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Mark Faber über das Bargeldverbot und den Gold-Hass der Wall Street

24.02.2016  |  Mike Gleason
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Angenommen Sie und ich leben in einer kleinen Stadt mit eintausend Einwohnern und die Regierung beschließt eines Tages plötzlich, dass wir kein Bargeld mehr verwenden dürfen. Sagen wir, ich bin der Bäcker und Sie sind der Metzger und ein Freund von uns ist der Apotheker. Wir können dann untereinander Tauschhandel treiben und alle drei Monate eine Abrechnung machen. An diesem Punkt kommt dann wieder eine Art Papiergeld ins Spiel, in Form von Gutscheinen oder Gutschriften. Der Krieg gegen das Bargeld hätte also einen genau gegenteiligen Effekt.

In jeder kleinen Stadt gäbe es ein solches Gutscheinsystem und selbst in größeren Städten würden sich clevere Leute etwas Vergleichbares einfallen lassen. Statt einer Papierwährung gäbe es dann plötzlich hunderte. Punkt zwei: Wenn Die Regierung ernsthaft versuchen will, ein Bargeldverbot durchzusetzen, müsste sie unser Gold beschlagnahmen. In einigen Länder wäre das einfach nicht möglich. In anderen Ländern ist ein Bargeldverbot schon allein deshalb nicht umsetzbar, weil 80% der Bevölkerung kein Bankkonto besitzen - und auch kein Bargeld. Meiner Ansicht nach wird diese ganze Sache gründlich misslingen.

Es wird natürlich argumentiert, dass die Abschaffung des Bargeldes der Verhinderung von Straftaten dient, aber das ist der reinste Unsinn. Die Regierungen wollen eine bargeldlose Gesellschaft, damit sie uns besser kontrollieren können.


Mike Gleason: Die Deutsche Bank gibt derzeit großen Anlass zur Sorge. Die Aktienkurse fallen immer tiefer und der Markt für Credit Default Swaps signalisiert, dass das Insolvenzrisiko der Bank dramatisch ansteigt. Das betrifft allerdings nicht nur die Deutsche Bank. Die Marktdaten zeigen, dass das Risiko bei einer langen Liste von Banken in den USA und in Europa in die Höhe schießt. Die potentiellen Probleme sind gewaltig - immerhin sind die meisten dieser Finanzinstitute größer als Lehman Brothers und haben ein noch stärkeres Exposure gegenüber den Derivatemärkten. Wie ernst sollte man diese Lage nehmen? Rechnen Sie kurzfristig mit größeren Schwierigkeiten oder besteht die Chance, dass der Sturm an uns vorüberzieht?

Marc Faber: Ich habe ja schon immer gesagt, dass die Derivate nicht ewig existieren werden. Eines Tages wird das Ende der Derivatemärkte kommen und wir werden ein neues System aufbauen, welches auf Gold oder einer anderen Währung basiert, die nicht willkürlich von irgendwelchen Akademikern oder Zentralbanken multipliziert werden kann. Philosophisch gesehen reicht die Geschichtsschreibung jetzt etwa 5.000 Jahre zurück, bis hin zu den alten Tagen von Babylon.

Doch nie zuvor in dieser Zeit waren die Zinsen so niedrig, wie heute. Und nie zuvor hatten wir negative Zinssätze. Sie sind das Werk einer Handvoll verrückter Akademiker, die die weitläufigen Hallen der Glasgebäude bevölkern, die wir Zentralbanken nennen. Dass wir diesen Leuten so viel Macht geben und zulassen, dass sie faktisch über einen großen Teil der Welt herrschen, ist eine Schande für die Menschheit und vor allem für die Demokratie.


Mike Gleason: Da würde ich gern noch einmal nachhaken. Mit welchen Gefahren muss man angesichts all der Fehlinvestitionen, die die Folge der niedrigen Zinssätze sind, zur Zeit rechnen? Braut sich da etwas Ähnliches wie die Krise am Subprime-Hypothekenmarkt zusammen? Immerhin scheint sich der Druck auf die Kreditmärkte tatsächlich deutlich zu verstärken.

Marc Faber: Wenn man versucht, alle Risiken zu eliminieren, bleibt am Ende das systemische Risiko. Dieser Ansicht war auch schon Karl Popper. Ich möchte Folgendes zu bedenken geben: Angenommen, die Anleihen der Deutschen Bank würden heute eine steile Rally starten und die Aktien der Bank würden um sagen wir 12% steigen. Daraufhin kündigt die Deutsche Bank an, dass sie einen Teil ihrer Anleihen zurückkaufen wird. Doch wenn man darüber nachdenkt, stellt sich die Frage, mit wessen Geld sie das tun wird.

Der Bank mangelt es an Kapital, deshalb sind auch ihre Aktien seit der Finanzkrise 2007 um mehr als 80% eingebrochen. Sie kann also nur Anleihen zurückkaufen, wenn ihr jemand Geld leiht. Doch warum sollte irgendjemand der Deutschen Bank Geld geben, damit sie Anleihen zurückkaufen kann, die allein in diesem Jahr schon 20-30% im Minus liegen? Wer könnte dieser Kreditgeber sein? Da bleiben nur die EZB oder die Fed oder jemand sehr unschuldiges. Am Ende wird es zu einer Krise kommen, die auch die Zentralbanken zu Fall bringt. Ich weiß nicht wann, aber es wird geschehen.


Mike Gleason: Es scheint auf jeden Fall unvermeidlich zu sein. So wie jetzt kann es zumindest nicht ewig weitergehen. Doch kommen wir kurz zu einem ganz anderen Thema: Was denken Sie über die anstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA? Was halten Sie vom Erfolg der Anti-Establishment-Kandidaten auf beiden Seiten des Spektrums? Denken Sie, dass dieser ebenfalls zur Unsicherheit und zur Volatilität an den Finanzmärkten beiträgt, die wie in letzter Zeit erlebt haben? Die Wahrscheinlichkeit, dass einer dieser Kandidaten im November als Sieger hervorgeht, scheint mittlerweile relativ hoch zu sein.

Marc Faber: Ich denke, den Amerikanern ist klar geworden, dass die Demokraten und die Republikaner alle zur gleichen Mafia-Familie gehören. Sie beschützen sich gegenseitig. Beide Parteien kennen so viele dunkle Geheimnisse des jeweils anderen Lagers, dass sie nie darüber sprechen. Das ist Stillstand, kein Fortschritt. Ich bin mir nicht sicher, ob sich einer der unabhängigen Kandidaten durchsetzen kann, aber zumindest sagen sie den Wählern, dass sie es anders machen werden. Ich glaube, dass sowohl Sanders als auch Trump es mit dem Establishment aufnehmen werden.

Besonders Trump, weil er unglaublich wütend auf all die reichen Republikaner sein muss, die sich gegen ihn stellen. Und ich glaube Sanders, dass er gegen die Großbanken und die Wall Street vorgehen wird, weil sie die normalen Bürger - und das kann man nicht anders ausdrücken - wirklich verarscht haben. Wie es letztlich ausgeht und ob einer der beiden tatsächlich gewählt wird, ist eine andere Frage. Das Establishment beider Seiten, sowohl der Demokraten als auch der Republikaner, wird mit allen Mitteln dagegen kämpfen.


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