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Es riecht nach Rezession

06.03.2016  |  Manfred Gburek
Machen Sie sich auf zwei vor uns liegende spannende Wochen gefasst. Am 10. März muss die EZB zu ihrer kommenden Geldpolitik endlich Farbe bekennen. Am 16. März gilt das auch für ihre große Schwester Fed in den USA. Und für denselben Tag ist die Veröffentlichung der amerikanischen Inflationsrate sowie der Industrieproduktion angesagt. Allesamt also große Kaliber, die sich deutlich auf die weitere Börsenentwicklung auswirken werden.

Die EZB wird ihrer Linie treu bleiben und nochmals auf Expansion setzen. Dazu dürfte neben der weiteren Senkung des Einlagenzinssatzes für Banken vor allem die Ausdehnung der Anleihenkäufe gehören. Das Ziel dieser Maßnahmen soll darin bestehen, dass Banken endlich mehr Kredite vergeben, damit die Konjunktur in Schwung kommt und die Inflationsrate in Richtung 2 Prozent nach oben geht. Beide Maßnahmen wären nicht gerade aufregend, weil sie im Rahmen der allgemeinen Erwartungen liegen. Also wird sich EZB-Chef Mario Draghi noch etwas anderes einfallen lassen, um für einen Überraschungseffekt zu sorgen. Ihm ist alles zuzutrauen, sodass es keinen Sinn macht, schon jetzt darüber zu spekulieren.

Die beiden Ziele, Stimulanz für Konjunktur und Inflation, werden nicht so schnell zu erreichen sein. Denn zum einen bedeutet mehr Kreditvergabe längst noch nicht, dass die Konjunktur von heute auf morgen anspringt. Die Pferde - Unternehmen im weiteren Sinn - wurden zur Tränke geführt, saufen müssen sie selbst, hieß es früher aus ähnlichem Anlass. Zum anderen ist das Inflationsziel unter Ökonomen derart umstritten, dass man sogar in der EZB heftig über seine Modifikation diskutiert. Das ist nicht weiter verwunderlich bei aktuell 0,2 Prozent Inflationsrate; und auch wenn man die Kernrate (ohne Lebensmittel- und Energiepreise) in Höhe von derzeit 0,7 Prozent heranzieht, erscheinen 2 Prozent auf absehbare Zeit noch nicht erreichbar.

Die europäischen Banken werden bis auf Weiteres in erster Linie mit sich selbst beschäftigt sein. Die Geschäftsmodelle der meisten von ihnen sind nicht mehr tragfähig: Die Folgen des antiquierten, nicht überlebensfähigen Modells, alles unter einem Dach anzubieten, erinnern an das Schicksal der Warenhäuser Karstadt und Kaufhof. Nur dass es sich bei den Banken nicht um das Modell Ware gegen Geld handelt, sondern allein um Geld, und das in allen erdenklichen Varianten. Ein untrügliches Indiz für den Niedergang des traditionellen Bankwesens ist das Schrumpfen der Zinsspannen - mit der fatalen Begleiterscheinung, dass im Fall einer drohenden Bankenpleite die EZB einschreiten muss, dass also Verluste - letzten Endes zulasten der Steuerzahler - sozialisiert werden.

Der amerikanischen Fed geht es nicht besser als der EZB, nur dass sie weniger Probleme mit den Banken als mit sich selbst hat. Die Metapher von den Pferden, die nicht saufen wollen, ist jenseits des Atlantiks zwar berechtigt, aber unter anderen Voraussetzungen. Das lässt sich anhand von zwei Trends besonders deutlich erkennen. Erstens: Die Fed befindet sich in der Zinsfalle.

Das heißt, sie hat mit der letzten Zinserhöhung zu lange gezögert, sodass der Spielraum für Zinssenkungen zur Belebung der Konjunktur nur minimal ist. Zweitens: Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen sinken kräftig. Das ist ein untrügliches Zeichen für die beginnende nächste Rezession, wie eine Konjunkturflaute verniedlichend genannt wird. Achten Sie in diesem Zusammenhang auch auf wichtige Signale zur US-Konjunktur, wie am vergangenen Freitag die Daten zum Arbeitsmarkt.

Auf beiden Seiten des Atlantiks beginnt nun das große Rätselraten, wo denn wohl die Rezession eher beginnt. Pragmatisch betrachtet, ist das allerdings egal. Denn die Volkswirtschaften Europas und Amerikas, Chinas, Japans und so weiter sind bereits derart miteinander verflochten, dass eine innerhalb weniger Monte eine andere oder sogar mehrere nach unten - und im positiven Fall nach oben - ziehen kann.

Achten Sie jetzt wegen der hier beschriebenen Konstellation, die nach Rezession riecht, zunehmend auf den Dollar und noch mehr als bisher aufs Gold. Beide verhalten sich einerseits zueinander wie Feuer und Wasser, während sie andererseits als sichere Häfen gelten, wenn es an den Börsen mal wieder so richtig kracht. Doch es handelt sich nur um einen scheinbaren Widerspruch. Denn entscheidend sind die Zeitläufte, ob gerade der Dollar oder das Gold favorisiert ist; von Fall zu Fall verlaufen ihre Kurven sogar parallel. Und jetzt ist fraglos das Gold an der Reihe.

Der Dollar wird eher dann als sicherer Hafen wahrgenommen, wenn zum Beispiel immer mehr Erdöl nachgefragt wird, das in Dollar bezahlt werden muss, oder wenn ein größerer Krieg droht. Gold dagegen, wenn etwa die internationale Schuldenwirtschaft auf einen neuen Gipfel zustrebt oder wenn das zinslose Edelmetall, wie derzeit besonders deutlich zu beobachten, zunehmend von von breiten Anlegerschichten als Antipode zum negativ verzinsten Papiergeld bevorzugt wird.

Früher fiel es den Zentralbanken relativ leicht, gegen Rezessionen vorzugehen. Da waren die Zinsen meistens so hoch, dass sich als erste Maßnahme eine Senkung geradezu aufdrängte, und schwuppdiwupp war der erste Schritt zur Bekämpfung der Rezession getan. Flankiert wurde er in der Regel vom Deficit Spending, wie man die staatliche Verschuldung zugunsten der Konjunkturbelebung nennt. Und heute?

Sollen die aktuell negativen Zinsen etwa noch zweistellig werden? Oder sollen sich die Staaten weiter grenzenlos verschulden? Stellt man sich solche Fragen, wird klar, dass wir es heute mit ganz anderen Verhältnissen zu tun haben als früher. Das Schlimme daran: Niemand kennt eine Antwort, niemand hat auch nur annähernd eine Lösung für das Problem, wie die Wirtschaft in Schwung zu bringen ist.

Folglich wird weiter herumgewurstelt. EZB-Präsident Mario Draghi wird am 10. März ein Kaninchen aus dem Hut zu zaubern versuchen, Fed-Chefin Janet Yellen sechs Tage später ebenfalls. Am 13. März werden drei Landtagswahlen in Deutschland für neue politische Verhältnisse sorgen. Derweil wird Kanzlerin Angela Merkel weiterhin für eine gesamteuropäische Lösung des Flüchtlingsproblems kämpfen und dabei fortgesetzt auf Widerstand stoßen.

Fazit: Halten Sie an Ihrer Anlagepolitik mit dem Schwerpunkt Gold fest (Silber inbegriffen), rechnen Sie nun aber - bei anhaltendem Trend nach oben - mit stärkeren Preisschwankungen beider Edelmetalle. Halten Sie Liquidität in Form von Tagesgeld für spätere Aktienkäufe vor, sobald die Kurse stärker eingebrochen sind, verfolgen Sie den Dollar und die Entwicklung an den relevanten Märkte so gründlich, wie es Ihre Zeit zulässt. Es wird sich auszahlen.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu


Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.



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