in 90% der Kommentare wurde die Kommission gebeten, beim COMEX-Silber eine Positionsobergrenze von 1.500 Kontrakten durchzusetzen. Diejenigen, die der Kommission geschrieben hatten, können sich in ihrer kollektiven Meinung bestätigt sehen, wenn jetzt eine faire und einheitliche Begrenzung in Höhe von einem Prozent gefordert wird. Es lässt sich dokumentieren, dass ich bei der Kommission und der Börse seit mehr als 20 Jahren offen auf die Einführung einer Positionsobergrenze von 1.500 Kontrakten beim COMEX-Silber dränge. Aber noch nie, zu keiner Zeit, gab es irgendeine logische Argumentation gegen die Einführung dieser Grenze. Ist es nicht langsam an der Zeit, dass diese Obergrenzen - angesichts des Auftrags, den Sie vom Kongress und dem Präsidenten erhalten haben - umzusetzen?

Was das Thema der nachprüfbar seriösen Ausnahmeregelung für Absicherungsgeschäfte angeht, so sollte die Gewährung von Ausnahmeregelung so fair und einheitlich von Statten gehen, wie die Festlegung der normalen Grenzsätze. Jeder rechtmäßige und berechtigte Produzent und Verbraucher eines begrenzt verfügbaren Rohstoffs sollte die Möglichkeit bekommen, sein Risiko maximal in Höhe der eigenen Jahresproduktion bzw. des eigenen Jahresverbrauchs abzusichern. Wenn ein Bauer mehr als 1% der Weltproduktion anbaut (gleiches würde für die Fördermengen eines Bergbauunternehmens gelten), so kann er sich maximal in Höhe der wirklich produzierten Menge absichern.

Sollte sich eine Körperschaft im Eigentum physischer Rohstoffe befinden, dann wäre es dieser Körperschaft bei bestehendem Preisrisiko erlaubt, die wirklich existierenden Bestände abzusichern, selbst wenn diese 1% der Weltjahresproduktion übersteigen. Die Aufsichtbehörden müssen jedoch besonders darauf achten, dass eine solche Körperschaft nicht bloße Marktwetten abschließt. Widerstanden werden muss jedem Gedanken daran, dass sich in der Kategorie der legitimen Produzenten und Verbraucher auch finanzielle Mittler, so zum Beispiel große Banken, befinden dürfen. Unsere Terminmärkte wurden nicht geschaffen, damit sie durch große Finanzinstitutionen manipuliert werden können. Mit dem Dodd-Frank-Gesetz zur Finanzmarktreform sollte in erster Linie verhindert werden, dass die Großbanken weiterhin in unsere Märkte eingreifen.

Die Kommission hat die einmalige Gelegenheit, endlich faire, einfache und ökonomisch fundierte Positionsobergrenzen für alle begrenzt verfügbaren Rohstoffe durchzusetzen. Eine Berechung auf der Grundlage von maximal Prozent der Weltproduktion, oder weniger, würde genau das erreichen.

Ted Butler
Butler Research LLC
14. September 2010

GGensler@cftc.gov Chairman
MDunn@cftc.gov Kommissar
BChilton@cftc.gov Kommissar
JSommers@cftc.gov Kommissar
Somalia@cftc.gov Kommissar
PosLimits@cftc.gov


© Theodore Butler



(Diese Abhandlung wurde vom Silberanalysten Theodore Butler, einem unabhängigen Berater, verfasst. Investment Rarities teilt seine Ansichten nicht notwendigerweise, diese können sich als richtig oder falsch herausstellen.) Exklusiv übersetzt für GoldSeiten.de. Das Original wurde am 14.09.2010 auf der Website http://investmentrarities.com veröffentlicht.

Informationen zum Abonnement finden Sie unter www.butlerresearch.com.


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