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Joel Bowman: Der Mythos des "innewohnenden Wertes"

22.03.2019  |  Presse anonym
Heute werden wir unsere mächtige Feder erheben, um eine heilige Kuh niederzustrecken ... oder zumindest eine lahme Zeitungsente zunichtezumachen.

Ab und an lädt uns die Geschichte dazu ein, all das zu überdenken, was wir über eine bestimmte Sache zu glauben wissen, unsere Annahmen auf den Kopf zu stellen und - demütig und bereitwillig - ganz von vorne anzufangen.

Und das ist tatsächlich etwas Gutes. Denn ungeprüfte "Wahrheiten" können genauso zur Hemmung unserer intellektuelle Entwicklung beitragen wie unentdeckte Lügen. Vor allem, wenn wir dazu tendieren, diesen blind zu folgen; oftmals nur in Sorge unseres gekränkten Stolzes.

Doch lassen Sie uns zurück zum eigentlichen Thema kommen: Geld.

Was ist Geld? Beginnen wir vor dessen Geburt, um das große Ganze betrachten zu können.

Bevor es Geld gab - also bevor die Leute Bargeld, Münzen, Kryptowährungen, Kaurimuscheln, etc. mit sich schleppten - existierte der Tauschhandel. Dies ist ein System des direkten Austausches und benötigt zur Funktion kein Geld als Vermittler. Unsere nomadischen Vorfahren kamen Jahrtausende lang mit einem derartigen provinziellen Verständnis zurecht.

Das Tauschgeschäft ist allenfalls primitiv - nur für relativ einfache Transaktionen geeignet, bei denen sowohl Käufer als auch Verkäufer exakt das Produkt benötigen, das von der Gegenpartei angeboten wird, und exakt zum richtigen Zeitpunkt; Volkswirtschaftler nennen das die "doppelte Übereinstimmung der Bedürfnisse."

In einer komplexen Wirtschaft bildet die Aussage "Meine drei Schweine gegen deine Kuh" keinen exakten Rahmen für ein brauchbares Wirtschaftssystem.

Damit kommen wir also zum Geld.


Money, Money, Money ...

Als der griechische Philosoph Aristoteles (384 bis 322 v. Chr.) durch die Hallen seiner Lehranstalt schritt, verwendete die Menschheit bereits alle möglichen Hilfsmittel, um den Handel zu vereinfachen. Einige dieser Zahlungsmittel waren sicherlich besser als andere; wobei Gold und Silber üblicherweise gegenüber ihren Konkurrenten klar im Vorteil waren.

Die Frage des Tages lautet nur: Warum? Was machte eine Art des Zahlungsmittels besser als eine andere?

Unheilbarer Schreiberling, der er war, setzte sich Aristoteles rasch daran, das zu definieren, was von da an als seine gleichnamigen "Charakteristika soliden Geldes" bekannt waren.

Leser dieser Webseite sollten kein Problem damit haben, diese zu zitieren. (Machen wir das zusammen!) Solides Geld, so gebietet es der Vater der Logik, muss folgende Eigenschaften besitzen:

  • Beständig - als Wertanlage darf es nicht verrotten, schmelzen, erodieren, korrodieren oder anderweitig an Wert verlieren oder durch die wankelmütigen Launen der vielen Götter korrumpiert werden.

  • Tragbar - einfach zu transportieren; vorzugsweise etwas, das man in seiner Hosentasche transportieren kann und nicht auf dem Rücken eines Esels in die Stadt bringen muss.

  • Teilbar - in "Wechselgeld" aufteilbar; etwas, das in die notwendigen Teilmengen aufgeteilt werden kann, um die Zahlung eines Lösegelds und den Erwerb einer Ladung Met gleichermaßen einfach zu machen.

  • Austauschbar - wechselseitig austauschbar, d.h. die eine Einheit ist so gut wie eine andere.

So weit, so gut. Doch lassen Sie uns den alten fünften Punkt noch etwas betrachten.

Zusätzlich zu den obengenannten Charakteristika erklärte Aristoteles auch, dass solides Geld einen "innewohnenden Wert" besitzen müsse. In anderen Worten: Das Material, aus dem Geld hergestellt wird, sollte "an sich" bereits ein wertvoller Rohstoff sein.

An diesem Punkt runzelt man die Stirn und spürt langsam Kopfschmerzen aufkommen.

Was genau ist dieser "innewohnende Wert"? Und welche Rolle spielen Phrasen, die dieser Bezeichnung üblicherweise folgen ("für sich" und "an und für sich") tatsächlich ... außer als höfliche Platzhalter für eine bessere, nicht vorhandene Antwort zu dienen?

Einige Menschen nahmen an, dass dieser "innewohnende" Wert mit etwas zu tun hatte, das man "anfassen und in Händen halten kann."

Doch das erklärte nur eine physische Charaktereigenschaft (Greifbarkeit). Des Weiteren kann man eine Vielzahl von Dingen in Händen halten und nicht alle von diesen sind wertvoll. (Das Resultat ist natürlich, dass viele nicht greifbare Dinge - Algebra, Sprache ... Liebe - so wertvoll sind, dass man schwer ohne sie leben kann.)

Andere wiederum postulieren, dass der "innewohnende" Wert von "einer langjährigen Erfolgsbilanz" abgeleitet wird.

Doch das sprach nur für die historische Präferenz des Menschen, eine Sache der anderen vorzuziehen. Viele Dinge fallen mit der Zeit in Ungnade oder werden durch Technologie obsolet gemacht. Ist der "innewohnende" Wert wirklich so vergänglich?

Wieder andere Menschen behaupteten, dass der "innewohnende" Wert den möglichen Anwendungsbereichen einer Sache anderorts zugrunde liege (weg von seiner Rolle als Geld.)

Doch das beschrieb nur mögliche Anwendungsfälle, die wiederum mit der Zeit und durch Technologie ersetzt werden könnten.


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