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Wie werden die größte Finanzblase und Anti-Blase der Geschichte enden?

04.05.2017  |  Andrew Hoffman
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Wir sprechen hier von den am stärksten überbewerteten Finanzassets der Geschichte, und zwar nicht nur in den USA, sondern an allen von den Zentralbanken aufgeblähten globalen Märkten. Die Edelmetallmärkte sind unterdessen historisch unterbewertet - im letzten Jahr nannte ich sie die "größte Anti-Blase der Geschichte".

Die Marktmanipulationen der Regierungen sind so umfassend, aber angesichts der erschreckenden, unumkehrbaren Folgen auch so selbstzerstörerisch geworden, dass ich mich schon fast frage, ob die US-Notenbank Fed die Aktienkurse nicht auch dann zum Steigen und die Edelmetallkurse zum Sinken bringen könnte, wenn sie ein neues Programm ankündigt, bei dem sie alles Gold und Silber der Welt aufkauft in den Dow Jones shortet.

Allein die Tatsache, dass wir über solche Absurditäten Witze machen können, zeigt schon, wie weit sich die Märkte von der wirtschaftlichen Realität entfernt haben. Die Folgen dieser Entwicklung bergen natürlich große Gefahren. Für die Kursbewertungen, die mittlerweile mit der Fieberphase der Dotcom-Blase mithalten können, und für die überschwängliche Stimmung unter den Anlegern gibt es vor dem Hintergrund der schlechten Wirtschaftslage nur einen möglichen Weg - und dieser führt bergab.

Trotz eines drohenden Nuklearkrieges und einer stagnierenden Wirtschaft hat der südkoreanische Aktienindex gestern ein Allzeithoch erreicht. In Italien, wo die größte Fluggesellschaft Alitalia heute Insolvenz anmeldete, liegt der Aktienmarkt gegenüber dem Vorjahr 33% in Plus, obwohl man gerade erst das einsturzgefährdete Bankensystem retten musste und die Regierung abgewählt wurde.

In Griechenland gestaltet sich die Situation ganz ähnlich. Dort hat sich der Aktienmarkt nach den Tiefs vom letzten Jahr wieder um 75% erholt, während die Wirtschaft die schlechteste Entwicklung seit dem ersten Bail-out durch die Troika vor sieben Jahren verzeichnete und das nominelle Bruttoinlandsprodukt gerade einmal auf dem Niveau von 2003 liegt.

Erstaunlicherweise wurden heute weitere Finanzhilfen freigegeben, erneut gegen den Willen der griechischen Bürger, die mit "OXI" gegen die damit einhergehenden Sparmaßnahmen gestimmt hatten. Die Bewilligung der Mittel erfolgte unter der absurden Maßgabe, dass die griechische Regierung die Pensionen und andere Staatsausgaben 2019 und 2020 kürzen wird. In Anbetracht der Tatsache, dass auch die bisherigen an die Rettungspakete geknüpften Forderungen nicht erfüllt wurden, ist das mehr als unwahrscheinlich.

Die Staatsverschuldung des Landes hat indes das Rekordniveau von 177% des BIP erreicht, verglichen mit 146% des BIP zum Zeitpunkt des ersten Rettungspakets im Jahr 2010. 200 Milliarden Euro an "außerbilanziellen" Schulden sind dabei noch nicht mit eingerechnet. Der IWF geht davon aus, dass die Schuldenquote künftig noch bis auf fast 300% steigen wird, wenn kein Schuldenschnitt erfolgt. Das wäre natürlich nichts anderes als eine Abschreibung der vergebenen Kredite und würde in der westlichen Hemisphäre zu einer ganzen Kaskade von Staatsbankrotten, Zentralbankpleiten und Geschäftsbankinsolvenzen führen.

Aber machen Sie sich keine Sorgen! Die EZB wird schon bald im Besitz aller griechischen Schuldtitel sein - vorausgesetzt, sie wird nicht in naher Zukunft aufgelöst, weil Marine Le Pen an diesem Wochenende die Präsidentschaftswahl in Frankreich gewinnt. Es kann also praktisch nichts schiefgehen.

Hier in Nordamerika notiert der kanadische Aktienmarkt in der Nähe eines Allzeithoch, während der größte Industriezweig des Landes - die Energiegewinnung - zusammenbricht, der größte Handelspartner USA einen Wirtschaftskrieg erklärt hat und die derzeit hässlichste Immobilienblase der Welt begonnen hat zu platzen, wie der Kollaps des größten Hypothekenfinanzierers des Landes, Home Capital Group, in dieser Woche zeigt.

Selbst in Mexiko verzeichnet der Aktienmarkt Spitzenwerte, obwohl die Rohölproduktion, der bedeutendste Wirtschaftszweig, nicht nur vom niedrigen Preisniveau am Ölmarkt, sondern auch von der katastrophalen Erschöpfung der mexikanischen Ölquellen bedroht ist. Der Peso ist unterdessen auf ein Allzeittief gefallen und Trump hat nicht nur eine drakonische, protektionistische Wirtschaftspolitik, sondern sogar eine Mauer an der Grenze zum südlichen Nachbarn der USA im Sinn.

Schließlich wären da noch die Vereinigten Staaten der Lügen, wo es auch die weltbesten Datenverdreher und Statistikfälscher nicht geschafft haben, den stärksten Konjunkturrückgang und Schuldenzuwachs seit der Finanzkrise zu beschönigen. Das Wirtschaftswachstum der USA liegt gerade so im positiven Bereich, zumindest wenn man den Regierungsberichten Glauben schenken will. Die Wirtschaftsindikatoren und auch die sogenannten weichen Daten zeigen eine negative Entwicklung.

Die Unternehmensgewinne sinken bereits seit sechs Quartalen und wären noch viel schlechter, wenn sich alle Unternehmen an die GAAP-Standards zur Rechnungslegung halten würden. Zudem nimmt die Erwerbsquote beständig ab, zum einen aufgrund der hoffnungslos wettbewerbsunfähigen US-Wirtschaft, zum anderen aufgrund der ebenso hoffnungslos bearishen demografischen Entwicklung. Nicht zu vergessen sind auch die weltweit höchste Staatsverschuldung und die Regierung, die wie alle anderen Regierungen vor ihr daran zu glauben scheint, dass die Lösung des Problems in noch mehr Schulden und noch höheren Haushaltsdefiziten besteht.


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