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Chaos in Kasachstan: Notstand ausgerufen! Uranmarkt aufgeschreckt!

06.01.2022  |  Uli Pfauntsch
Es ist eine Meldung, die den Uranmarkt aufschreckt: Kasachstan wird derzeit von massiven Protesten wegen steigender Kraftstoffpreise und sonstigen Lebenshaltungskosten erschüttert. Präsident Tokajew hat sein Kabinett entlassen und nach Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei den zweiwöchigen Ausnahmezustand in der Stadt Almaty und der Provinz Mangistau ausgerufen.

Hintergrund: die Menschen in Kasachstan fahren überwiegend mit Flüssiggas. Nachdem die Regierung die Preisobergrenzen für Flüssiggas angehoben hatte, sprangen die Preise auf 120 Tenge (28 US-Cent) zum Jahresstart, verglichen mit 50-60 Tenge (12-14 Cents) im letzten Jahr. Vielerorts verdreifachten sich etwa die Taxi-Preise über Nacht.

In Kasachstan beläuft sich das durchschnittliche Haushaltseinkommen auf 250 Dollar pro Monat und der Mindestlohn liegt nur bei knapp über 65 Dollar monatlich.

Die Proteste in Kasachstan werden von Tag zu Tag heftiger und aus Großstädten tauchen Videos auf, wie Polizeifahrzeuge angegriffen und in Brand gesteckt werden. Die Proteste, die am vergangenen Wochenende in der ölreichen westlichen Region Mangystau ausbrachen, haben sich nun auf mehrere Städte ausgeweitet, darunter mehrere Öl-produzierende Drehkreuze.

Die Ölarbeiter, die sich den Protesten angeschlossen haben, fordern generell, dass die Regierung die Preise für den Liter Flüssiggas in die Bandbreite von 60 Tenge zurückbringt. Doch bislang antwortet die Regierung lediglich mit Massenarresten und der Abriegelung von Almaty. Der Notstand ist erst am heutigen Tag in Kraft getreten und soll bis 19. Januar gelten.

Die New York Times hatte in einer Analyse bereits vor einer Woche das Potenzial für kommende Unruhen in zentralasiatischen Gesellschaften anhand Europas eigener Energiekrise vorausgeahnt: "Angezogen von hohen Preisen weisen Energieunternehmen Schiffe mit Flüssigerdgas an, ihre Ziele von Asien nach Europa zu ändern. Aber selbst dieser Wechsel reicht möglicherweise nicht aus, um russisches Gas zu ersetzen oder die Krise erheblich zu lindern".


Versorger blicken mit Entsetzen nach Kasachstan

Die große Frage ist, inwieweit sich die Proteste auf die Uranproduktion in Kasachstan auswirken. In 2019 war das zentralasiatische Land für satte 43 Prozent der globalen Uranversorgung verantwortlich und ist auch heute der weltweit größte Produzent. Zum Vergleich: Saudi-Arabien, der weltgrößte Öl-Exporteur, besitzt einen Markanteil von circa 12 Prozent. Selbst relativ geringe Förderkürzungen des OPEC-Mitglieds können die Ölpreise erheblich beeinflussen.

Wenn wir uns vorstellen, dass sich die Unruhen in Kasachstan (bei einem Marktanteil von 43 Prozent) zu einer ausgewachsenen politischen Krise ausweiten, könnte dies ein noch stärkerer Katalysator für die Uranpreise sein, als der Preisanstieg von 2005 bis 2007, ausgelöst durch die Überflutung der Cigar Lake Mine.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch völlig unklar, welche Auswirkungen die Proteste auf die Märkte haben werden. Neben Uran ist das Land auch ein wichtiger Öl-, Gas-, und Zinkproduzent. Doch eines steht jetzt schon fest: das politische Chaos in Kasachstan zeigt die fatale Abhängigkeit der Versorger von einer überkonzentrierten Angebotsseite und den dringenden Bedarf, die Angebots-Quellen zu diversifizieren. Der Markt beginnt nun, das politische Risiko einzupreisen und die Aktie von Kazatomprom bricht um mehr als 10 Prozent ein.

Die USA, die derzeit die weltgrößte Reaktorflotte betreiben, sind zu 100 Prozent von Uran-Importen abhängig. Um die einheimische Uranproduktion wiederzubeleben, wurde von der damaligen Trump-Regierung die US-Arbeitsgruppe für Kernbrennstoffe eingerichtet.

Anschließend einigte sich der Kongress auf die Einrichtung einer strategischen Uranreserve, die den Kauf von im Inland hergestellten Urans im Wert von jährlich 75 Millionen Dollar über 10 Jahre durch die US-Regierung vorsieht. Über die letzten Jahre gab es zahlreiche Stimmen, die wieder und wieder von den politischen Risiken und einer Bedrohung der Energiesicherheit in den USA warnten, doch die US-Regierung scheint sich noch immer im Schlafmodus zu befinden. Nun scheint exakt einzutreten, wovor immer gewarnt wurde.


Fokus auf US-Produzenten

Die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von Uranimporten, überwiegend aus politisch unsicheren und wenig freundlichen Regionen, war einer der Gründe, das CompanyMaker-Uran-Depot mit einem Schwerpunkt auf Unternehmen mit US-basierten Assets auszurichten. Viele Investoren dürften nun damit beginnen, das politische Risiko in Kazatomprom einzupreisen und in andere Uranwerte zu diversifizieren, insbesondere mit hochkarätigen Uran-Assets in Kanada, den USA, Australien und Afrika.

Der Uransektor ist mit einem Börsenwert von rund 40 Milliarden Dollar noch immer vergleichsweise winzig. Nach der Klassifizierung von Kernkraft als "grüne und nachhaltige Energie" in der EU-Taxonomie, öffnen sich die Fluttore der ESG-Investoren. Sollten nur 0,1% dieses Kapitals in den Uransektor fließen, entspricht dies Mittelzuflüssen von etwa 17 Milliarden Dollar. Mit voraussichtlich dramatischen Folgen für die Preise der Uranaktien!


© Uli Pfauntsch
www.companymaker.de



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