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OPEC-Produktionskürzungen vor weiterem Realitätstest

31.01.2017  |  Eugen Weinberg
Energie

Der Brentölpreis handelt am Morgen knapp über 55 USD je Barrel. WTI fällt auf nur noch 52,3 USD je Barrel. Die Preisdifferenz zwischen Brent und WTI ist damit so hoch wie zuletzt im Dezember 2015. Während der Brentölpreis von den OPEC-Produktionskürzungen profitiert, wird der WTI-Preis von der steigenden US-Ölproduktion belastet. Diese lag in der vorletzten Woche laut US-Energieministerium bereits bei knapp 9 Mio. Barrel pro Tag auf dem höchsten Niveau seit April 2016.

Die morgen zur Veröffentlichung anstehenden Daten könnten einen Anstieg über diese Marke zeigen. Vom Tief im September 2016 ist die US-Rohölproduktion bereits um 400 Tsd. Barrel pro Tag gestiegen. Der deutliche Anstieg bei der Bohraktivität lässt in den kommenden Wochen und Monaten einen weiteren Produktionszuwachs erwarten. Angesichts dieser Entwicklung ist zweifelhaft, dass die OPEC über einen längeren Zeitraum an den Produktionskürzungen festhält. Schließlich muss sie dann wie bis zum Jahr 2014 mit dem Verlust von Marktanteilen rechnen.

Umfragen zur OPEC-Produktion im Januar werden voraussichtlich heute veröffentlicht. Im Dezember lag diese bei gut 33 Mio. Barrel pro Tag. Ein Rückgang um ca. 900 Tsd. Barrel pro Tag dürfte eingepreist sein, was einer 75%-igen Umsetzung der Produktionskürzungen entsprechen würde. Bei einer geringeren Umsetzung drohen Gewinnmitnahmen seitens der spekulativen Finanzanleger. Diese haben ihre Netto-Long-Positionen bei Brent in der Woche zum 24. Januar zwar leicht reduziert. Mit 442,4 Tsd. Kontrakten lagen sie aber weiterhin nur knapp unter dem in der Vorwoche verzeichneten Rekordniveau.


Edelmetalle

Gold legte gestern entgegen einem festeren US-Dollar zu und handelt heute Morgen wieder bei 1.200 USD je Feinunze. Unterstützung erhält es von der gestiegenen Unsicherheit nach den jüngsten Maßnahmen des US-Präsidenten Trump und von einer wahrscheinlich deutlich (aber wohl nur vorübergehend) höheren Inflationsrate im Euroraum.

Wie wir gestern bereits berichteten, war die physische Goldnachfrage im letzten Jahr laut Einschätzung von Thomson Reuters GFMS auf ein 7-Jahrestief gefallen. Auf Länderebene war dies vor allem auf Indien zurückzuführen, wo die Nachfrage mit "nur" 580 Tonnen ein 13-Jahrestief markierte. Entsprechend wenig Gold hatte Indien daher auf offiziellem Wege importiert. So vermeldete die Schweiz zum Beispiel die geringsten Goldausfuhren nach Indien seit Beginn der Datenaufzeichnungen (326 Tonnen).

Morgen wird in Indien der Haushaltsentwurf für das neue Fiskaljahr vorgestellt. Sollte dabei wie von einigen gefordert, die Importsteuer reduziert werden, dürfte dies zu einer höheren Goldnachfrage beitragen. Bis die historisch hohen Niveaus wieder erreicht werden, wird es aber wohl noch einige Jahre dauern.

Der World Gold Council (WGC) erwartet für Indien erst im Jahr 2020 wieder eine Goldnachfrage von 850-950 Tonnen. Diese würde durch die steigenden Einkommen und die junge Bevölkerungsstruktur getragen. Gold ist in der indischen Kultur tief verankert und die Jugend würde laut WGC die starke Affinität ihrer Eltern zu Gold teilen. Auch sieht der WGC eine steigende Zahl an Hochzeiten, was mit einer entsprechend höheren Goldnachfrage einhergehen würde.


Industriemetalle

Wie aus den kürzlich veröffentlichten Daten der chinesischen Zollbehörde auch hervorging, hat China im letzten Jahr gut 362 Tsd. Tonnen Nickelraffinade importiert. Dies waren 24% mehr als im Vorjahr und stellte zugleich ein Allzeithoch dar. China hatte verstärkt Nickelraffinade (und Ferronickel) einführen müssen, da das Angebot an Nickelerz stark eingeschränkt war. So gab es bis vor kurzem in Indonesien ein Exportverbot für unbehandelte Erze (siehe Rohstoffe kompakt Industriemetalle: Indonesien lockert Exportverbot von Erzen vom 25. Januar).

Daneben hatten die Philippinen im Sommer/Herbst eine umweltpolitische Überprüfung ihrer Minen durchgeführt, im Zuge derer es zu Schließungen kam. Indonesien war bzw. die Philippinen sind noch der größte Nickelerzlieferant für China.

Stark gestiegen waren im letzten Jahr auch die Einfuhren von Kupferkonzentrat. Diese lagen mit rund 17 Mio. Tonnen fast 28% über dem Vorjahresniveau und markierten ebenfalls ein Rekordhoch. In China wurden neue Kupferschmelzen in Betrieb genommen, so dass mehr Rohmaterialien benötigt wurden.

Daneben haben zeitweise deutlich gestiegene Verarbeitungsmargen (sog. TC/RCs) die Produktion in China attraktiv gemacht. Die Produktion von Kupferraffinade ist daher 2016 gemäß Daten des Nationalen Statistikbüros um 6% auf 8,4 Mio. Tonnen gestiegen - auch dies entspricht einem historischen Höchststand. Entsprechend geringer fielen die Einfuhren von Kupferraffinade aus.


Agrarrohstoffe

Die Überschwemmungen im weltgrößten Kautschukproduzentenland Thailand trieben die Kautschukpreise in den letzten Wochen in die Höhe. In Singapur schloss Kautschuk letzte Woche bei 230 US-Cents je Kilogramm, so viel wie zuletzt vor gut 3 Jahren. Zwar geben die Exporteure an, genug Ware auf Lager zu haben, um ihren Verpflichtungen nachkommen zu können. Zudem will die Regierung Mitte Februar nochmals rund 100 Tsd. Tonnen Kautschuk aus staatlichen Lagerbeständen über Auktionen abgeben.

Nach Angaben der thailändischen Kautschukvereinigung dürfte aber 2017 als Folge der Überflutungen die Produktion des Landes um 7,6% rückläufig sein und nur 4,38 Mio. Tonnen betragen. Derzeit sollten die Erntearbeiten ("tapping") eigentlich auf Hochtouren laufen, bevor zwischen März und Mai ("wintering") wenig geerntet wird. Bereits zuvor hatte sich Kautschuk verteuert, da immer wahrscheinlicher wurde, dass 2016 am globalen Kautschukmarkt bei stagnierender Produktion, aber steigender Nachfrage mit einem Defizit schließen würde.

Das Analysehaus Rubber Economist erwartet auch für 2017 und 2018 Defizite. Diesen Monat meldete sich auch die Vereinigung Naturkautschuk produzierender Länder mit der Prognose eines Defizits von 350 Tsd. Tonnen für 2017. Vor 2016 hatten mehrere Überschussjahre in Folge die Preise gedrückt. Im Februar 2016 hatte der Kautschukpreis in Singapur ein 12-Jahrestief von nur wenig über 100 US-Cents je Kilogramm markiert.

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