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Zerohedge: Gerät der Dollar-Standard außer Kontrolle?

07.08.2020
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Was, wenn die chinesische Wirtschaft unter weiteren US-Sanktionen weiter fällt, oder wenn COVID-19 wiederauflebt? Wird der Immobilienmarkt dann zusammenbrechen und Rezession oder Depression verursachen? Es sind schließlich China und Asien, die den Großteil der Golf-Energie erwerben: Nachfrage nimmt ab und der Preis fällt. Das Schicksal der Wirtschaft dieser Golf-Staaten - und deren Stabilität - basiert auf der Hoffnung, dass diese Mega-Blasen nicht platzen.

Blasen sind ein Faktor, doch es gibt ebenfalls Anzeichen dafür, dass sich die tektonischen Platen auf eine andere Art und Weise auseinander bewegen, die jedoch nicht weniger bedrohlich ist. Goldman Sachs sitzt im Herzen des westlichen Finanzsystems und stellt einen Großteil der Angestellten von Team Trump sowie der Federal Reserve. Dessen Rohstoffstratege Jeffrey Currie schrieb kürzlich, dass "reale Sorgen über die Langlebigkeit des US-Dollar als eine Reservewährung aufgetaucht sind."

Was? Goldman meint, dass der Dollar seinen Status als eine Reservewährung verlieren könnte. Undenkbar? Nun, das wäre die Standard-Meinung. Die Dollarvorherrschaft und Sanktionen wurden lange als Washingtons Würgegriff um die Welt angesehen, mit dem die Vorrangstellung der USA gesichert wurde. Amerikas "versteckter Krieg", wenn man es so nennen möchte. Trump sieht den Dollar klar als Knüppel, der Amerika wieder großartig machen wird. Des Weiteren haben Trump und Mnuchin - und nun der Kongress - Kontrolle über das Arsenal des Finanzministeriums übernommen; der Sanktionsknüppel ist zu einer echten Welle geworden.

Doch innerhalb bestimmter US-Kreise gab es auch eine nonkonformistische Ansicht, die besagt, dass die USA ihr Wirtschaftsmodell mithilfe eines "angebotsseitigen", von Technologie angeführten Wunders "neu starten" müssen, um Wachstumsstillstand zu beenden. Zu viele Schulden erdrücken die Wirtschaft und erhalten Zombie-Unternehmen am Leben. Im Jahr 2014 meinte Jared Bernstein, Obamas ehemaliger Volkswirtschaftler, dass der US-Dollar seinen Status als Reservewährung verlieren muss, wenn so ein Neustart jemals stattfinden soll. Er erklärte auch warum:

"Es gibt einige Binsenwahrheiten über die Weltwirtschaft, doch jahrzehntelang war eine davon die Rolle des US-Dollar als weltweite Reservewährung. Es ist ein Kernprinzip der amerikanischen Wirtschaftspolitik. Denn wer hätte es denn nicht gerne, wenn die eigene Währung von ausländischen Banken und Regierungen in Reserve gehalten werden möchte?

Doch neue Recherchen enthüllen, dass das, was einst ein Privileg war, nun eine Last ist, Arbeitsplatzwachstum untergräbt, Bilanz- und Handelsdefizite erhöht und Finanzblasen aufbläst. Um die amerikanische Wirtschaft wieder auf den Weg zu bringen, muss die Regierung ihre Bemühungen unterlassen, den Status des Dollar als Reservewährung aufrechtzuerhalten."

Das ist essentiell die Davos-Neustartlinie. Christine Lagarde rief im selben Jahr zu einem "Neustart" der Geldpolitik auf - und dazu, sich um das träge Wachstum und die Arbeitslosenzahlen zu kümmern.

Und kürzlich gab das U.S. Council on Foreign Relations (CFR) ein Dokument aus mit Namen: It is Time to Abandon Dollar Hegemony. Das ist die Globalistenlinie. Das CFR war Vorläufer der europäischen und Davos-Projekte. Es ist nicht Trumps. Er kämpft darum, Amerika als Sitz der westlichen Macht beizubehalten und nicht, um diese Rolle an Merkels europäisches Projekt - oder China - abzugeben. Warum würde Goldman Sachs also so etwas sagen? Achten Sie genau auf Goldmans Umrahmung: Es ist nicht die Davos-Linie.

"Stattdessen schreibt Currie, dass die zunehmende Abweichung zwischen steigendem Goldpreis und einem schwächeren Dollar "von einer möglichen Veränderung der US-Fed hin zu einer inflationären Tendenz vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen angetrieben wird und zusätzlich durch inländische, politische sowie gesellschaftliche Unsicherheit sowie eine zunehmende Welle COVID-19-Infektionen verschlimmert wird."

Übersetzung:

"Es geht um die explosive Schuldenansammlung der USA aufgrund der Coronavirus-Quarantäne. In einer Welt, in der es bereits über 100 Billionen Dollar in Dollar ausgezeichneten Schulden gibt, bezüglich der die USA nicht in Zahlungsverzug geraten wird; noch jemals zurückgezahlt werden wird. Deshalb können sie nur durch Inflation weggezaubert werden. Die Schulden können also nur durch Abwertung der Währung gehandhabt werden."

Currie meint also, dass die Dollarabwertung auf dem Aufgabenplan der Fed steht. Und das bedeutet, dass "echte Sorgen um die Langlebigkeit des US-Dollar als Reservewährung aufgetaucht sind." Es ist eine nuancierte Nachricht: Sie deutet an, dass das geldpolitische Experiment, das 1971 begann, endet. Currie erklärt, dass die USA nicht länger in der Lage sind, eine Wirtschaft mit derartig hohen Schulden zu verwalten, indem einfach nur neue Währung gedruckt wird. Die Schuldensituation ist bereits präzedenzlos - und die Pandemie verschlimmert dieses Vorgang.

Kurz gesagt: Die Dinge geraten außer Kontrolle, was nicht dasselbe wie die Bewerbung eines Neustarts ist. Und die Abwertung des Geldes ist unausweichlich. Deshalb hebt Currie die Abweichung zwischen dem Goldpreis (den Regierungen üblicherweise unterdrücken) und dem schwächeren Dollar hervor. Wenn dies über die Kontrolle der Fed hinausgeht, dann ist dies auch letztlich bei Trump der Fall.

Sollte das Vertrauen in den Dollar abnehmen, werden alle Fiatwährungen gemeinsam fallen - genau wie G20 Zentralbanken an dieselbe Politik gebunden sind wie die USA. Chinas Situation ist kompliziert. Auf der einen Seite würde ihm die Dollarabwertung schaden, doch auf der anderen Seite würde eine allgemeine Abwertung der Fiatwährung es China und Russland erlauben, dem Messer zu entkommen, das der Dollar gegen ihre Kehlen hält.

Und die Golf-Staaten? Der Ölpreisrückgang in diesem Jahr sorgte bereits dafür, dass einige Investoren gegen die Währungen der Golf-Staaten wetteten, was langjährige Währungskopplungen mit dem Dollar unter Druck setzte. Mitgliedsländer des Golfkooperationsrates haben ihre Währungen seit den 1970er Jahren an den Dollar gekoppelt, doch niedrige Ölnachfrage und Dollarschwäche würden die Bedrohung für die "Währungskopplungen" der Golf-Staaten verschlimmern. Würde eine Koppelung zerbrechen, so wäre nicht klar, ob es für diese Währung unter derzeitigen Umständen einen offensichtlichen Boden geben würde.

[Ursprünglich geschrieben von Alastair Crooke via The Strategic Culture Foundation]


© Zerohedge



Der Artikel wurde am 3. August 2020 auf www.zerohedge.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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