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Zerohedge: 50 Jahre seit Ende von Bretton Woods: Ein geopolitischer Rückblick

20.11.2021
Am 15. August 1971 hielt der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, Richard Nixon, eine 18-minütige Rede an die Nation, deren Auswirkungen die ganze Welt erschütterten. Unter anderem kündigte er das Ende der Dollar-Gold-Parität an, was ein Schock war.

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Zunächst einmal bedeutete diese Entscheidung das Ende des Währungssystems von Bretton Woods, ohne dass gesagt wurde, was an seine Stelle treten würde. Diese Tatsache bedeutete eine abrupte Veränderung der internationalen Wirtschaftsordnung. Zweitens untergrub Nixons Initiative die wirtschaftlichen Entwicklungsstrategien, die seit 1947, dem Beginn des Kalten Krieges, angewandt wurden.

Diese Strategien hießen "Entwicklung auf Einladung" in den zentralen Ländern und "nationaler Developmentalismus" in den dezentralen Ländern. Drittens verstärkte die Entscheidung die Angriffe auf den Dollar als Hauptwährung in der Welt, wodurch die internationale Währungshierarchie seither noch mehr unter Druck geriet. Schließlich hat in der Geschichte der Währungsstandards der Verzicht auf Edelmetalle als Wertmaßstab die "Charta-Natur" des Geldes zum Nachteil des metallistischen Geldes offenbart.

In den Debatten über das Bretton-Wood-System, von seiner Entstehung und Entwicklung bis hin zu seiner Krise und Implosion, scheint sich ein bestimmtes Narrativ durchzusetzen. Diese Mainstream-Interpretation führt die Ursprünge des Systems auf die Traumata der großen sozialökonomischen Krise in den dreißiger Jahren zurück. Neben der Sparpolitik und den automatischen rezessiven Anpassungen war der Kern der liberalen Wirtschaftsordnung der zwanziger Jahre die Freiheit des Kapitalverkehrs, dessen Verhalten die Wechselkurse, die Zahlungsbilanzen und sogar die Volkswirtschaften destabilisierte.

Sie waren die Ursache für die große Depression der dreißiger Jahre, vor allem nach dem Wall-Street-Crash von 1929, als sich die sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erheblich verschlechterten. Dieses Szenario förderte den Aufstieg der rechtsextremen Flügel vor allem in Europa, was die Voraussetzungen für den Beginn des Zweiten Weltkriegs schuf.

Um eine weitere Erfahrung wie die große wirtschaftliche Depression der dreißiger Jahre und ihre katastrophalen Auswirkungen zu vermeiden, trafen sich die diplomatischen Vertreter von vierundvierzig Ländern im Juli 1944 in Bretton Woods, um eine neue Wirtschaftsordnung für die Nachkriegszeit auszuhandeln. Bei den Gesprächen kam man zu dem Schluss, dass die wichtigste Ursache für die Wirtschaftskrise das Finanzkapital und seine Freiheit war, gegen Märkte, Währungen und Volkswirtschaften vorzugehen. Der zentrale Vorschlag war, die Autonomie der nationalen Wirtschaftspolitiken zu garantieren.

Aus diesem Grund waren sie sich in einigen Punkten einig. Zum Beispiel Kapitalverkehrskontrollen, ein System fester Wechselkurse, die jedoch bei Bedarf gelenkt werden können, und Stabilisierungsfonds über den IWF ohne Gegenleistung für eine rezessive Politik. Es war ein Sieg des Keynesianismus über die liberale Wirtschaftsorthodoxie. Schon die Teilnahme von John Maynard Keynes als Vertreter der britischen Regierung an den Verhandlungen war ein Symbol dafür, trotz seiner Niederlage bei der Verteidigung einer supranationalen Währung, des Bancor, als neuem Währungsstandard.

Infolgedessen erzielte die kapitalistische Welt, vor allem Europa und Japan, in den 50er und 60er Jahren hervorragende wirtschaftliche Ergebnisse in Bezug auf Produkt-, Einkommens- und Beschäftigungswachstum sowie auf den internationalen Handel und ausländische Direktinvestitionen.

Schließlich behauptet der Mainstream, dass die Defizite in der US-Zahlungsbilanz in dieser Zeit zu einer Ausbreitung der Dollarliquidität im internationalen System führten, ohne dass die Goldreserven der Fed erhöht wurden. Diesem Argument zufolge hat vor allem der Anstieg der Militärausgaben infolge des Vietnamkriegs solche makroökonomischen Ungleichgewichte ausgelöst. So wurden Druck und spekulative Angriffe auf die Dollar-Gold-Parität unvermeidlich. Daher erwies sich die Situation 1971 als unhaltbar. Aus geopolitischer Sicht kann das Bretton-Wood-System von seiner Entstehung bis zu seinem Zusammenbruch jedoch auch anders interpretiert werden.

Erstens hatten die Behörden der verschiedenen Länder die Abkommen zwar im Juli 1944 unterzeichnet, doch nach Roosevelts Tod im März 1945 wurden die relevanten Teile der Abkommen auf Eis gelegt. Henry Morgenthau und Harry White, die Architekten der neuen Wirtschaftsordnung der Nachkriegszeit, verloren ihren Platz in der Truman-Regierung.

An ihrer Stelle zwangen die Bankiers den Präsidenten zur Umsetzung des Leitwährungsplans, der die Wiederherstellung einer liberalen internationalen Finanzordnung wie in den zwanziger Jahren vorsah. Das neue System sollte sich jedoch auf den Dollar und die Wall Street stützen und nicht auf das Pfund und die Stadt. In Bezug auf Deutschland und Japan zielte die neue Ausrichtung der USA darauf ab, ihre großen Industriekonglomerate zu zerstören und ihre Volkswirtschaften in halb-dezentrale Volkswirtschaften zu verwandeln.

In der Tat funktionierte die von 1945 bis 1947 errichtete internationale Wirtschaftsordnung ganz anders als die Abkommen von 1944, und die Ergebnisse waren schrecklich. Die Versuche, die Volkswirtschaften zu sanieren, stießen auf die Dollarknappheit und die Schwierigkeiten in den Zahlungsbilanzen. In diesem Zusammenhang flüchteten die europäischen Finanzkapitale in die Vereinigten Staaten und destabilisierten die Wechselkurse, die Zahlungsbilanzen und damit die Volkswirtschaften Westeuropas. Wie es sich für eine liberale Finanzordnung gehört, war die Nichtberücksichtigung von Kapitalkontrollen der Kern der wirtschaftlichen Probleme.


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