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Gold kontra Anleihen

11.01.2015  |  Manfred Gburek
Schon am kommenden Mittwoch erfahren wir Näheres zum Kauf von Staatsanleihen durch die EZB. Gut eine Woche später - am 22. Januar aus Anlass der nächsten Sitzung des EZB-Rats - erhalten wir eine geballte Ladung an geldpolitischen Informationen, mit denen wir als Anleger dann allerdings nicht mehr viel anfangen können, weil sie bis dahin von den Börsen weitgehend vorweggenommen sind.

Bekanntlich entscheidet am Mittwoch der Europäische Gerichtshof über Staatsanleihenkäufe. Dabei muss er den Spagat zwischen den Vorgaben des deutschen Bundesverfassungsgerichts und den Zwängen der EZB schaffen. Die Verfassungsrichter haben einiges gegen die Käufe. Der Spagat dürfte trotzdem gelingen, und zwar so: Bedenken gegen die Käufe werden formaljuristisch anerkannt, doch de facto gerinnen sie zu Fußnoten.

Weshalb ich Ihnen das schreibe? Weil es hier um den Kampf zwischen den Falken, also den Gegnern einer allzu legeren Geldpolitik, und den Tauben geht, die gern noch viel legerer als bisher mit dem Geld umgehen möchten und in der EZB das Sagen haben. Ein ungleicher Kampf allein schon deshalb, weil die obersten europäischen Richter sich nicht dem Vorwurf aussetzen wollen, mit einer zu strengen Entscheidung gegen Staatsanleihenkäufe die ohnehin bröckelige Eurozone zum Einsturz zu bringen.

Darüber gerät in der öffentlichen Debatte vorübergehend sogar der Grexit in den Hintergrund, der noch vor wenigen Tagen heiß diskutierte mögliche Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Aber eben nur vorübergehend, denn am 25. Januar werden die Griechen zur Wahlurne gehen und möglicherweise links wählen, woraufhin die Grexit-Diskussion von Neuem losgehen würde.

In diesem Kuddelmuddel neigen die meisten Anleger zum Abwarten, was nur allzu verständlich ist. Es kann indes nicht schaden, sich bereits jetzt die Konsequenzen auszumalen. Dazu die folgenden Fragen: Wie werden sich die Zinsen entwickeln? Droht eine Deflation? Können die Aktienkurse ihr jetziges Niveau halten oder sogar überschreiten? Schlägt der Goldpreis und mit ihm der Silberpreis endlich den Weg nach oben ein?

Was die Zinsen angeht, haben mich die Ergebnisse einer aktuellen FAZ-Umfrage bei Bankern nachdenklich gestimmt. Denn deren Mehrheit erwartet in diesem Jahr die Zinswende. Das hieße in Bezug auf zehnjährige Bundesanleihen, dass ihre Renditen vom derzeitigen Niveau - sie pendeln gerade um 0,50 Prozent - auf 1,10 Prozent steigen würden. Der Finanzminister müsste also mehr doppelt so hohe Zinsen berappen und die schwarze Null endgültig begraben, ja purzelnde Anleihenkurse könnten einen Schock auslösen.

Dann käme die Diskussion über die angeblich drohende Deflation zum Erliegen. Sie wurde zuletzt neu angefacht, als die Inflationsrate der Eurozone mit 0,2 Prozent ins Minus rutschte. Lässt man die dazu gehörenden volkswirtschaftlichen Aggregate gegeneinanderlaufen, ist allerdings zu ermessen, dass das Minuszeichen im Jahresverlauf vom Plus abgelöst wird. Wann, hängt von den Reaktionen der Märkte auf die EZB-Geldpolitik ab, aber auch von externen Einflussfaktoren, wie etwa vom weiteren Verlauf des neuen Kalten Kriegs oder von der Entwicklung des Ölpreises.

Davon abhängig sind ebenfalls die Aktienkurse. Starke Schwankungen sind hier so gut wie programmiert. Dazu eine naheliegende Überlegung: Steigende Anleihenrenditen (siehe oben) bedeuten fallende Anleihenkurse; das ist finanzmathematisch unumstößlich. Dann ist die Frage berechtigt: Werden Anleger in diesem Fall aus Anleihen fliehen, oder werden sie einfach nur ein Wechselspiel mit Kurz- und Langläufern treiben?

Und in Bezug auf Aktien: Sind steigende Anleihenrenditen immer Gift für die Kurse der Aktien, weil sie mit deren Dividendenrenditen konkurrieren, oder schichten Anleger dann ihr Geld aus Anleihen in Aktien um, weil sie den Sachwertcharakter der Aktien schätzen? Der letzte Teil der Überlegung setzt voraus, dass Aktien aufgrund ihrer Substanz unter anderem vor Inflation schützen, die üblicherweise mit dem Anstieg der Anleihenrenditen und dem Rückgang der Anleihenkurse einhergeht.

Ganz schön kompliziert, werden Sie jetzt wahrscheinlich reagieren, geht es denn nicht einen Tick einfacher? Versuchen wir es: Die EZB wird alles unternehmen, um aus der Inflationsrate von minus 0,2 Prozent das von ihr seit Langem angestrebte Ziel von etwas unter plus 2,0 Prozent zu machen. Mit der Euro-Abwertung ist ihr das ja schon zum Teil gelungen, nur dass das Ergebnis dieser Maßnahme, eben mehr Inflation, nicht so schnell sichtbar wird.

Sobald die Inflation wieder nachhaltig ein Plus erreicht, wird sie nicht mehr zu halten sein, nicht bei 2,0 Prozent und erst recht nicht, wenn sie höhere Sphären erreicht. Dann wird das internationale Misstrauen in Euro-Anleihen derart zunehmen, dass Anleger ihr Geld aufgrund der Inflationserwartung lieber in Aktien anlegen werden, vorausgesetzt, deren Kurse erreichen zwischenzeitlich ein akzeptables Kaufniveau.

Für Gold - und auch für Silber - gelten etwas andere Überlegungen. Hierzu zitiere ich zunächst den Anlagestrategen Markus Mezger, Referent auf der Edelmetall- & Rohstoffmesse: "Im Gegensatz zu anderen Finanzanlageklassen steht bei Gold nicht eine hohe nominale Rendite, sondern seit vielen Jahrhunderten die Vermögenssicherung im Vordergrund. Das Edelmetall ist attraktiv, wenn der Preis im Verhältnis zu anderen Anlageklassen relativ zurückgeblieben ist und bei diesen signifikante Vermögensverluste drohen." Nebenbei bemerkt: Mezger hat auch im Messemagazin einen lesenswerten Beitrag geschrieben. Sie können das Magazin bei goldseiten.de bestellen.

Ohne Zweifel drohen, sobald das Zinsniveau steigt, Vermögensverluste bei Anleihen, den größten Gegenspielern des Goldes. Allein schon Inflationserwartungen reichen aus, um Anleihenkurse fallen zu lassen. Aber wie steht es da um die mit fallenden Kursen der Anleihen steigenden Renditen? Sprechen höhere Renditen nicht gerade gegen das zinslose Gold?

Gegenfrage: Reichen die Renditen, falls die EZB ihre Nullzinspolitik fortsetzt, bei der angestrebten höheren Inflation aus, damit unter dem Strich (also nach Abzug der Inflationsrate) ein reales Plus herauskommt? Eher nicht, und genau das denken jetzt all die Anleger, die den in letzter Zeit auffallend auf Erholungskurs befindlichen Goldpreis zum Kauf nutzen. Tun Sie es auch, am besten sukzessive!

Vor einer Woche habe ich hier einige interessante Minenaktien erwähnt. Zu diesem Thema passt noch der Hinweis auf den Minenkompass des Spezialdienstes silberjunge.de mit sehr vielen Kennzahlen und Charts, Schwerpunkt Silberminen. Wer den Investmentkompass aus demselben Haus abonniert hat, erhält den Minenkompass gratis dazu. Viel Glück auch mit Ihrer Minenspekulation! Aber ich möchte nochmals betonen: nur für Anleger mit starken Nerven geeignet.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu


Herr Gburek ist Fachjournalist und Buchautor. Seine letzten Werke waren: Außer diversen Börsenbüchern schrieb er: "Das Goldbuch", das Wörterbuch "Geld und Gold klipp und klar von A bis Z", "Die 382 dümmsten Sprüche der Banker" und zuletzt das Ebook "Ach du liebes Geld!".



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