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Erst Geldmengenausweitung, dann Preisinflation

08.05.2021  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Die EZB hat einen gewaltigen "Geldüberhang" produziert. Er hat das Potential, die Konsum- und/oder Vermögenspreise im Euroraum zwischen schätzungsweise 12 bis 18 Prozent in die Höhe zu treiben - und die Kaufkraft des Euro in gleichem Ausmaß herabzusetzen.


Geldmenge und Preise

Dass Preisinflation - also das fortgesetzte Ansteigen der Güterpreise - ein monetäres Phänomen ist, gehört zu den grundlegenden Einsichten in der Volkswirtschaftslehre. Grundsätzlich gilt: Das Ansteigen der Geldmenge führt zu Güterpreisen, die höher sind im Vergleich zu einer Situation, in der die Geldmenge nicht ausgeweitet worden wäre. Gleichwohl ist es eine Einsicht, die immer wieder relativiert oder gar ignoriert wird. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Ansteigen der Geldmenge unterschiedliche Güterpreise zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in unterschiedlichem Ausmaß beeinflusst.

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Quelle: Refinitiv; Berechnungen Degussa.


Der Blick auf das Geldmengenwachstum gibt jedoch eine untrügliche Indikation, wie sich die Güterpreise entwickeln beziehungsweise entwickeln werden - und wie sich folglich die Kaufkraft des Geldes verändern wird. Abb. 1 zeigt das Wachstum der Geldmenge M3 im Euroraum von Anfang 2000 bis März 2021, und zwar als monatliche Veränderung, die auf das Jahr hochgerechnet wurde. Die gepunktete Linie zeigt den unterliegenden Trendverlauf des Geldmengenwachstums an. Wie zu erkennen ist, hat sich das Trendwachstum der Geldmenge ab etwa 2015 merklich beschleunigt.

Mittlerweile liegt das Trendwachstum der Geldmenge M3 auf dem bisher höchsten Stand. Was ist der Grund? Zum einen hat das anhaltende Niedrig- und Nullzinsumfeld die Geldhaltung der Menschen ansteigen lassen (man mag das gar nicht glauben): Geld wird nicht in zum Beispiel Bankschuldverschreibungen investiert, sondern in der Kasse gehalten. Zudem hat die Europäische Zentralbank (EZB) im Zuge der politisch diktierten Lockdown-Krise in großem Stil Staatsanleihen gekauft und sie mit neu geschaffenen Euro bezahlt. Das hat die Euro-Geldmenge ebenfalls sehr stark erhöht.

Abb. 2 zeigt die Entwicklung der "breiten Geldmenge" in der OECD. Hier lässt sich ab etwa 2015 ein Anstei-gen des Trendwachstums der Geldmenge erkennen. Vor allem der starke Anstieg der Geldmenge im April/Mai 2020 ist deutlich zu erkennen: Mit diesen Geldspritzen haben die Zentralbanken die Wirtschaften und Finanzmärkte vor dem Zusammenbruch bewahrt - der aufgrund der politischen Entscheidung, die volkswirtschaftliche Aktivität abzubremsen, die absehbare Folge gewesen wäre. Die Geldmengenausweitung ist jüngst zwar etwas zurückgegangen, allerdings zeigt auch hier der unterliegende Trendverlauf des Geldmengenwachstums mittlerweile in die Höhe.

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Quelle: Refinitiv; Berechnungen Degussa. Letzter Datenpunkt: Januar 2021.


Die starke weltweite Geldmengenausweitung hat vor allem zwei Folgen. Die erste ist, dass die Volkswirtschaften "Rückenwind" bekommen: Das neue Geld wirkt zunächst wie eine Wohlstandsmehrung. Konsum und Investitionen ziehen an. Doch die Geldmengenausweitung sorgt erfahrungsgemäß nur für eine trügerische Belebung, die früher oder später zum Erliegen kommt. Die zweite Folge ist, dass das Ansteigen der Geldmenge die Güterpreise in die Höhe befördert - also für steigende Konsum- und/oder Vermögenspreise sorgt. Mit anderen Worten: Die Kaufkraft des Geldes schwindet.


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