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USA isoliert im Widerstand gegen Chinesische Asienbank

03.04.2015  |  John Browne
Während Chinas Wirtschaftsmacht in den letzten Jahrzehnten exponentielles Wachstum zu verzeichnen hatte, zeigten sich viele Beobachter überrascht, dass das Land immer noch recht gewillt sei, in den vom Westen dominierten finanz- und wirtschaftspolitischen Rahmenwerken zu agieren.

Jetzt dürfte aber restlos klar geworden sein, dass Peking eben langsam, bewusst und ruhig seine eigene Agenda vorantreibt. Der Aufbau der Asiatischen Infrastrukturinvestmentbank (AIIB) ist ein ganz besonderes Beispiel dafür. Das unter chinesischer Führung stehende Kreditinstitut könnte zum internationalen Konkurrenten der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds aufsteigen.

Mit einer solchen Institution könnte Peking seinen politischen Interessen Nachdruck verleihen, indem es die für die Schwellenländer so entscheidenden Infrastrukturkapitalflüsse kontrolliert. Wie wir alle wissen, lässt sich Loyalität häufig kaufen.

Aktuell werden die regionalen Infrastrukturkredite noch von der Asiatischen Entwicklungsbank (AsEB) vergeben, die nach dem Vorbild der Weltbank strukturiert ist. Gegründet im Jahr 1960 mit Hauptsitz in den Philippinen wird die AsEB von einem Japaner geführt, der über die 25%ige Stimmmacht des Blocks USA/ Japan verfügt; im Vergleich dazu sind Chinas 6% verschwindend gering.

Wie die Zahlen der Weltbank von 2013 aber zeigen, haben nur noch die USA ein größeres nationales BIP als China (USA 16,8 Billionen $, China 9,2 Billionen $; von Vergleich ausgenommen ist die Europäische Union mit 17,5 Billionen $). Es müsste also klar gewesen sein, dass China solche Regulierungen nicht ewig dulden würde.

Unter Führung Chinas und Indiens wurde dann letzten Oktober die AIIB gegründet, zusammen mit weiteren 19 Staaten Asiens und des Nahen Ostens. Die Bank wurde mit einem Startkapital von über 50 Mrd. $ ausgestattet.

Die Vereinigten Staaten zeigten sich verärgert, da dieser Schritt als klare Bedrohung der eigenen, von Japan und Europa gestützten, Vorrangstellung wahrgenommen wurde. Zudem bearbeitete man die eigenen Reihen, damit es keine Beitritte von alliierter Seite gäbe. Australien, Japan und Südkorea - engste Verbündete der USA - glänzten während der feierlichen Einweihung der AIIB mit ihrer Abwesenheit.

Seitdem sich China aber zu Einräumung von Vetorechten entschloss, scheinen einige westliche Interessen ihre Oppositionshaltung zu überdacht zu haben.

Der große Durchbruch kam Mitte März, als sich das Vereinigte Königreich (trotz der “besonderen“ Beziehung zu den Vereinigten Staaten) zum Beitritt entschloss. Dieser Schritt bewegte wiederum andere mächtige EU-Nationen, darunter Deutschland, Frankreich und Italien, zum schnellen Beitritt. Am 26. März trat dann sogar Südkorea bei und ließ die Gesamtmitgliederzahl auf 37 Nationen steigen, darunter 9 nichtregionale Länder.

Dieser deutliche Schritt, mit dem Chinas Anstrengungen zur regionalen Machtausweitung unterstützt werden, hinterließ eine deutlich isolierte US-Nation.

In Reaktion auf die Unterstützung der AIIB durch London sagte ein offizieller Sprecher der US-Regierung gegenüber der Financial Times: “Wir sind eher misstrauisch gegenüber dem Trend ständiger Zugeständnisse gegenüber China, da es nicht der beste Weg ist, einer aufsteigenden Macht zu begegnen. “

Das Ausmaß der Unterstützung für die AIIB könnte ein weiterer Schritt in Richtung einer “De-Dollarisierung“ sein, die, so vermuten viele, das Endspiel für die chinesische Wirtschaftspolitik sei.

Der Verlust des internationalen Reservewährungsstatus würde den USA auch die Fähigkeit nehmen, praktisch weltweit Zinssätze vorzugeben und anscheinend unendliche Fiat-Dollarmengen zu schöpfen, ohne dass diese an freien Märkten zu finanzieren.

Die Asiatische Infrastrukturinvestitionsbank ist ein weiteres Indiz dafür, dass die 'alte' Ordnung der Dollar-Hegemonie ihrem Ende zugeht und wahrscheinlich durch eine chinesisch dominierte Währung ersetzt wird, die vielleicht sogar eine Goldkopplung haben könnte.

Nach Aussagen der Asiatischen Entwicklungsbank (AsEB) gäbe es in Asien eine 8 Billionen $ große Infrastrukturlücke, Investitionen in diesen Bereichen brächte sogar echtes Wirtschafts- und Vermögenswachstum. Allerdings fürchten die Japaner, dass China versuchen würde, andere asiatische Staaten durch den Bau strategischer Pipelines, Zugstrecken und Straßen an sich zu binden oder gar zu annektieren. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird China die neu gegründete AIIB genau dafür nutzen.

Unter der Präsidentschaft Obamas scheinen die USA an vielen Fronten geschwächt worden zu sein, auch in Verteidigungs- und monetären Angelegenheiten. Eine noch dazu scheinbar unfähige Außenpolitik Obamas hat schon jetzt zu einer veränderten Haltung der deutschen Kanzlerin Merkel in der Ukrainefrage geführt, die auch auf einen möglicherweise schädlichen Bruch in der überwichtigen und langjährigen Nato-Allianz hindeutet.

Durch dem öffentlichen (aber letztendlich ineffektiven Druck) auf die Alliierten - mit dem Ziel die Offerten der AsEB abzulehnen -, hat Obama ein neues Niveau wachsender diplomatischer wie geldpolitischer Schwäche erreicht.

Die Wende Großbritanniens hat die Obama-Administration augenscheinlich verärgert. Patrick Ventrell, Sprecher des National Security Council, sagte CNN Money gegenüber, das Weiße Haus hätte “Bedenken", inwieweit die AIIB “den hohen Standards bezüglich Regierungsführung, Umweltschutz und soziale Sicherung“ gerecht werden könne. Er fügte hinzu: “Dies ist die souveräne Entscheidung Großbritanniens. Wir hoffen und erwarten, dass Großbritannien seine Stimme für die Einführung hoher Standards geltend machen wird."

In anderen Artikel hatten wir immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass China wahrscheinlich den US-Dollar durch eine eigene Version einer internationalen Reservewährung ersetzen möchte. Zweifellos möchte China in den Genuss der enormen Finanz- und Wirtschaftsprivilegien sowie der Macht kommen, die einer Nation durch die Kontrolle einer solchen Währung zuteilwerden.

Allem Anschein nach schreitet die De-Dollarisierung langsam aber sicher voran; die Bildung der AIIB ist dahingehend nur ein Schritt - allerdings ein wichtiger und vielbeachteter.

Sollte der US-Dollar letztlich seinen Reservestatus verlieren, hieße das nichts Gutes für alle, die Dollar und in Dollar denominierte Anlagen besitzen. Schlimmer ist, dass die USA ihre fast totale Kontrolle über alle globalen Geldangelegenheiten verlieren werden, die sie seit Bretton Woods 1944 genießen. Folglich könnte die aktuelle Phase extremer Dollar-Zuversicht rückblickend als eine Phase gefährlicher Täuschung und absichtlicher Ignoranz bezüglich globaler Prozesse gelten.


© John Browne
Senior Market Strategist


Der Artikel wurde am 31.03.2015 auf www.safehaven.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.



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