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Abrupte Kehrtwende bei Edelmetallpreisen

10.02.2017  |  Eugen Weinberg
Energie

Nach kräftigen Ausschlägen zu Wochenbeginn haben sich die Ölpreise in der zweiten Wochenhälfte stabilisiert. Der kräftige Anstieg der US-Rohöllagerbestände in der letzten Woche lässt allerdings Zweifel daran aufkommen, dass der Ölmarkt infolge der OPEC-Kürzungen tatsächlich bereits unterversorgt ist.

Der massive Anstieg der US-Rohölimporte auf ein 4½-Jahreshoch stellt außerdem in Frage, dass die OPEC-Länder ihre Öllieferungen in die USA wie angekündigt reduziert haben. Denn der wichtige asiatische Markt ist von den Kürzungen nicht betroffen, wie auch die in der Nacht veröffentlichten sehr hohen chinesischen Rohölimporte im Januar zeigen. Diese fielen zwar auf 8,01 Mio. Barrel pro Tag, lagen damit aber 27,5% höher als im Vorjahr und auf dem dritthöchsten Niveau aller Zeiten. Im Dezember hatten sie ein Rekordniveau von 8,57 Mio. Barrel pro Tag erreicht.

Möglicherweise sind die OPEC-Kürzungen also doch nicht so hoch, wie es die jüngsten Umfragen und Aussagen der Internationalen Energieagentur nahelegen. Diese spricht in ihrem heute veröffentlichten Monatsbericht von einer rekordhohen Umsetzung von 90%, was die Ölpreise in einer ersten Reaktion steigen ließ. Heute Abend veröffentlicht Baker Hughes neue Zahlen zur Bohraktivität in den USA. Angesichts des attraktiven Preisniveaus wäre ein weiterer Anstieg der aktiven Ölbohrungen keine Überraschung. Dies könnte zum Wochenschluss für Gewinnmitnahmen bei den spekulativen Finanzanlegern sorgen, welche rekordhohe Netto-Long-Positionen bei Brent und WTI halten.


Edelmetalle

Lange Zeit sah es gestern so aus, als könnte sich der Aufwärtstrend der Edelmetallpreise fortsetzen. Gold stieg zum Beispiel auf 1.245 USD je Feinunze, Platin verteuerte sich auf 1.030 USD je Feinunze. Am Nachmittag gab es dann jedoch eine abrupte Wende, die zu deutlich fallenden Preisen im weiteren Handelsverlauf führte. Der Preisrückgang setzt sich heute Morgen fort. Gold notiert gut 20 USD unter dem gestrigen Hoch und Platin fällt wieder unter die Marke von 1.000 USD je Feinunze.

Bei Platin ist damit zugleich ein weiterer Anlauf gescheitert, die charttechnisch wichtige 200-Tage-Linie nachhaltig zu überwinden. Nachrichten, die den gestern Nachmittag einsetzenden Preisrückgang der Edelmetalle erklären könnten, sind Mangelware. Dass der US-Präsident Trump über Nacht für die nächsten zwei bis drei Wochen Steuerpläne, die er selbst als "phänomenal" bezeichnete, angekündigt hat, drückt heute Morgen zwar auf die Preise, war aber nicht der Auslöser für den Rückgang gestern.

Die Deutsche Bundesbank hat eigenen Angaben zufolge im letzten Jahr 216 Tonnen Gold von ausländischen Lagerstätten nach Deutschland verlagert (111 Tonnen aus New York und 105 Tonnen aus Paris). Die Rückholaktion aus New York ist damit abgeschlossen. Seit 2013 wurden 300 Tonnen Gold aus New York und 283 Tonnen Gold aus Paris nach Frankfurt verlagert. Die Lagerstelle in Paris soll laut Bundesbank komplett aufgelöst werden (dort liegen noch 91 Tonnen Gold), so dass die Hälfte der deutschen Goldreserven von knapp 3.380 Tonnen zukünftig in Deutschland lagert.


Industriemetalle

China hat heute Morgen gute Handelsdaten für Januar berichtet und gibt damit den Metallpreisen zum Wochenausklang nochmals Auftrieb. Auf übergeordneter Ebene sind sowohl die Importe als auch die Exporte deutlich gestiegen. Heruntergebrochen auf die einzelnen Segmente bzw. individuellen Rohstoffe ergibt sich ein differenzierteres Bild. So sind die Kupferimporte gemäß Daten der Zollbehörde sowohl im Vergleich zum Vorjahr als auch im Vergleich zum Vormonat spürbar auf 380 Tsd. Tonnen gesunken (um 13,6% bzw. 22,4%).

Im Wesentlichen dürfte dies auf den Effekt des Neujahrsfestes zurückzuführen sein, das Ende Januar gefeiert wurde und während dem die Wirtschaftsaktivitäten eine Woche lang nahezu ruhten. Auch die Februar-Zahlen werden wohl noch durch das Neujahrsfest verzerrt sein.

Das eingeführte Kupfer wurde aber nicht vollständig verbraucht, wie der Anstieg der Vorräte in den Lagerhäusern der SHFE zeigt. Dort sind die Kupferbestände bis gestern auf den höchsten Stand seit neun Monaten gestiegen. Im Gegensatz zu Kupfer hat China im Januar überraschend viel Eisenerz importiert.

Die berichteten 92 Mio. Tonnen lagen 12% über Vorjahr und auch leicht über dem Vormonatsniveau. Hier hatte das Neujahrsfest offenbar ebenso keine Auswirkungen wie die wetterbedingten Verschiffungsprobleme in zwei Verladehäfen in Australien. Allerdings importiert China schon seit langem über Bedarf. Die Eisenerzvorräte in den Häfen des Landes liegen auf Rekordhoch und sind allein seit Jahresbeginn um über 8% gestiegen.

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Agrarrohstoffe

Der Weizenpreis an der CBOT sprang nach der WASDE-Veröffentlichung des US-Landwirtschaftsministeriums um bis zu 3% nach oben und erreichte mit 444 US-Cents je Scheffel ein 6-Monatshoch. Grund hierfür war eine Abwärtsrevision der Lagerendbestände in den USA und weltweit aufgrund höherer US-Exporte und einer schwächeren Ernte in Indien. Die globalen Endbestände fallen deswegen knapp 5 Mio. Tonnen niedriger aus als bislang erwartet, liegen mit 248,6 Mio. Tonnen aber noch immer auf einem Rekordniveau.

Die Preisreaktion scheint uns überzogen, zumal auch die geringere Weizenernte in Indien keine wirkliche Überraschung darstellt (siehe TagesInfo Rohstoffe vom 8. Februar). Allerdings bestanden bei Weizen bis zuletzt hohe Netto-Short-Positionen unter den kurzfristig orientierten Marktteilnehmern, so dass es hier zu Short-Eindeckungen gekommen sein könnte. Bei Mais und Sojabohnen fielen die Abwärtsrevisionen der Lagerbestandsschätzungen geringer aus. Entsprechend gab es hier auch weniger Preisreaktionen.

Bei Sojabohnen senkte das USDA die Ernteschätzung für Argentinien infolge der Überschwemmungen zwar um 1,5 Mio. auf 55,5 Mio. Tonnen, liegt damit aber noch über der Schätzung lokaler Beobachter. Dagegen beließ das USDA seine Ernteschätzung für Brasilien unverändert bei 104 Mio. Tonnen. Damit ist das USDA verhaltener als die brasilianische Prognosebehörde Conab, welche ihre Schätzung gestern auf 105,6 Mio. Tonnen erhöhte.



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