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Was wird den globalen Schuldenturm zum Einsturz bringen?

08.08.2017  |  David Chapman
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Die Zahlungsausfälle nehmen zu, vor allem bei Darlehen an Industrie- und Handelsunternehmen, aber auch bei Privatkrediten in Nordamerika und Europa. In China ist der 2-Billionen-$-Hypothekenmarkt ins Wanken geraten und viele Beobachter sind der Ansicht, dass er starke Ähnlichkeit mit dem Subprime-Hypothekenmarkt der USA in den Jahren 2006/2007 hat.

Die chinesischen Banken melden eine steile Zunahme der Zahlungsausfälle und notleidenden Kredite. Die Rentenfonds, die rund um den Globus schon jetzt unterfinanziert sind, halten in ihren Portfolios große Mengen an Schuldverschreibungen, nicht nur von den Regierungen, sondern auch von zahlreichen Unternehmen. Privatschulden und andere Schuldtitel wurden gebündelt und verbrieft, ganz ähnlich den Subprime-Hypotheken kurz vor dem Finanzkollaps 2008. Die zunehmenden Kreditausfälle könnten sich künftig negativ auf diese Finanzprodukte und eine ganze Reihe anderer Kredite auswirken.

Die Banken verschärfen bereits ihre Kriterien zur Kreditvergabe. Sie werden nervös. Finanzkrisen und Depressionen entstehen üblicherweise, weil ein nicht mehr tragbares Schuldenkonstrukt in sich zusammenbricht. Es heißt immer, "diesmal ist es anders". Aber das einzige, was normalerweise anders ist, ist der Auslöser, der die Krise letztlich ins Rollen bringt.

Die Bank of England hat kürzlich einen Bericht veröffentlicht, in dem sie ihrer Besorgnis angesichts der systemischen Risiken an den globalen Märkten Ausdruck verleiht. Das Hauptaugenmerk lag dabei besonders auf dem enormen Exposure der nicht zu den Banken zählenden Kreditgeber und den riesigen Summen an ausstehenden Unternehmenskrediten. Es wurde die Sorge geäußert, dass es an den Märkten zu Turbulenzen kommen könnte, falls Kapital im großen Stil abgezogen würde, und diskutiert, welche negativen Folgen das für Investment- und Hedgefonds hätte.

Ein solcher Run auf das Anlagekapital wäre nichts Ungewöhnliches. Mit Sorge betrachtet die Bank of England auch den möglichen Rückzug der EZB aus den QE-Maßnahmen sowie das instabile italienische Bankensystem (Spanien und Griechenland wären in diesem Zusammenhang ebenfalls erwähnenswert gewesen). Die britischen Notenbanker registrierten zudem die Neigung der Unternehmen zur "Bilanzverschönerung", ein Problem, das bereits vor dem Platzen der Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende weit verbreitet war. Einige Zentralbanken (beispielsweise auch die kanadische Notenbank) sprechen deutliche Warnungen aus. Aber werden die Märkte sie beherzigen?


Zahlungsausfälle bei Bankkrediten in Industrie und Handel

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Die Kreditausfälle nehmen zu, sind jedoch noch nicht problematisch.
(Quelle: www.stlouisfed.org)


Ein signifikantes Risiko, das zweifellos unterschätzt wird, sind die andauernden geopolitischen Konflikte und Spannungen. Diese Risiken sind real, und sie nehmen zu. Eine kürzlich vom Pentagon veröffentlichte Studie kommt zu dem Schluss, dass die von den USA gestützte Weltordnung, die nach dem 2. Weltkrieg etabliert wurde, Risse bekommt und womöglich sogar "kollabiert". Das Pentagon schreibt, dass die Macht der Vereinigten Staaten schwindet und die bisherige internationale Ordnung infolgedessen in Auflösung begriffen ist.

Die bedeutendsten Konfrontationen gehen von Russland und China aus, die "Widerstand gegen die Autorität" leisten - d. h. gegen die Autorität der USA. Unter der Führung dieser beiden Staaten ist die amerikanische Hegemonie unter Druck geraten, denn Russland und China wollen sich mit Hilfe ihres Wirtschaftsprojekts der Neuen Seidenstraße, der Schaffung eines eigenen IWF, einer eigenen Weltbank und eines eigenen Zahlungssystems als Alternative zu SWIFT der Kontrolle der USA entziehen.

Asien, der Nahe Osten, Afrika und Teile Europas werden sich wohl anschließen, da sie sich unter der Vorherrschaft der USA aufgerieben haben. Der IWF, die Weltbank, SWIFT und selbst der Welthandel werden derzeit vom den Vereinigten Staaten dominiert, die oft darüber entscheiden, wer was bekommen darf, und welche Länder ausgeschlossen werden, wenn sie sich nicht an ihre Regeln halten, wie das beispielsweise beim globalen Zahlungssystem SWIFT der Fall war.

Die Bestrebungen, sich dem Einfluss der USA zu entziehen, werden selbstverständlich auch mit einer massiven Abwendung vom US-Dollar als globale Reservewährung einhergehen. In Asien und anderen Regionen ist der Zahlungsverkehr in chinesischen Yuan bereits weit verbreitet. Zudem stocken China und Russland ihre Goldreserven auf, um ihre Währungen mit realen Werten zu decken.

Die Autoren der Studie erkennen die wichtige Rolle an, die die USA als politischer, ökonomischer und militärischer Koloss nach wie vor auf globaler Ebene spielt, räumen jedoch ein, dass sich das Land nicht mehr in einer unangreifbaren Position befindet. Die Vereinigten Staaten müssen sich der Konkurrenz aus China und Russland sowie den Drohungen kleinerer Akteure wir Iran und Nordkorea stellen. Die Weltordnung franst nicht nur aus, sie droht gänzlich zusammenzubrechen.

Die Studien des Pentagons konzentrieren sich dabei nicht ausschließlich auf geopolitische Risiken, sondern beziehen auch Umweltrisiken wie den steigenden Meeresspiegel und chaotische Wetterereignisse aufgrund des Klimawandels mit ein. Die Lösung besteht nach Ansicht des Pentagons in der Stärkung des US-Militärs, des Überwachungsapparates und der Ausweitung der Propaganda (oder, wie sie es nennen, der "strategischen Beeinflussung der Wahrnehmung").

Die Experten des Verteidigungsministeriums stellten darüber hinaus eine Destabilisierung infolge innerer Unruhen fest, wobei sie sich nicht nur auf die Staaten des Nahen Ostens bezogen, sondern auch auf die USA, die EU und andere Länder wie z. B. Venezuela, in denen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen schon fast zum Alltag gehören, auch wenn wenig darüber berichtet wird. Abgesehen davon wurden auch Bedenken bezüglich potentieller Leaks nach dem Vorbild von Edward Snowden und Bradley Manning geäußert und es wurde diskutiert, wie diese neue Unruhen auslösen oder bestehende Konflikte verstärken könnten.

Wir leben in einer immer gefährlicher werdenden Welt. Beim nächsten Kollaps werden es nicht die Zentralbanken sein, die zu Hilfe sein. Stattdessen wird man die Besitzer der Bankenanleihen und die Kontoeinleger zur Kasse bitten - Bail-in statt Bail-out. Die Schulden mögen der Elefant im Raum sein, aber die zunehmenden geopolitischen Verwerfungen könnten sich letztlich als Auslöser für den Zusammenbruch des wankenden Schuldenturms erweisen.


© David Chapman
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Dieser Artikel wurde am 21.07.2017 auf www.gold-eagle.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.




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