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Munteres Treiben ums Geld

26.07.2020  |  Manfred Gburek
Steigende Aktienkurse, und das mitten in der Rezession, wie reimt sich so etwa? Diese Frage wird in einschlägigen Foren immer wieder aufs Neue gestellt - oft ohne dass die richtige Antwort folgt, die da lautet: Aktienkurse nehmen die Zukunft vorweg, in diesem Fall einen Konjunkturaufschwung, kräftig genährt durch gigantische Milliarden-, global sogar Billionenbeträge, begleitet von untrüglichen weiteren Indikatoren, zum Beispiel von steigenden Gold- und Silberpreisen.

Deren heftige Ausschläge bei steigendem Trend signalisieren nebenbei Inflationserwartungen. Alles zusammen sorgt wegen des weltweit vagabundierenden Geldes für tendenziell weiter steigende Aktienkurse und Edelmetallpreise. Allerdings sei schon jetzt vor zwischenzeitlichen Rücksetzern gewarnt, weil Anleger der ersten Stunden oder Tage hier und da Gewinne mitnehmen.

Wie lange wird das muntere Treiben anhalten? Die genaue Antwort kennt zwar niemand, aber eines ist gewiss: Spätestens seit dem Brüsseler Sondergipfel befindet sich Europa in einer Fiskalunion - mit dem für deutsche Steuerzahler unangenehmen Effekt, dass der Staat sie von nun an mit allen erdenklichen Steuertricks zur Kasse bitten wird. Dazu nur dieses Beispiel: Der deutsche Beitrag zum Haushalt der EU wird sich vom kommenden Jahr an auf rund 40 Milliarden Euro belaufen. Das sind 10 Milliarden mehr als bisher veranschlagt.

Dass da Spekulationen, woher die Mittel zur Finanzierung wohl stammen könnten, bereits jetzt ins Kraut schießen, ist nicht weiter verwunderlich. Machen Sie sich jedenfalls in Sachen Steuern auf alles gefasst! In den nächsten Monaten werden wir von Vorschlägen aller Parteien überrollt. Und noch eines: Steuererhöhungen werden von Anleihenkäufen der EZB flankiert, die dafür mit 1,35 Billionen Euro geradesteht.

Während Zentral- und Geschäftsbanker der alten Schule die Brüsseler Beschlüsse überwiegend für Teufelswerk halten, sind ihre Nachfolger alles andere als zimperlich, wenn es darum geht, die Erkenntnisse aus der "Modern Monetary Theory" (de facto: unbegrenzte Schulden) in die Praxis umzusetzen. Das beginnt damit, dass die Juristin Christine Lagarde an der EZB-Spitze Anleihenkäufe nur noch durchzuwinken braucht, und endet mit neuen Kreationen der Geschäftsbanken. Dazu gehören zum Beispiel hohe Rückstellungen bei der Deutschen Bank und der Schweizer UBS oder die starke Konzentration auf das Handelsgeschäft bei der amerikanischen Großbank Goldman Sachs.

Nimmt man all diese Umtriebe unter die Lupe, fällt eines besonders auf: Sowohl die Zentral- als auch die Geschäftsbanken haben aus dem vor zwölf Jahren ausgebrochenen Desaster der Finanz- und Wirtschaftskrise gelernt. Allein schon deshalb erübrigen sich allzu simple Vergleiche zwischen den Jahrgängen 2008 und 2020. Oder aktuell auf den Punkt gebracht: Corona verändert unser Leben so gewaltig, dass wir alle große Mühe haben, mit diesem Biest medizinisch wie auch finanziell fertig zu werden.

Bislang wird in beiderlei Hinsicht viel spekuliert. Pharmakonzerne sind auf der Jagd nach dem vermeintlichen Wundermedikament, während Börsianer von einer Kursphantasie zur nächsten eilen - genug Geld zum Spekulieren ist ja immer noch vorhanden. Zuletzt hat es, nachdem der Goldpreis sich schon seit Monaten im Aufwärtstrend bewegt, auch den Silberpreis befördert.

Zum Hintergrund gibt es nicht viel zu rätseln, denn die wichtigste Ursache ist leicht auszumachen: Wer die Statistiken zu den Gold- und Silberfonds verfolgt, ist längst zum Ergebnis gekommen, dass die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage für den weiteren Aufwärtstrend beider Edelmetalle spricht, wenngleich mit dem Unterschied, dass der Silberpreis viel volatiler ist.

Daran wird sich auf absehbare Zeit nicht viel ändern, weil die meisten Großanleger - Hedgefonds, Banken, Vermögensverwalter u.a. - im Null- oder Negativ-Zins-Geld geradezu schwimmen. Da sind ihnen Edelmetalle mit null Prozent Verzinsung nebst etwas Bargeld zur Überbrückung vorübergehender Engpässe logischerweise lieber als das, was man gemeinhin als Papiergeld bezeichnet: Anleihen, Forderungen, Derivate aller Art und alles Sonstige ohne Substanz, womit derzeit sonst noch spekuliert wird.

Zuletzt ist, ohne allzu viel öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen, die Spekulation gegen den Dollar hingekommen. Und in der Tat kann sich die Dollar-Euro-Kurve sehen lassen: Der Euro hat sich in wenigen Monaten vom Verhältnis 1 zu 1 auf 1 zu 1,16 hochgeschwungen. Dementsprechend ist der Dollar von 1 zu 1 auf etwas über 0,86 gefallen. Eine solche Entwicklung nützt den Preisen von Gold und Silber, wie wir sie in den vergangenen Jahrzehnten erlebt haben, erfahrungsgemäß sogar noch zusätzlich.

Kommen wir zum Fazit: Noch herrscht in weiten Kreisen der Wirtschaft und erst recht der Politik die Illusion vor, die Folgen von Corona seien beherrschbar. Diese Illusion basiert im Wesentlichen darauf, dass man glaubt, mit immer mehr an künstlich erzeugtem Geld aus dem Nicht ließen sich die meisten anstehenden Probleme lösen. Die kommenden Monate werden uns zeigen, inwieweit das wenigstens zum Teil zutrifft. Der an den Börsen vorherrschende Optimismus gibt Grund zur Hoffnung, mehr noch nicht. Nehmen Sie die Chancen wahr, die Ihnen Aktien, vor allem aber Gold und Silber einschließlich Minenaktien bieten - vorausgesetzt, Ihr Nervenkostüm hält die Kursschwankungen aus.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu



Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

Neu bei www.gburek.eu : Risiken managen!


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