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Warum der Dax ein Pulverfass und wie die Amerikaner tricksen

04.05.2014  |  Manfred Gburek
Ein zuletzt unter Anlegern intensiv diskutiertes Thema dreht sich um die Frage: Wie kann es sein, dass der Deutsche Aktienindex Dax nicht unterzukriegen ist, obwohl er mindestens an vier Fronten angreifbar sein dürfte? Diese Fronten sind: 1. das Russland-Geschäft deutscher Unternehmen, das einzubrechen droht, 2. die drastische Yen-Abwertung, 3. der starke Euro auch im Vergleich zu anderen Währungen, der die deutschen Exporte - wie auch die aus anderen Euroländern - verteuert, 4. das durch den Besuch der Kanzlerin in den USA offen zutage tretende Zerwürfnis zwischen der Großmacht und dem von dieser als Satellit behandelten Deutschland.

Zusatzfrage: Reichen die vier Fronten aus, um Großanleger, auf die es in diesem Zusammenhang besonders ankommt, zu Aktienverkäufen zu veranlassen? Auf jeden Fall, aber dabei spielt der Zeitfaktor eine besondere Rolle: In welchem Ausmaß das Russland-Geschäft betroffen ist, wird sich ebenso erst mit Verzögerung herausstellen wie die Folgen der Yen-Schwäche für deutsche Konzerne, die negative Wirkung des starken Euros auf den Export der Euroländer insgesamt und die Kollateralschäden des kaum noch zu vermeidenden deutsch-amerikanische Konflikts im Gefolge von NSA-Affäre, Freihandelsabkommen und Ukraine-Krise.

Wobei der negative Yen-Effekt, mögen deutsche Konzerne sich noch so sehr gegen ihn geschützt haben, aus deren Sicht auf Dauer besonders schlimm sein dürfte. Warum, liegt auf der Hand: Die Abwertung von Japans einst bärenstarker Währung um sage und schreibe 35 Prozent in nur eineinhalb Jahren von Mitte 2012 bis Anfang 2014 kann nicht einfach spurlos an deutschen Schlüsselindustrien wie Automobil- oder Maschinenbau vorbei gehen.

Aber warum trennen sich dann deutsche und internationale Großanleger, die das Kursniveau entscheidend bestimmen, nicht schon längst massiv von Aktien aus dem Dax und dessen Subindizes? Darauf gibt es eine Vielzahl von Antworten, die ein Fondsmanager neulich für mich so auf den Punkt gebracht hat: "Meine Kollegen brauchen Performance. Trennen sie sich zu früh von Aktien, landen sie im Vergleich zu ihren Konkurrenten unter ferner liefen. Handeln sie zu spät, können sie wenigstens gewiss sein, dass es den anderen ähnlich ergeht." Daraus lässt sich schließen: Der Dax ist ein Pulverfass.

Der gegenüber anderen Währungen starke Euro könnte zum Pulverfass werden. Denn jetzt geraten die markigen Worte von EZB-Chef Mario Draghi aus dem Sommer 2012 (der Euro wird verteidigt, koste es, was es wolle) immer mehr zum Bumerang: Nach jenem Sommer schenkten internationale Großanleger dem Euro wieder zunehmend Vertrauen mit der Folge, dass er stieg und stieg. Das führte schließlich dazu, dass Unternehmen aus schwachen Euroländern (die Mehrheit) immer weniger konkurrenzfähig wurden. Was diese Unternehmen - einschließlich der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände - veranlasste, bei ihren Regierungen um Unterstützung zu bitten. Die machten daraufhin Druck auf die EZB, deren führende Köpfe jetzt auf Abhilfe sinnen, genaues Ergebnis offen. Jedenfalls bleiben die Geldschleusen weit geöffnet, das heißt, bei der extrem expansiven Geldpolitik wird es bleiben.

Von den eingangs erwähnten vier Fronten ist, was deren Auswirkungen auf die Aktienkurse betrifft, die mit dem Zerwürfnis zwischen Deutschland und den USA besonders schwer einzuschätzen. Dabei geht es wieder einmal um die Tricks der Amerikaner, mit denen sie versuchen, unser Recht auszuhebeln. Dieses Mal im Mittelpunkt: ein Gutachten der amerikanischen Kanzlei Rubin, Winston, Diercks, Harris & Cooke. Darin heißt es sinngemäß, bereits dann liege eine strafbare Handlung vor, wenn der deutsche NSA-Untersuchungsausschuss den Überläufer Edward Snowden dazu bringe, geheime Informationen preiszugeben.

Da stellt sich natürlich die Frage: strafbare Handlung nach wessen Recht? Nach amerikanischem, nach deutschem oder nach gar keinem Recht? Das ist Kriegführung mit juristischen Winkelzügen gegen einen wichtigen Partner - richtige Freunde waren wir nie. Dieser Partner, also Deutschland, kann immerhin in die Waagschale werfen, das entscheidende Bindeglied im neuen Ost-West-Konflikt und damit für die Amerikaner von einem gewissen Nutzen zu sein. Ob das allerdings ausreicht, um sich gegen die Winkelzüge durchzusetzen, bleibt äußerst fraglich.

Manchmal sind es Ereignisse am Rande, die zum Grübeln über die hohe Politik verleiten. Falls Sie am 29. April die empfehlenswerte ZDF-Sendung "Die Anstalt" verfolgt haben, wird es Ihnen wahrscheinlich so gegangen sein wie mir: Staunen über die Verflechtungen der Medien mit mehr oder weniger geheimen Organisationen, die sich nicht nur in die Politik einmischen, sondern diese auch zu großen Teilen bestimmen. Im Kreuzfeuer der "Anstalts"-Kritik: "Die Zeit"-Herausgeber Josef Joffe. Da behaupte noch jemand, dieses Wochenblatt sei neutral.

Da wir gerade beim Thema Medien sind: Am 16. April machte Mathias Döpfner, Chef des "Bild"-Konzerns Axel Springer, in einem umfangreichen offenen Brief seinem Herzen Luft. Aber nicht etwa in einem seiner Blätter, sondern in der konkurrierenden FAZ, was dem Ganzen zusätzlich Pfiff verlieh. Im Mittelpunkt: seine harsche Kritik am Springer-Kooperationspartner Google (kein Scherz) einschließlich Schlenker zur NSA-Affäre. Hier sind ein paar brisante Auszüge:

„Ein großer Anteil journalistischer Qualitätsmedien erhält seinen Traffic überwiegend via Google. Google braucht uns nicht. Aber wir brauchen Google. Wenn Google einen Algorithmus ändert, bricht bei einem unserer Tochterunternehmen in wenigen Tagen der Traffic um 70 Prozent ein. Das ist ein realer Fall. Wir haben Angst vor Google. Google definiert mit siebzig Prozent Weltmarktanteil die Infrastruktur im Internet. Auch wenn ein Angebot von Google weniger Besucher hat als das eines Wettbewerbers, erscheint es weiter oben, bis es irgendwann auch mehr Besucher hat. Das nennt man Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung. Seit Snowden die NSA-Affäre ausgelöst hat, seitdem sich die engen Beziehungen zwischen großen amerikanischen Online-Unternehmen und amerikanischen Geheimdiensten herumgesprochen haben, hat sich das gesellschaftliche Klima - zumindest in Europa - grundlegend geändert.“

Und nun? Döpfner sieht als eine Lösung des Problems die freiwillige Selbstbeschränkung von Google. Als andere schwebt ihm das Einschreiten der Politik vor. Wenn aber Online-Unternehmen mit Geheimdiensten kungeln, was kann man da von der Politik erwarten? Es sieht ganz danach aus, als könnte Google auch weiterhin ungestraft seine marktbeherrschende Stellung ausnutzen. Aus Anlegersicht nur allzu konsequent wäre dann der Kauf von Google-Aktien, auch wenn sie in den vergangenen Jahren schon kräftig in die Höhe geschossen sind.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu

Herr Gburek ist Fachjournalist und Buchautor. Seine letzten Werke waren: "Das Goldbuch" (2005), das Wörterbuch "Geld und Gold klipp und klar von A bis Z" (2007) und "Die 382 dümmsten Sprüche der Banker" (2008).



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