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Das Ende des Booms. Rückt es näher?

15.10.2018  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Amerika hebt die Zinsen an. Richtig so. Aber das hat einen Preis: Nach Jahren der extremen Niedrigzinsen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der weltweite, mit billigem Geld finanzierte konjunkturelle "Boom" ausläuft und im schlimmsten Fall wieder in einem "Bust" endet.

Das zentrale Thema für jeden Anleger und Investor lautet: Zinsentwicklung. In den letzten Wochen sind die US-Zinsen kräftig gestiegen. Die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen liegt mittlerweile bei 3,2 Prozent, die für 2-jährigen Papiere bei 2,9 Prozent (Abb. 1 a). Bereits seit etwa Anfang 2014 sind die US-Zinsen gestiegen, und dabei sind die kurzfristigen Zinsen schneller gestiegen als die Langfristzinsen. Das hat dazu geführt, dass der Abstand zwischen Lang- und Kurzfristzinsen abgenommen hat; die US-Zinskurve ist flacher geworden (Abb. 1 b). Eine sehr flache Zinskurve war in der Vergangenheit ein Indiz für einen bevorstehenden Abschwung (Rezession, Kurskorrektur an den Aktienmärkten).

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Quelle: Thomson Financial; eigene Berechnungen. (1) Renditen für 10-Jahre minus 2-Jahre in Basispunkten (100 Basispunkte = 1 Prozentpunkt).


Wirkungen des Zinses

Der Zins ist in der Tat von besonderer Bedeutung für eine Volkswirtschaft. Er beeinflusst auf vielfältige Weise das Wirtschaftsgeschehen. Unmittelbar einsichtig ist der "Kosteneffekt": Steigen die Zinsen, werden Kredite teurer. Das verringert die Ausgabenspielräume der Konsumenten und Unternehmen. Das Wirtschaften auf Pump wird dadurch erschwert, und das bremst die Wirtschaftsaktivität ab - gegenüber einer Situation, in der der Zins niedrig(er) ist. Doch damit nicht genug. Der Zins nimmt vor allem auch Einfluss auf die Vermögenspreise wie zum Beispiel Aktien, Grundstücke, Häuser und auch Rohstoffe und damit auch auf die Produktions- und Beschäftigungsstruktur der Volkswirtschaft.


Zur Bedeutung des Zinses für den Investitionserfolg

Wir nehmen an, eine Investition erbringt Gewinne von 10 Euro pro Jahr für die kommenden 20 Jahre. Wenn der Marktzins 1 Prozent beträgt, werden diese jährlichen Gewinne mit eben diesem Zins auf die Gegenwart abgezinst. Der Barwert beträgt 180,50 Euro. Wenn man diese Investition für 180,50 Euro kauft (etwa in Form einer Aktie), dann erzielt man eine Rendite von 1 Prozent pro Jahr. Wenn man gekauft hat, und der Marktzins steigt auf 4 Prozent, fällt der Barwert auf 135,90 Euro - ein Verlust von fast 25 Prozent des eingesetzten Kapitals.

Der Investor verdient mit seiner Investition, wenn er sie bis zum Ende durchhält, 1 Prozent pro Jahr - im Vergleich zu 4 Prozent pro Jahr, die er hätte erzielen können, wenn er die Zinsveränderung richtig vorausgesehen hätte.

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Quelle: Eigene Berechnungen


Damit wird deutlich, wie problematisch das künstliche Herabdrücken der Marktzinsen durch die Zentralbanken und das nachfolgende Wiederansteigen der Kreditkosten sein können. Im Zuge der niedrigen Zinsen erscheinen Investitionen besonders attraktiv. Sie verleiten Unternehmer dazu, sich auf Investitionen einzulassen, die sich früher oder später als unvorteilhaft oder gar als verlustträchtig erweisen.

Die Volkswirtschaft erfährt zwar im Zeitpunkt der künstlich gesenkten Zinsen einen "Anschub". Aber der erweist sich als nicht nachhaltig, und es stellt sich irgendwann heraus, dass falsche Investitionen angegangen wurden; dass das Geld besser anderen Verwendungen zugeführt worden wäre. Dadurch tritt ein im wahrsten Sinne des Wortes ein "Verarmungseffekt" ein: Die Güterausstattung der Volkswirtschaft fällt schlechter aus im Vergleich zu einer Situation, in der die Zentralbank den Marktzins nicht künstlich abgesenkt hätte.

Ein künstlich abgesenkter Zins treibt die Vermögenspreise übergebührlich in die Höhe. Entsprechend fallen die Vermögenspreise aus "luftigen Höhen" in die Tiefe, wenn die Zeit des künstlich niedrigen Zinses beendet wird, und die Marktzinsen auf "normale Höhen" ansteigen. Das wiederum kann Unternehmen hart treffen. Abschreibungen auf Vermögenswerte in der Bilanz führen mitunter zu Verlusten, mindern das Eigenkapital und das verschlechtert ihre Kreditqualität.


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