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Silber: Da kommt etwas auf uns zu …

31.03.2018  |  Dr. Dietmar Siebholz
Wenn sie meine Kolumne schon länger lesen, werden Sie wissen, dass ich mich sehr selten zu nachhaltigen Anlageempfehlungen äußere. Es gibt aber Ausnahmesituationen und eine solche habe ich für mich konstatiert und wie so üblich, auch meine Handlungen, auf die ich mich seit etwa einem Jahr vorbereitet habe, nun auch in größerem Umfange nach dem Motto "in solchen Situationen klotzen, nicht nur kleckern" gehandelt.

Mit dem Älterwerden stellen sich ja oft Belastungen ein, aber ich sehe das positiv: Man lernt auch Gelassenheit und dabei bleibt der Blick für Langfristiges und Wesentliches freier. Eine solche, für mich klare Situation liegt bei dem Edelmetall Silber vor.

Dazu muss ich dennoch ein wenig ausholen. Mit Beginn der Jahre 1995 -1996 verfolge ich den Silberpreis, weil ein Freund von mir damals unter seinen Spekulationen fürchterlich gelitten hatte und ich mir die "unverständlichen" Bewegungen am Silbermarkt nicht erklären konnte. Heute zwei Jahrzehnte später und wohl auch etwas reifer, habe ich dafür eine einfache Erklärung und das ist die Macht und die Interessenlage der Großinvestoren, genauer gesagt, der Investmentbanken.

Diese steuern mit ihren großen Kapitaleinsätzen und aufgrund der Tatsache, dass sie ja in der Lage sind, am Future-Markt jedwede erforderlichen Kontrakte abzudecken, in Wirklichkeit den Silber- (und natürlich auch den Gold)preis. Es hat lange bei mir gebraucht, bis ich das akzeptiert habe. Zuerst waren es ja die Silberabgaben aus den Beständen der US-Regierung aus dem Aus-dem-Verkehr-Ziehen der Silbermünzen, dann hatten die Investmentbanken Blut geleckt und so lockten sie die Silber-Long-Spekulanten in trauter Regelmäßigkeit in die von ihnen aufgestellten Preisfallen.

Das änderte sich in den Jahren ab 2001 - als ich mich für Silber stark machte und viele Partner fand, die ebenfalls im Silber investierten. Auf einmal veränderten sich zwei wichtige Basiskomponenten, nämlich die Relation zwischen Gold- und Silberpreis und die Höhe der von den Investmentbanken gehaltenen Leerverkaufs- (sogenannte Short-)Positionen. Und so nahm die damalige langlebige Silberhausse ihren Lauf. Bis dann die Übertreibungen stattfanden und die Investmentbanken nun wieder ab 2011/2012 ihren Kampf gegen die Spekulanten aufnahmen.

In der Zwischenzeit fand aber der Zusammenbruch des Brokers Bear, Stearns (BS) statt und man hörte, dass sich BS erheblich mit Leerverkaufspositionen im Silber engagiert hatte. JP Morgan Chase übernahm BS im Jahre 2008 und bekam für diese Rettungstat die Garantie, dass die FED (also die amerikanische Zentralbank) Verluste aus BS bis zu 25 Mrd. US-$ übernehmen musste, wenn JP Morgan das Problem BS aus der Welt schaffte.

JP Morgan gelang bis 2012 das Kunststück, die Leerpositionen aus dem BS-Erbe mit kleinem Gewinn aufzulösen, als dazu parallel auch schon damals anzufangen, eine größere Position an physischem Silber anzuhäufen. Aus meiner Sicht musste JPM den Markt fürchterlich eng kontrolliert haben, um dieses Ergebnis zu erreichen.

In diesen Jahren waren die großen Investmentbanken bei Silber bis zu 600 Millionen Unzen (das sind etwa 70% der jährlichen Silberproduktion) "short" und konnten so mit ihrer Kapitalstärke wunschgemäß den Markt steuern. Kommentar 01: Die Beobachtung dieser Short-Positionen gehört zu den wichtigsten Handwerksmitteln für den Silberanleger.

Denn niemand sollte gegen diese "tiefen Taschen" spekulieren, das ist meine Erfahrung.

Es gibt eine zweite Kondition, die es zu überwachen gilt; und das ist das Verhältnis zwischen dem Gold- und dem Silberpreis. In früheren Zeiten also mehr als 200 Jahre zurück, da verhielt sich das Verhältnis - orientiert an den Produktionskonstanten oder dem Anteil der Edelmetalle in der Erdkruste so zwischen 15 : 1 bis zu 25 : 1, d.h. eine Goldunze hatte den gleichen Wert wie 15 Silberunzen.

In den letzten zehn Jahren pendelte diese Relation so zwischen 82:1 und 35:1; der Tiefstwert fiel am Spitzenpreis des Silbers im Jahre 2011 an. Kommentar 02: Aktuell steht die Relation bei ca. 81:1 - ein schlagendes Argument zu sagen, Silber ist im Vergleich zum Gold viel zu billig. Denn bisher schlug dann die Relation von den Spitzenwerten erheblich nach unten durch, wenn die Schwelle der Relation von 80 : 1 überschritten war.

Für gut informierte Leser noch einen zusätzlichen Hinweis: Obwohl die Leerverkaufskontrakte in den letzten vier Monaten von Spitzenwerten von 80.436 Kontrakten (= 402,18 Mio Unzen) auf nur noch 3.709 Kontrakte per 20.3.2018 von den Investmentbanken reduziert wurden, hat sich der Bestand an offenen Kontrakten nicht stark vermindert, sondern sogar etwas erhöht. Das bedeutet für mich ganz klar, dass die Long-Kontrakte d.h. die Kaufseite sich überproportional erhöht hat. Und die Käufer sind nicht die Hedgefonds und die Privatanleger, die sich am Future-Markt engagieren.

Logische Konsequenz: Die politische und wirtschaftliche Lage zeigt große Probleme auf, die kaum ohne drastische Schritte zu beseitigen sind. Da sind die Edelmetalle mit ihrer inneren Stabilität gefragt und hier - nach meiner vollen Überzeugung - besonders das Silber.

Ich plädiere hier nicht für den Kauf von Silberzertifikaten, von Silber-Future-Kontrakten oder für andere Gestaltungen, die uns die Finanzindustrie so präsentiert, sondern ganz konservativ für den Kauf von physischem Silber oder die Sicherung von physischen Lieferkontrakten.

Die Positionen an physischem Silber habe ich weiter aufgestockt, vor allem, weil hier im Lande Panama die Edelmetalle umsatzsteuerfrei gekauft werden können und hierauf auch keine Gewinnversteuerung stattfindet.


© Dr. Dietmar Siebholz
wthlz2@gmx.de



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