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Roland Baader und das "Gottspielertum"

23.02.2014  |  Lars Schall
Gregor Hochreiter studierte Ökonomie an der Universität Wien. Er ist Vorstand des "Oekonomika-Institut" (www.oekonomika.org) und Autor u.a. von "Krankes Geld, Kranke Welt - Analyse und Therapie der globalen Depression" (Resch-Verlag, 2010). Er hat zahlreiche Artikel zu wirtschaftspolitischen Themen verfasst, insbesondere zu den Themenbereichen Geld, Währungsreform, Banken und Konjunkturzyklus.


Lars Schall: Herr Hochreiter, wie kamen Sie dazu, das Buch "Geld, Gesellschaft, Zukunft - Roland Baader, Porträt eines unbequemen Freiheitsdenkers" zu schreiben?

Gregor Hochreiter: Nach dem Ableben von Roland Baader hatte mich unser gemeinsamer Verleger Dr. Resch gebeten, eine umfassende Zusammenschau des Denkens von Roland Baader zu verfassen. Dieses sollte neben den häufig rezipierten ökonomischen, (politik-)philosophischen und soziologischen Positionen auch die religiösen Bezüge freilegen. So darf nicht darauf vergessen werden, dass Baader in seiner scharfen Kritik des Sozialismus immer wieder einen direkten Zusammenhang herstellt zwischen der Zunahme des Sozialismus und der Abnahme des Christentums.

Dieser großen Herausforderung wollte ich mich stellen und so Roland Baader meine Ehre erweisen. Schließlich hatten mich seine Schriften nach meinem Volkswirtschaftsstudium mit der heute vorherrschenden neo-klassischen Grundausrichtung über viele Jahre hindurch beim Studium der Österreichischen Schule begleitet. Und als er sich seinerzeit bereiterklärt hatte, das Vorwort zu meinem ersten Buch "Krankes Geld, Kranke Welt" zu verfassen, habe ich mich sehr geehrt gefühlt.


Lars Schall: Worin besteht Ihr Zugang zum Werk von Baader?

Gregor Hochreiter: Ein Ziel dieses Buches ist es, das tragende Fundament des Denkens Roland Baaders und die ihm eigenen Schattierungen herauszuarbeiten. Anhand der so gewonnenen Einsichten habe ich versucht, das "Haus der Freiheit" des Denkers Roland Baader zu skizzieren. Ein weiteres Anliegen dieses Buches ist es, Roland Baader gleichsam selber zum Leser sprechen zu lassen. Er war ja für seine äußerst spitze Feder und seine pointierten Formulierungen bekannt und geschätzt und diese sollen dem Leser keinesfalls vorenthalten werden. Drittens möchte ich auch zur vertiefenden Auseinandersetzung mit den Gedankengängen Roland Baaders anregen.


Lars Schall: Was zeichnet das Werk aus?

Gregor Hochreiter: Das Werk von Roland Baader ist angesichts einer vergleichsweise kurzen Schaffensperiode äußerst umfangreich. Erst nach der schmerzlichen Teilauflösung und dem Verkauf des von seinem Vater Josef aufgebauten Textilbetriebs "Joba" Mitte der 1980er begann er seine schriftstellerische Tätigkeit. Schon die Anzahl der geschriebenen Bücher und Artikel ist deshalb beeindruckend. Doch darüber hinaus weisen seine Schriften wie bereits angedeutet eine bemerkenswerte inhaltliche Breite aus. Er hat die von seinem Diplomarbeitsbetreuer Friedrich A. von Hayek ausgesprochene Warnung, wonach jemand, der nur Ökonom ist, zur Gefahr werden kann, äußerst ernst genommen.


Lars Schall: Ein zentraler Begriff im Werk von Baader ist das Wort vom "Gottspielertum". Was hat es damit auf sich?

Gregor Hochreiter: Die Zentralität dieses Begriffs zeigt sich schon allein dadurch, dass es dieser in einen Buchtitel geschafft hat: "Geld, Gold und Gottspieler". Das Besondere an Roland Baaders fundamentaler Kritik am "fiat money" liegt darin, dass er diese nicht nur ökonomisch, rechtlich und ethisch zu begründen versucht. Wesentlich tiefer gehend wagt er wie z.B. auch Jeffrey Herbener und Prof. Hülsmann eine theologische Deutung des englischen Fachbegriffs "fiat money."

Im Schöpfungsbericht der Hl. Schrift begegnet uns das Wort "fiat" in der Zusammensetzung "fiat lux" - "Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht." (Gen 1, 3) Schöpfen heißt ja, etwas aus Nichts hervorzubringen und dies kann nach christlicher Auffassung Gott allein. Der Mensch ist hingegen dazu berufen, die Materie zu verfeinern und zu veredeln. Falls der Mensch hingegen wie bei der Schöpfung von Papiergeld versucht etwas aus dem Nichts hervorzubringen, maßt er sich nichts Geringeres an als wie Gott sein zu wollen.

Mit dem Versprechen - "Ihr werdet sein wie Gott" - verführt ja die Schlange, die im christlichen Verständnis immer als Verkörperung des Teufels verstanden wurde, Adam und Eva zur unheilvollen Tat, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen.

Mit dem Ansatz, die ideologischen Wurzeln des neuzeitlichen Geldsystems auf theologische Einsichten zurückzuführen, gelingt Roland Baader eine wichtige Ausweitung der Analyse des "fiat money", die meines Erachtens erst am Anfang steht. Darüber hinaus treffen wir das Gottspielertum ganz augenscheinlich nicht nur im Bereich der Ökonomie an. Diese fatale Anmaßung scheint sich in immer mehr Lebensbereichen durchzusetzen: Gender Mainstreaming, Genmanipulation, der fortgesetzte Angriff auf das menschliche Leben (Abtreibung, Eugenik, Euthanasie,…), der Rechtspositivismus.…


Lars Schall: Welche Rolle spielen Christentum und Liberalismus in Baaders Denken, und wo setzt er jeweils den Schwerpunkt?

Gregor Hochreiter: Roland Baader hat versucht zu zeigen, dass Christentum und Liberalismus einander nicht ausschließen sondern dass der Liberalismus sogar dauerhaft auf das Christentum als Grundlage angewiesen ist. Diese Angewiesenheit kommt in dem Titel eines Artikels besonders deutlich zum Vorschein: "Der Dekalog als Verfassung der Freiheit." Die zentrale Trias des Christentums - Glaube, Hoffnung und Liebe - sind allesamt innere Akte und damit notwendigerweise freie Akte. Schließlich kann niemand dazu gezwungen werden, zu glauben, zu hoffen oder zu lieben.

So lehnt Roland Baader den Sozialstaat auch deswegen ab, weil die vom Christentum gebotene Nächstenliebe gerade nicht durch staatliche Umverteilung erzwungen werden kann. Der freigiebige Umgang mit dem Eigenen setzt schließlich das Recht auf das Eigene voraus.




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