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Bitcoin und Gold

25.04.2017  |  Dr. Eike Hamer
In der Nachkriegsgeschichte gab es nur wenige Momente, in denen Währungen so kritisch hinterfragt wurden wie derzeit. Dies ist regelmäßig die Zeit für eine berechtigte Sorge um das Ersparte, die Bewertungen von Aktien, Immobilien oder anderen Vermögenswerten und geht einher mit unsicheren Erwartungen über den weiteren wirtschaftlichen Verlauf.

Es sind Zeiten, in denen eine tiefe Verunsicherung über die Redlichkeit der Machthaber der dominierenden Wirtschaftsnationen er Welt besteht und volkswirtschaftlich und finanzwirtschaftlich kaum Begeisterung für die Zukunft bei der Bürgern entfacht wird. Die Menschen erwarten also, daß die Zeiten schwieriger werden, die Wirtschaft lahmt und Ersparnisse gefährdet sind.

In einer ebensolchen Situation befinden wir uns heute. Die Aktienmärkte sind so teuer wie selten in der Geschichte, die wirtschaftlichen Aussichten schlimmer als bescheiden und die Regierungen der wichtigsten Volkswirtschaften der Welt in einer tiefen Vertrauenskrise angelangt.

Die Europäische Union droht zu zerfallen, die USA diskutieren öffentlich über eine Abkehr vom Kollaps (make America great again) und China, welches letzter Hoffnungsstrohhalm der Aktienmärkte und global agierenden Konzerne war, steht vor tiefgreifenden Rezessionstendenzen. Lediglich die Nullzinspolitik der westlichen Notenbanken und die damit erzeugte Geldschwemme täuscht vorübergehend noch eine heile Welt vor. Tatsächlich aber ist bereits das Vertrauen in die durch nichts gedeckten Währungen nachhaltig angeknackst.

Weil China sich massiv und so schnell wie möglich von seinen Dollarbeständen trennen möchte, Rußland dies bereits weitgehend erledigte und auch immer weitere Handelspartner der USA deren Währung nicht mehr akzeptieren wollen, droht diesen die Zahlungsunfähigkeit. Diese droht deshalb, weil ein über 600 Mrd. US-Dollar großes Handelsbilanzdefizit zur Gegenfinanzierung eine entsprechend gleich große Summe an Nachfrage nach US-Dollar aus dem Ausland benötigt. Bislang konnte diese nur vorübergehend und zum Teil nur als Gefälligkeit im Rahmen der Absprachen zwischen den Partnernotenbanken der westlichen Welt finanziert werden.

So haben beispielsweise die Bank of Japan oder einige Öl-produzierende Länder die Dollars aufgekauft, um einen Absturz des US-Dollar zu verhindern. Nicht ausgeschlossen werden sollte, daß dies im Namen und auf Rechnung der FED (Zentralbank für die USA) geschah, also eine versteckte Fremdwährungsverbindlichkeit für die FED darstellt. Den Marktteilnehmern wird immer mehr bewußt, daß am Schluss dieses Währungs-Entwertungswettlaufes die Totalentwertung der in dieses Spiel eingebundenen Währungen steht. Sobald sich die in diesem Zuge geschaffenen Geldbestände in den Wirtschaftskreislauf hineinbewegen, droht eine unkontrollierbare Inflation.

Vor diesem Hintergrund suchen immer mehr Anleger ihr Heil in Alternativen zu den Papierwährungen, überbewerteten Anlagen wie Aktien und Immobilien und vor allem Sicherheit vor schwer einschätzbar gewordenen Regierungen. Diesen Schutz scheinen im Wesentlichen zwei Währungsalternativen zu bieten.

Eine neue Währung stellen die sogenannten Bitcoins dar. Ihr Wert bemisst sich ausschließlich aus der Angst der Menschen, weil die digitale Währung selbst keinerlei substantiellen Wert hat. Lediglich dessen Akzeptanz in verschiedenen Kreisen, dessen angebliche Knappheit sowie dessen Schutz vor dem Zugriff der Notenbanken und Regierungen dieser Welt ist "Gebrauchswert" dieser Währung. Am Preis dieser Währung gegenüber US-Dollar, Euro oder anderen Währungen ist deshalb ablesbar, wie tiefgreifend die Skepsis gegenüber den Regierungen und Notenbanken geworden ist.

Der Währung fehlen allerdings wichtige Merkmale, um sie als volle Alternative zu US-Dollar, Euro oder Yen anwachsen zu lassen. Zum einen ist es keine von den Staaten akzeptierte Währung und damit nicht vollumfänglich für die Bezahlung von Verbindlichkeiten einsetzbar. Weiterer Nachteil ist seine Virtualität. Stromausfälle, Festplattenabstürze oder der Diebstahl des Smartphones könnten dem ursprünglichen Besitzer den totalen Vermögensverlust bescheren. Nur, weil ein solches Ereignis bislang noch ausblieb, ist den Bitcoin-Benutzern dies noch nicht bewusst. Insofern ist Bitcoin bislang nur eine Ergänzung, nicht aber ein Ersatz für die großen Handelswährungen dieser Welt.

Anders verhält es sich mit Gold. Gold hat eine 5.000jährige Tradition und ist in den Köpfen der Menschen fest verankert. Diese wurden noch nie vom Golde enttäuscht. Zwar war in wirtschaftlich prosperierenden Zeiten die jeweilige Währung als Derivat von Gold besser gebräuchlich und damit das Gold schwächer nachgefragt, allerdings bestätigt sich jedes Mal in Krisenzeiten dessen eigentlicher Wert. Dieser ist vor allem, daß es kein Gegenparteirisiko (Risiko von der Zustimmung, Bonität, etc. eines Anderen abzuhängen) für physisches Gold gibt.

Das Metall ist überall auf der Welt gleich, bekannt, akzeptiert und knapp. Jede Papierwährung dieser Welt ist ein bloßes Derivat auf Gold, weil Gold in jeder Notenbankbilanz dieser Welt die einzig bewertbare Vermögensposition auf der Aktivseite der Bilanz ist. Jeder Betrug an der Geldmenge muss also langfristig über Gold sichtbar werden, indem dessen Preis gegenüber der jeweiligen Währung steigt. Für viele Währungen der Welt stimmte dies bereits in den vergangenen Jahren. Es waren vor allem diejenigen Währungen, die im Abwertungswettlauf die Nase vorne hatten, in denen der Goldpreis stieg wie z.B. in Rupien, Rubel etc.

Nun droht uns aber eine weltweite ausgewachsene Krise der Leitwährungen dieser Welt, dem US-Dollar, Euro und Yen. Mit Spannung wird zu beobachten sein, ob Bitcoin, oder Gold oder beides sich in der kommenden Krise als sicherer Hafen erweist. Aus der besonderen Marktsituation ist allerdings abschätzbar, daß Gold noch erheblich im Preis steigen dürfte.


© Dr. Eike Hamer



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