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Phasen geheimer Goldpolitik

14.01.2011  |  Dimitri Speck
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Phase III

Die Tresore der Zentralbanken leerten sich zunehmend, es wurde absehbar, daß der Preis auf Dauer nicht auf dem niedrigen Niveau gehalten werden konnte. Im Mai 2001 wurde deswegen den bedeutendsten Carry-Tradern mitgeteilt, daß sie sich ab Jahresende auf einen steigenden Goldpreis einstellen müßten. Was sich nun ergab, gleicht einem Krimi: Mehrere große Marktteilnehmer wollten die Situation nutzen und die Carry-Trader mit ihren großen Short-Positionen zwingen, ihre Goldposition bei explodierendem Goldpreis zu schließen. Am 18. Mai 2001 um 12.31 starteten sie ihre Aktion und läuteten damit die dritte Phase sein - und das, obwohl sie letztlich mit dem Versuch einer initiierten Kursexplosion an der Übermacht der Zentralbanken scheiterten. Nun war jedoch endgültig klar, daß der Goldpreis auf Dauer nicht mehr gehalten werden konnte. Außerdem hat sich genau seit diesen Tagen die Struktur des Terminmarktes geändert, die "kommerziellen Händler" gemäß den Statistiken der US-Aufsichtsbehörden sind nun deutlich und dauerhaft auf der Verkaufsseite positioniert. Die nachfolgende Abbildung zeigt die Positionierung der "kommerziellen Händler" ("Commercials") an den Terminmärkten.

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Abbildung 3: Nettopositionierung der Commercials


Die dritte Phase ist durch einen steigenden Goldpreis gekennzeichnet. Ziel ist es jetzt nicht mehr, den Goldpreis zu halten oder gar ihn zurückzuführen, sondern lediglich, ihn an einem zu schnellen Anstieg zu hindern. Aber auch die Versorgung des Marktes mit Zentralbankgold änderte sich. Bis 2001 hatten die Zentralbanken durch Verkäufe und Verleihungen laufend größere Mengen physischen Goldes auf den Markt gebracht und damit den Goldpreis gedrückt. Damit hatten sie sich aber auch in eine bedenkliche Situation gebracht: Sie hatten ein Mehrfaches des Jahresverbrauchs verliehen, eine Menge, die sie regulär kaum noch zurück bekommen konnten. Seit 2001 verkaufen sie deshalb in etwa so viel Gold, wie sie an verliehenem Gold zurückbekommen. Sie geben sich gewissermaßen das verliehene Gold selbst zurück. Effektiv gelangt damit seit Beginn der dritten Phase kein Gold mehr von den Zentralbanken auf den Markt. Der Preisanstieg seitdem geht damit einher.


Phase IV?

Seit 2008 stellt sich die Frage, ob wir uns in der finalen Phase der systematischen Goldinterventionen befinden. Im Zuge der Finanzmarktkrise kamen erstmals seit längerer Zeit im größeren Maße Zweifel an der Stabilität des Geldwesens auf. Ein Goldpreisanstieg konnte noch durch massive Engriffe verhindert werden. Es gab weit mehr starke Intraday-Schocks als in anderen Jahren. Doch was hat Gold mit der globalen Krise zu tun?

Die letzte Abbildung zeigt dazu für die ganze Welt die gesamte Verschuldung gegenüber der Wirtschaftskraft. Eingeschlossen sind nicht nur die Schulden der Staaten, sondern auch die der Privaten und der Unternehmen, denn auch sie müssen letztlich aus der Wirtschaftskraft bedient werden. Zudem hat die Finanzmarktkrise gezeigt, daß der Staat Schulden des Privatsektors direkt oder indirekt in die eigenen Bücher nehmen muß, um einen Kollaps zu verhindern.

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Abbildung 4: Gesamtverschuldung der Welt in Relation zum Weltsozialprodukt


Die Gesamtverschuldung der Welt hat sich in Relation zur Welt-Wirtschaftskraft seit den Sechziger Jahren mehr als verdoppelt. Klassischerweise kommt es am Ende von solchen Kreditblasen zum Kollaps, zum Schuldnerausfall. Das verhindern die Staaten heute in aller Regel, um stärkere Deflationen und Krisen zu vermeiden. Was dann kommen könnte, zeigt möglicherweise Japan, das bereits in den Neunzigern in einer ähnlichen Überschuldungs-Situation steckte wie heute die gesamte Welt. In Japan endete das in einem dekadenlangen Stillstand, aber immerhin nicht in einer Katastrophe (zumindest bisher).

Im günstigsten Fall ist sogar ein Herauswachsen aus den Schulden möglich, wie es Großbritannien nach dem Zweiten Weltkrieg gelang. Allerdings unterschieden die Bedingungen damals erheblich. Weltweit gelang außerdem seit Jahrzehnten zu keiner Zeit ein nennenswerter Rückgang des Schuldenstandes (selbst bei deutlich tieferem Niveau). Das führt uns zu einem weiteren Weg, den eine überschuldete Wirtschaft gehen kann. Er hängt mit dem Janusgesicht der Schuld ab: Die Schulden des Einen sind die verbrieften Forderungen des anderen. Falls die Inflationserwartung steigt, könnten sie in Umlauf geraten, was eine Art Flucht in Sachwerte darstellen würde. Aufgrund des großen Bestands an Forderungen ist das Nachfragepotential entsprechend groß und mit ihm die möglichen Preissteigerungsraten. Noch zeichnet sich ein solches Szenario nicht konkret ab. Wenn es aber dazu kommen sollte, würde Gold als nicht vermehrbares und nicht weginflationierbares liquides Anlagegut seine Vorteile ausspielen - es sind genau die selben, die seit 1993 die Zentralbanken zu Interventionen veranlassen.


© Dimitri Speck
www.geheime-goldpolitik.de



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