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Interview: Jim Rogers zu Gold und dem Stellvertreterkrieg zwischen Russland und den USA

16.10.2015  |  James West
Jim Rogers, Rohstoff-Investmentlegende und Mitbegründer des gemeinsam mit George Soros ins Leben gerufenen Quantum Fund, sprach mit uns in einem Telefoninterview über den Stellvertreterkrieg zwischen den Vereinigten Staaten und Russland, der zur Zeit an den zwei Fronten in Syrien und der Ukraine ausgetragen wird, und darüber, warum diese Eskalation für die kränkelnden Rohstoffmärkte vielleicht wie Medizin wirkt.


Vollständige Transkription des Interviews:

James West: Mr. Rogers, vielen Dank, dass Sie heute bei uns sind.

Jim Rogers: Es ist mir eine Freude.

James West: Mr. Rogers, Ihre Prognosen für die globale Rohstoffbranche sind der Stoff, aus dem Legenden entstehen. Wie werden die geopolitische Instabilität und der Konflikt in Syrien die Rohstoffmärkte weltweit beeinflussen, jetzt, da Russland in die Auseinandersetzung eingetreten ist?

Jim Rogers: Nun, ich sage Ihnen, die Situation im gesamten Nahen Osten ist einfach unfassbar. Ich kann mich nur an wenige Zeiten in der Geschichte entsinnen, in denen so viele Menschen zur gleichen Zeit an der Entstehung eines so absoluten Chaos beteiligt waren. Es ist ja nicht so, als würden nur ein oder zwei Personen im Nahen Osten Fehler machen. Es müssen Dutzende sein, die Fehlentscheidungen treffen, und unglücklicherweise kommen sie einander immer näher.

Ich muss erst einmal in Ruhe darüber nachdenken, wie das am Ende ausgehen wird, denn es sieht sieht aus, als könnte es sehr, sehr böse für uns alle enden. Kriege beginnen, wenn Bürokraten Fehler machen und andere Bürokraten auf diese Fehler reagieren. Bevor man sich versieht, sind neun oder zehn Bürokraten bereits dabei, 18-jährige Kinder loszuschicken, damit sie sich gegenseitig umbringen. Die gegenwärtigen Entwicklungen sind wirklich sehr beunruhigend.

Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Krieg nützt nichts und niemandem, außer den Rohstoffen. Ich sage nicht, kaufen Sie Rohstoffe, denn niemand kann wollen, dass ein Krieg ausbricht. Doch falls es soweit kommen sollte, bedeutet das im Normalfall, dass die Preise steigen werden.

James West: Okay. Joe Biden warf kürzlich den Gedanken auf, dass die Vereinigten Staaten und Russland in Syrien faktisch einen Stellvertreterkrieg führen. Gleichzeitig beobachten wir einen Anstieg der Preise für Öl und Gold, zwei Rohstoffe, die geopolitische Instabilitäten üblicherweise durch höhere Kurse widerspiegeln. Würden Sie sagen, dass die aktuelle Situation in Syrien bereits einen Stellvertreterkrieg zwischen Russland und den USA darstellt?

Jim Rogers: Nun, sagen wir, dass es so ist. Mit Sicherheit entwickelt sich dort gerade ein Krieg. Die Frage ist, wer eigentlich wen bombardiert, unsere Leute kämpfen gegen den IS, der IS kämpft gegen alle...es ist einfach nur der reinste Wahnsinn. Es ist gar nicht entscheidend, ob es sich um einen Stellvertreterkrieg, einen Bürgerkrieg oder den Beginn eines Krieges handelt - die Situation wird zu einem immer unüberschaubarerem Problem für uns alle. Und ich verstehe einfach nicht, warum. Für wen führen wir diesen Stellvertreterkrieg? Und für was? Wozu brauchen wir diesen Krieg? Warum mischen wir uns in Syrien ein? Warum interessiert sich überhaupt jemand für den Krieg in Syrien? Wenn sie sich gegenseitig umbringen wollen, dann sollen sie das doch tun. Was geht und das an? Oder die Russen?

James West: Von anderer Seite wurde die Idee geäußert, dass hinter der Einmischung Russlands in den syrischen Konflikt eine politische Taktik steckt, mit der die Russen einen für sie günstigen Ausgang eines anderen Konfliktes herbeiführen wollen, nämlich indem sie die USA dazu bringen, ihre Positionen in der Ukraine stillschweigend hinzunehmen. Anders gesagt sollen die Vereinigten Staaten vor den russischen Operationen in der Ukraine die Augen verschließen, wenn sie dafür das Versprechen erhalten, dass Russland sich aus Syrien zurückzieht. Was denken Sie darüber?

Jim Rogers: Nun, wir können alle möglichen Ideen vorbringen, und einige davon sind vielleicht gar nicht schlecht, aber das Problem für uns Amerikaner ist, dass wir die Situation in der Ukraine ausgelöst haben, wissen Sie. Genauso wie die Entwicklung in Syrien. Jetzt sterben deswegen Menschen und es kostet uns ein Vermögen und ich hoffe sehr, dass jemand einen Weg findet, wie wir aus diesem Schlamassel wieder herauskommen. Die Situation in beiden Ländern ist purer Irrsinn und es geht uns eigentlich überhaupt nichts an.

Warum führt irgendeine Bürokratin in Washington - wie war ihr Name, Victoria Nuland? - die Welt in einen Krieg, in dem so viele Menschen ihr Leben verlieren und so gewaltige Geldsummen verschwendet werden? Das ist mir unbegreiflich, genauso wie die Tatsache, dass wir uns in Syrien einmischen. Wen interessiert es denn? Sollen die Bürokraten ihre Kämpfe doch untereinander austragen, wenn es unbedingt sein muss, solange wir nicht dafür zahlen müssen.

James West: Sicher. Wenn wir diesen Gedanken weiterspinnen, würden Sie zustimmen, dass der amerikanischen Bürokratie ein Stellvertreterkrieg in Syrien als Ablenkung vielleicht ganz gelegen kommt, weil sie so die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von der Tatsache ablenken kann, dass die Politik ihre Strategien zur Verbesserung der Wirtschaftslage bereits so ziemlich ausgeschöpft hat? Der Krieg kommt ja dem Rohstoffsektor zu Gute, also ist er gut für die öffentliche Meinung bezüglich der Wirtschaftspolitik. Denken Sie, das ist ein realistischer Standpunkt?


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