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Zentralbanken manipulieren Goldpreis

26.05.2007  |  Hubert Roos
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Der britische Premierminister Tony Blair kommentierte den Verkauf damals vor dem Unterhaus mit den Worten: "Wir haben die Aktion sehr sorgfältig geplant und behutsam ausgeführt und wir konnten das Bestmögliche für unser Land herausholen." Aus Sicht der englischen Bürger und Steuerzahler dürfte das allerdings ein Fiasko gewesen sein, denn der durch die öffentliche Ankündigung verursachte Kursverlust dürfte sich auf gut 2 Milliarden Dollar belaufen haben. Auch schon in früheren Zeiten hatte es Beispiele gegeben, wo England den USA zu Hilfe gekommen war, wenn es darum ging, das Bankensystem zu stützen.

Beispielsweise versuchte England vergeblich, den USA zu helfen, das marode Bretton-Woods-System Ende der 1960-er und Anfangs der 70-er Jahre am Leben zu erhalten. Zwischen 1958 und 1965 schwankte das Volumen der britischen Goldreserven zwischen 2.000 und 2.500 Tonnen. Zwischen 1966 und 1972 verschleuderte das britische Finanzministerium 1.356 Tonnen in einem fruchtlosen Versuch, den Wert des US-Dollars gegenüber Gold aufrecht zu erhalten. Damals schon wurden die Kosten hierfür der britischen Öffentlichkeit aufgebürdet.

Im Laufe der Zeit kamen weitere Indizien und Aussagen hinzu, welche die GATA-Theorie plausibel erscheinen lassen. Nach offiziellen Angaben haben die Federal Reserve und das US-Finanzministerium ihre Hände nicht im Spiel, wenn es um Gold geht. Nach öffentlichen Aussagen hingegen kann man das Gegenteil annehmen. Alan Greenspan selbst bestätigte in einer Rede vor hohen Finanzbeamten im Juli 1998 Interventionen zugunsten eines starken Dollars und eines gezügelten Goldpreises:

"Die Zentralbanken stehen bereit, Gold in zunehmenden Mengen zu verkaufen, falls der Preis zu stark steigen sollte“. Später erläuterte er diese Aussage in einem öffentlich gewordenen Brief an Senator Joseph Lieberman: "Diese Beobachtung beschreibt lediglich die begrenzten Möglichkeiten privater Stellen, den Goldmarkt über eine Drosselung der Nachfrage zu beeinflussen, wenn man die zu beobachtende Bereitschaft einiger ausländischer Zentralbanken - nicht der Federal Reserve - in Betracht zieht, Gold als Reaktion auf Preissteigerungen zu verleihen."

Dies scheint ein klarer Beweis aus dem Munde des Fed-Vorsitzenden zu sein, dass Zentralbanken im Goldmarkt intervenieren, auch wenn Greenspan in dieser Aussage eine Beteiligung der amerikanischen Zentralbank verneint.

Weitere Unterstützung für die Interventions-/Manipulationstheorie des Goldpreises durch die Zentralbanken leitet GATA im Zusammenhang mit dem ersten Washingtoner Goldabkommen ab. Am 26. September 1999 wurde dieses Abkommen von der Europäischen Zentralbank (EZB) und 14 europäischen Zentralbanken, einschließlich der Bank of England, unterzeichnet. Inhalt des Abkommens war es, ihre Goldverkäufe und Verleihaktivitäten für die folgenden fünf Jahre zu limitieren auf 400 Tonnen pro Jahr - insgesamt also 2000 Tonnen über diesen Zeitraum. Eingeschlossen in diese Regelung waren die noch verbliebenen 365 Tonnen der Bank of England, die aus dem anfangs des Jahres angekündigten Gesamtvolumen von 415 Tonnen noch nicht verkauft waren.

Ziel dieses Abkommens war es, den Goldpreis im Vorfeld der Euro-Einführung zu stabilisieren. Als Folge des Abkommens schoss der Goldpreis, nachdem diese Angebotsverknappung publiziert war, von 270 US-Dollar auf 325 Dollar pro Unze hoch. Dies war nun sicherlich ein nicht beabsichtigter Effekt. Zwar wollten die beteiligten Länder einen stabilen Goldpreis, aber sie wollten keinen hohen Goldpreis, denn damit hätten sie sich möglicherweise sehr große Unannehmlichkeiten eingehandelt. Was sie auf keinen Fall wollten, war ein Zusammenbrechen der Gold-Carry-Trades und des Verleihgeschäftes durch plötzlich gestiegene Kurse. Dies geschah auch nicht, denn in der Folgezeit fiel der Goldkurs durch untereinander abgestimmte Aktionen der Zentralbanken wieder auf das Ausgangsniveau zurück.

Daraufhin verklagte der amerikanische Anwalt Reginald Howe im Jahr 2001 den damaligen amerikanischen Notenbankpräsidenten Alan Greenspan, die Bank für Internationalen Zahlungsverkehr (BIZ) sowie fünf renommierte Geschäftsbanken, darunter JPMorgan Chase, wegen unerlaubter Preisabsprachen im internationalen Goldhandel zur Drückung des Goldpreises (Anm. 3). Während des Prozesses sagte der damalige Gouverneur der Bank of England, Sir Edward George, Folgendes aus:

"Wir standen da und schauten in den Abgrund, falls der Goldpreis weiter gestiegen wäre. Ein weiterer Anstieg hätte einige Handelshäuser in den Abgrund gerissen und dies hätte möglicherweise alle anderen mitgerissen. Daher mussten die Zentralbanken den Goldpreis drücken - koste es, was es wolle. Es war sehr schwierig, den Goldpreis unter Kontrolle zu bekommen, aber schließlich waren wir erfolgreich. Die US-Notenbank war sehr aktiv, ebenso wie Großbritannien." (Anm. 4)

Für GATA sind dies eindeutige Manipulationsbelege. Die nächste Frage ist dann, welche Dimensionen diese Manipulationen einnehmen. Dies ist aufgrund der wenig transparenten Bilanzierungsmethoden der Zentralbanken für Gold nicht ganz einfach und eindeutig zu beantworten. Die Analysten von Cheuvreux haben die Recherchen verschiedener Experten, die sich intensiv mit der Manipulationsthematik auseinander gesetzt haben - wie Frank Veneroso, James Turk, Reginald Howe - sowie das Datenmaterial der Bank für Internationalen Zahlungsverkehr (BIZ) ausgewertet und kommen zu dem Schluss, dass es sich um eine Größenordnung von mindestens10.000 bis möglicherweise 15.000 Tonnen Gold handelt, das in den Büchern der Zentralbanken steht, aber nicht mehr in ihren Tresoren liegt. (Anm. 5) Das ist ein gutes Drittel bis fast die Hälfte der gesamten Zentralbankbestände weltweit.

Wenn diese Nachricht ihren Weg in die breite Öffentlichkeit findet und die Runde in Anlegerkreisen macht, dürfte die Goldpreismanipulation durch die Zentralbanken in der jetzt bestehenden Form ein baldiges Ende finden. Damit wäre auch das verbliebene Gold nicht nur ein Drittel oder die Hälfte mehr wert, als bei der augenblicklich angenommenen Menge. Bereits eine Verknappung von 10 Prozent könnte ausreichen, den Preis eines Rohstoffes oder einer Ware zu verdoppeln. Ein Minderbestand von einem Drittel bis gar der Hälfte des Volumens kann ungeahnte Preisbewegungen auslösen. Bei dem momentanen weltweiten Liquiditätsüberschuss könnten in kürzester Zeit immense Geldbeträge bewegt werden, um das verbleibende wenige Gold aufzusaugen.


© Hubert Roos



Anmerkungen:

1. Hubert Roos, Gold-Boom, Kulmbach 2003, S. 67 - 71
2. Cheuvreux-Report (Sector Report "Metals & Mining" von Paul Mylchreest, Credit Agricole Cheuvreux International, Januar 2006) Seite 16
3. Ferdinand Lips, Die Gold-Verschwörung, Rottenburg a. N., 2003
4. Cheuvreux-Report S. 20
5. Cheuvreux-Report S. 22



Dieser Artikel ist bereits vorab im "Rohstoff-Spiegel", 10/2007 erschienen. Der Rohstoff-Spiegel liefert Ihnen alle 14 Tage umfangreiches Hintergrundwissen, Interviews, Produktvorstellungen und Anlageempfehlungen für Gold, Silber & Co.
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