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Gold, Inflation und dazu ein Schuldenturbo

13.11.2016  |  Manfred Gburek
Die Nerven der Gold- und Silber-Anleger wurden in den vergangenen Tagen arg strapaziert: Erst am frühen Mittwoch Preissprung aufwärts, nachdem Donald Trump die US-Wahl gewonnen hatte, bereits kurz darauf Preisverfall, und das bei steigenden Kursen der Minenaktien, dann am Freitag beide Edelmetalle einschließlich Minenaktien abwärts. Dabei erwischte es vor allem solche Aktien (prozentual zweistellig abwärts), deren Kurse zuvor besonders kräftig gestiegen waren, wie Gold Resource, Harmony, Silver Standard und Anglogold - Gewinnmitnahmen, solange es noch etwas zu gewinnen gab.

Derweil fand ein Mal mehr der Gold-Ausverkauf über den Terminmarkt Comex statt. Dort soll ein Verkaufsauftrag vonseiten der Commercials (kommerzielle Goldhändler) in Höhe von nur 8 Tonnen Termingold (also nicht physisch) dafür ausschlaggebend gewesen sein. So etwas lässt zwar an den Marktkräften zweifeln und Verschwörungstheorien aufkommen, aber passiert ist passiert. Anlass genug, den Dingen aus einer Perspektive jenseits der aktuellen Marktkräfte auf den Grund zu gehen. Dies schon mal vorab: Solange die Nerven Ihnen keinen Strich durch die Rechnung machen und Sie, statt Ihre Schätze in Panik zu verkaufen, weiter auf Gold und Silber setzen, werden Sie in den kommenden Monaten und Jahren reichlich belohnt.

Kann es aus Anlegersicht schon wenige Tage nach der US-Wahl wichtige Erkenntnisse geben? Oh ja, und wie! In geraffter Form und nicht allein Amerika betreffend:

Höhere Staatsverschuldung, bei der die Notenbanken indirekt mitmachen; zunehmender Protektionismus, unter dem exportlastige deutsche Konzerne leiden werden; starker Dollar, der dieses Leiden halbwegs erträglich machen dürfte; in den nächsten drei bis vier Jahren unter größeren Schwankungen per Saldo steigende Aktienkurse, wobei Aktien von deutschen Unternehmen mit hohem Exportanteil allerdings eher zur Schwäche neigen werden; zunehmende Inflation, die das Vertrauen in Geldwerte, wie Anleihen, Rentenfonds oder kapitalbildende Lebensversicherungen, immer mehr untergraben wird; weiterhin hohes Preisniveau der meisten Rohstoffe, wodurch die Inflation zusätzlichen Auftrieb erhält; Wiederentdeckung von Gold und Silber einschließlich Minenaktien durch Großanleger, im Wesentlichen zurückzuführen auf die um sich greifende Inflation.

So weit die Quintessenz dessen, was ich zusätzlich zum Studium der Rechercheergebnisse von Forschungsinstituten und Medien an Erkenntnissen aus Dutzenden von Gesprächen mit Europäern und Amerikanern gewonnen habe. Einige Punkte erscheinen mir besonders kommentierenswert. Zum Beispiel dürften die amerikanischen Schulden durch die Decke gehen, sobald das vom Wahlsieger Donald Trump angekündigte Programm zur Verbesserung der Infrastruktur erste Konturen annimmt. Dann mag die US-Notenbank mit Zinserhöhungen oder sonstigen geldpolitischen Maßnahmen noch so sehr dagegenhalten (falls sie sich überhaupt traut), es wird nichts nützen. Im Zweifel wird sie lieber nur mit Worten statt mit Taten kämpfen.

Denn, so sagte mir einer von meinen amerikanischen Netzwerkern, aus Sicht seiner Landsleute werden Schuldenprobleme bei Weitem nicht so ernst genommen wie in Deutschland. Und er fügte hinzu: "Richtig in Gang gekommen ist unsere Wirtschaft ja immer noch nicht." Amerikaner neigen halt zum Pragmatismus; dazu gehören auch ausufernde Schulden, Hauptsache, die Wirtschaft kommt in Schwung.

Und dann gibt es noch einen Punkt, der zumindest in der ersten Hälfte von Trumps vierjähriger Regierungszeit geradezu einen Schuldenturbo mit sich bringen dürfte: Steuersenkung für Unternehmen. Falls es dazu kommt, sind die Folgen absehbar, unter anderem: Rückführung von im Ausland gebunkerten Dollarbeständen der Unternehmen und dadurch ein im Vergleich zu anderen Währungen starker Dollar - was exportintensiven deutschen Unternehmen zum Trost einen Ausgleich für die von ihnen erlittenen Nachteile aus der amerikanischen Protektion (beispielsweise wegen höherer Zölle) nach sich ziehen würde.

Nun aber zu weiteren Folgen für die Geldanlage, beginnend mit der naheliegenden Frage: Wenn die Inflation wie beschrieben so offensichtlich um sich greifen wird, warum schießen dann neben den Schulden nicht gleich auch die Preise von Gold und Silber durch die Decke? Nach ihrer rasanten Erholung im ersten Halbjahr haben sie seit Jahresmitte enttäuscht. Im Gegensatz dazu sind die Preise von Industriemetallen wie Zink und Nickel weiter gestiegen, und seit einer Woche ist auch der Kupferpreis nach oben geschossen. Klare Antwort: Die Zeit wird es richten.

Inflation ist indes so komplex, dass diese Antwort allein ihr natürlich nicht gerecht wird. Beginnen wir mit dem Basiseffekt (verzögerte Auswirkung einer Trendwende), der sich in Sachen Ölpreis ja bereits entfaltet: Dessen Anstieg seit fast einem Jahr schlägt auf die aktuelle Inflation durch. Diese ist aus dem Keller gekrochen und beträgt derzeit in Deutschland 0,8 Prozent. Die Analysten von Feri rechnen für das nächste Jahr mit 1,5 Prozent (Euroraum 1,4 Prozent). In Großbritannien erwarten sie dann 2,9 Prozent, in den USA 2,2 Prozent.

Alles in allem also nichts Dramatisches? Doch! Denn zum einen ist mit dem Basiseffekt auch bei Zink, Nickel, Kupfer und weiteren Rohstoffen zu rechnen, deren Preise bereits gestiegen sind. Und zum anderen wird jede Art von Programmen zur Verbesserung der amerikanischen Infrastruktur neben höherer Staatsverschuldung erfahrungsgemäß auch einen allgemeinen Preisauftrieb mit sich bringen; dafür dürften allein schon die allgemeinen Inflationserwartungen sorgen. In Sachen Kupfer kommt hinzu: China verbraucht den Löwenanteil, und die kommende Elektromobilität wird für einen weiteren Preisschub nach oben sorgen. Darauf ist unter anderem der jüngste rasante Kursanstieg der Aktien von Freeport-McMoRan zurückzuführen, einem führenden Kupfer- und Goldkonzern.

Eine entscheidende Rolle wird die Entwicklung des Realzinses spielen, also des um die Inflationsrate bereinigten Nominalzinses. Je höher die Inflationsrate, desto tiefer gerät der Realzins in den negativen Bereich. Das wirkt sich nach allen bisherigen Erfahrungen positiv auf den Goldpreis aus. Denn Gold ist zwar zinslos, aber nicht mit negativen Zinsen behaftet. Nur braucht es für die Kehrtwende offenbar etwas Zeit. Warum? Erstens, weil die Inflationserwartungen noch nicht genug ausgeprägt sind. Und zweitens, weil Anleger in der jetzigen Phase mehr auf die gestiegenen Anleiherenditen (Äquivalent zu den Nominalzinsen) starren als auf den negativen Realzins. Dabei vernachlässigen sie einen wichtigen Aspekt: Dass steigende Anleiherenditen mit fallenden Anleihekursen einhergehen.

Für die EZB wird es in diesem Szenario jetzt besonders eng. Denn sie muss ihre Geldpolitik gleichzeitig an Euroländern mit guter Konjunktur (wie Deutschland) und schlechter Konjunktur (wie Italien) ausrichten - ein Spagat, der entweder zulasten Deutschlands (als Zahlmeister der anderen Euroländer) oder zum Euro-Zerfall führen kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB mit der ersten Alternative liebäugelt, ist sehr groß. Deutsche und andere Anleger aus dem Euroraum werden dann doppelt belohnt: mit dem starken Dollar - der Goldpreis wird ja, wie international üblich, in Dollar gemessen - und mit dem steigenden Goldpreis. Einzig der Faktor Zeit verunsichert die Anleger noch ein wenig. Die dadurch zwischenzeitlich zustande kommenden Preisdellen, wie in der abgelaufenen Woche, laden geradezu zum Einstieg ein.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu


Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.



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