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Gold "Tapering" Hysterie

27.11.2013  |  Adam Hamilton
Nachdem Gold bereits in Bedrängnis war, erlitt das Edelmetall letzte Woche einen weiteren starken Absturz. Als das Protokoll des letzten Treffens der Federal Reserve vermuten ließ, dass die dritte Stufe des Anleihekaufrausches “in den kommenden Monaten” verlangsamt werden könnte, reagierten die Futures Spekulanten mit starken Verkäufen. Doch ihr extremer Gold Pessimismus ist völlig irrational, sie sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Straffung oder nicht, quantitative Lockerung bleibt äußerst bullisch für Gold.

Quantitative Lockerung (QE) ist der gut klingende Name für die massiven und so noch nie gesehenen Anleihe Ankaufprogramme der Fed in den letzten Jahren. Normale Investoren müssen, um Anleihen zu kaufen, zunächst das nötige Geld dafür auftreiben, indem sie etwas anderes verkaufen. Aber wenn Zentralbanken wie die Fed Anleihen kaufen, zaubern sie das Geld dafür aus dem Nichts hervor! Die Fed bezahlt den Anleiheverkäufer mit neuem Geld, das zuvor gar nicht existiert hat und welches dann umgehend ausgegeben wird.

Daher war während der gesamten Geschichte die harmlos klingende “quantitativen Lockerung” immer unter ihrem wesentlich unheilvolleren Namen Schuldenmonetisierung bekannt. Zentralbanken verwandeln sozusagen die Schulden ihrer jeweiligen Regierung in neues Geld, das ist pure Inflation. Regierungen “finanzieren” ihre exzessiven Ausgaben durch den Verkauf ihrer Anleihen an ihre Zentralbanken gegen frisch gedrucktes Geld, welches die Regierung direkt in die Wirtschaft leitet.

Das führt schließlich dazu, dass relativ gesehen mehr Geld gegenüber weniger Waren und Dienstleistungen verfügbar ist, was unweigerlich das allgemeine Preisniveau nach oben treibt. Es gibt nichts inflationärer wirkendes als die Monetisierung von Schulden durch Zentralbanken, daher ist dieses Vorgehen auch so unglaublich positiv für Gold. Aufgrund der natürlichen Begrenzung des Goldabbaus wächst das globale Goldangebot fortwährend deutlich langsamer als das endlose Angebot von Fiat Geld der Zentralbanken.

Die Federal Reserve geriet auf die schiefe Bahn der Schuldenmonetisierung Ende 2008. Sie hatte die Benchmark Zinssätze auf Null gedrückt, als Antwort auf die Jahrhundert Aktienpanik. Ohne also weitere, konventionelle Erleichterungen zur Verfügung zu haben, entschied sie sich, zum ersten Mal in ihrer Geschichte Geld zu drucken, um Schulden zu kaufen. Und jetzt, ganze fünf Jahre später, zeigt sie keine Anzeichen damit aufzuhören, trotz endloser dahingehender Versprechen.

Und tatsächlich ist das Geldangebot seitdem gestiegen. Zwischen Mitte Dezember 2008, als die Fed mit ihrer Null Zins Politik (NZP) begann, und heute ist die Geldmenge M1, also alle US Dollar Barbestände in Banknoten und Münzen plus Sichteinlagen, um 68% gestiegen! Deswegen sind sämtliche Gebrauchsgüter heute teurer als vor fünf Jahren. Es gibt wesentlich mehr Dollar, die den Waren und Dienstleistungen der Wirtschaft gegenüberstehen, was das Preisniveau deutlich bis extrem nach oben getrieben hat.

Das schließt auch den Goldpreis ein, das ultimative Inflations Barometer. In der Woche vor der Entscheidung der Fed, die Sparer mit der NZP zu bestrafen, wurde Gold bei etwa 800 USD gehandelt. Nur weniger Jahre danach kratze es an 1.900 USD und ist selbst heute wesentlich höher als in den Tagen vor QE. Während der Dauer von QE1 schoss Gold um 51% nach oben und in QE2 um weitere 25%. Dennoch ist Gold während QE3 eingebrochen.

Die Fed initiierte QE3, welche die größte Schuldenmonetisierung der Fed jemals werden wird, im September 2012. Am Tag zuvor wurde Gold bei etwa 1.730 USD gehandelt. Diese Woche, nur 14 Monate später, ist es um 28% gesunken im Verlauf von QE3. Liegt die Ursache für das grauenhafte Verhalten des Goldkurses während dieser dritten Phase daran, dass diese gar nicht inflationär ist? Keinesfalls. All das neu erschaffene Geld, das die Fed nutzt, um die Schulden zu monetisieren, bläst die Bilanz der Fed weiter auf.

Wenn die Fed Anleihen kauft, erscheinen diese als Anlagen in der Bilanz. Die Fed publiziert freundlicherweise wöchentlich umfangreiche Daten bezüglich ihrer Besitze, welche diese erste Grafik abbildet. Innerhalb der orange farbenen Gesamtbilanz werden diese Daten abgebildet. Die roten Staatsanleihen befinden sich oberhalb der gelben Hypothekenanleihen. Die auffallendste Sache an dieser Grafik ist das unglaubliche Wachstum der Bilanz der Fed während QE3.

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Im September 2012, kurz bevor die Fed mit der unvergleichbaren, unbefristeten dritten Offensive der quantitativen Lockerung begann, belief sich ihre Bilanz auf 2.798 Mrd. USD. Das war bereits sehr hoch, da es 2008 vor der Aktienpanik durchschnittlich etwa 875 Mrd. USD waren. Aber die Fed ließ sich von der Panik anstecken und griff gleich zu den schweren Geschützen, mit der NZP und anschließend QE in nur wenigen Monaten. Und die massive Schuldenmonetisierung der Fed hat seitdem kaum eine Unterbrechung erlebt.

Nachdem im letzten Dezember QE3 um die Monetisierung von Staatsanleihen erweitert wurde, hat die Fed Anleihen mit neu geschaffenem Geld in Höhe von erschreckenden 85 Mrd. USD pro Monat gekauft. Das hat die Bilanz der Fed auf 3.822 Mrd. USD in dieser Woche katapultiert, erschreckende 1.042 Mrd. USD oder 37% im bisherigen Verlauf von QE3! Ergibt es überhaupt einen Sinn, dass Gold in nur einem Jahr um 28% fällt, während die Bilanz der Fed um 37% gewachsen ist?

Absolut nicht! Die Sintflut von Verkäufen, die Gold dieses Jahr erleiden musste, ist außergewöhnlich und äußerst irrational angesichts dessen, was die Fed mit QE3 veranstaltet. Abgesehen von der anfänglichen Spitze während des Ausnahmezustands Ende 2008 ist die Bilanz der Fed nie so schnell gewachsen wie innerhalb des letzten Jahres. All das neue Geld, das sie herstellt, um Anleihen zu kaufen, lässt das Geldangebot explodieren, reine Inflation. Der Goldkurs sollte deutlich höher sein während dieser Zeit.

Dennoch ist genau das Gegenteil eingetreten, Gold ist gefallen während die Schuldenmonetisierung aufgeblüht ist. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass die US amerikanischen Futures Spekulanten so hysterisch auf die Fed reagieren. Anstatt zu beobachten, was diese tut, fixieren sie sich auf das, was sie sagt. Und während der gesamten kurzen Geschichte von QE3 hat die Fed sich geradezu überschlagen, um die Finanzmärkte zu überzeugen, dass QE3 bald enden wird. Jedes Mal wurden Gold Futures verkauft.

Dieser ganze Zirkus war von Beginn an eine lächerliche Farce. Nach dem Beginn von QE3 zum September Treffen 2012 hat die Fed das Ausmaß der dritten Stufe mehr als verdoppelt, um nur wenige Monate später im Dezember Staatsanleihen mit einzuschließen. Wie immer wurde ein Protokoll des Treffens des Offenmarktausschusses (Federal Open Market Committee, FOMC) drei Wochen später veröffentlicht, Anfang Januar. Das war das erste Mal, dass Gold in diesem Jahr einen Schlag einstecken musste im Zuge des endlosen Geredes über eine Reduzierung von QE3.

Während eben jenes Treffens, als QE3 nahezu einstimmig, mit 11 zu 1, ausgeweitet wurde, gab es bereits Diskussion über das Ende von QE3! Also verkauften die Futures Spekulanten aggressiv Goldkontrakte, in der richtigen Annahme, dass eine geringere Inflation in der Zukunft weniger positiv für Gold wäre. Doch seit der Veröffentlichung des ersten FOMC Protokolls in diesem Jahr ist das Thema, dass die Fed über den Zeitpunkt einer Reduzierung und schließlich Beendigung von QE3 debattiert, ein alter Hut.

Der Offenmarktausschuss der Fed trifft sich acht Mal im Jahr, also werden pro Jahr acht FOMC Erklärungen veröffentlicht, einige Wochen später gefolgt von dem Protokoll des jeweiligen Treffens. Dadurch gibt es etwa alle drei Wochen eine bedeutende Veröffentlichung der Fed. Und bei jedem Treffen, das der Ausweitung von QE3 auf Staatsanleihen folgte, diskutieren die Mitglieder weiter darüber, wie und wann sie QE3 beenden können. Das sollte niemals etwas von Dauer sein.




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