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Und urplötzlich taucht es wieder auf - das Gespenst der Inflation

03.03.2017  |  Uwe Bergold
Die deutschen Verbraucherpreise stiegen im Februar 2017 im Vergleich zum Vorjahr - für den Mainstream überraschend - auf 2,2 Prozent. Die von Reuters befragten Ökonomen hatten weniger erwartet. Die Teuerungsrate liegt nun erstmalig seit 2012 wieder über der Zielmarke der EZB von 2 Prozent. Somit wird die Entwertung der Sparguthaben (Sparbuch, Festgeld, Tagesgeld, Anleihen usw.) immer sichtbarer und nimmt sukzessive weiter zu.

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Abb. 1: Erzeugerpreise (schwarz) versus Rohstoffpreise (blau) von 05/1998 bis 01/2017
Quelle: GR Asset Management


Seltsamerweise betrachten die meisten Leute die Inflation als eine Art Naturereignis. Keiner versteht so richtig, dass sie geldpolitisch gemacht und gewollt ist. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung versteht wenig oder nichts vom Wesen des Geld- und Finanzsystems. Und der Vorgang der "versteckten Besteuerung" wird nicht einmal ansatzweise verstanden.

Wladimir Iljitsch Lenin hat Inflation voll und ganz verstanden und schrieb zu diesem Thema:

"… Der beste Weg, das kapitalistische System zu zerstören, war und ist, die Währungen zu verschlechtern. Durch einen anhaltenden Prozess der Inflation können Regierungen insgeheim und unbeobachtet einen wichtigen Teil des Wohlstands ihrer Bürger konfiszieren. Mittels dieser Methode konfiszieren sie nicht nur, sondern die konfiszieren willkürlich; und während dieser Prozess viele ärmer macht, werden einige dabei reicher."


Kommt die Inflation wirklich so überraschend, wie es die Medien suggerieren?

Experte warnt: "Der Prozess der Inflationierung hat schon begonnen". So wurde ein Interview mit mir am 20.06.2016 in FOCUS Online tituliert (Inflationierung hat schon begonnen). Darin konnte man lesen:

Die Preise sind niedrig, die Sorge vor steigenden Inflationsraten infolge der lockeren Geldpolitik der EZB scheint unbegründet. Doch die Statistik trügt, warnt Goldexperte Uwe Bergold im FOCUSMONEY-Interview. Er sieht ein massives Inflationsproblem heraufziehen.

FOCUS-MONEY: Seit Langem wird angesichts der Schuldenorgie vieler Staaten und des Gelddruckens der Notenbanken vor steigender Inflation gewarnt - und sie kommt nicht. Im Gegenteil: Die Teuerungsraten sind so niedrig wie nie. Ist heute alles anders? Haben Politiker und Notenbanken dazugelernt und die Sache im Griff?

Uwe Bergold: Überhaupt nicht. Oberflächlich mag das im Moment so scheinen, weil die Inflation immer nur an den Verbraucherpreisen gemessen wird. Das greift zu kurz und verschleiert derzeit noch, dass viel zu viel Geld im Umlauf ist. Dieses Geld fließt bisher an die Anlagemärkte in Aktien, Immobilien und vor allem in Anleihen. Hier haben wir durchaus eine Preisinflation. Sie wird nur nicht so wahrgenommen.


MONEY: Ist das so schlimm? Hohe Kurse bei Anleihen, Aktien und Immobilien bringen doch Wohlstand ...

Bergold: ... und eine kräftige Umverteilung. Es profitieren alle, die zu den teuren Preisen verkaufen können. Das sind insbesondere die Staaten mit ihren Anleihen. Sie können heute so günstig Schulden machen wie noch nie. Und es zahlen die drauf, die überteuert kaufen oder kaufen müssen, etwa Versicherer und Pensionskassen als Kapitalanleger breiter Bevölkerungsschichten. Für Normalverbraucher, die nicht direkt an den Anlagemärkten unterwegs sind, wird die Inflation bisher dagegen kaum sichtbar, zumal die offiziellen Stellen hierfür einiges tun.


MONEY: Inwiefern?

Bergold: Bei der Berechnung der Verbraucherpreise gibt es durchaus Gestaltungsspielräume. Seit den 90er-Jahren werden sie zunehmend aktiv genutzt. Da lässt sich dann bei Bedarf manches schönen.


MONEY: Wie geht das?

Bergold: Zum Beispiel durch die Einführung der Hedonik. Das heißt, Qualitätsverbesserungen, etwa bei Computern oder Autos, gegenüber Vorgängermodellen werden als Preisminderung eingerechnet, obgleich der Verbraucher beim Kauf immer noch dasselbe oder mehr zahlen muss. Oder durch Substitution sich stark verteuernder Elemente im Warenkorb. Wird zum Beispiel Kaffee kräftig teurer, wird Tee stärker berücksichtigt.

Das sind jeweils nur kleine Dinge, in der Summe ist ihre Wirkung aber beträchtlich. So kommt die Internet-Seite Shadowstats etwa für die USA nach der Berechnungsmethode von 1990 derzeit auf eine Inflationsrate von rund fünf Prozent statt der offiziell ausgewiesenen 1,1 Prozent. Aber auch ohne diese Dinge tickt eine Zeitbombe.


MONEY: Wo liegt die?

Bergold: Die eigentliche Inflationierung wird erst dann sichtbar, wenn die Rohstoffpreise beginnen, stärker zu steigen. Denn darauf folgen mit etwas Verzögerung auch die Erzeugerpreise und danach die Verbraucherpreise. Auch die werden dann massiv zulegen. Zurzeit sieht man die Inflation noch nicht, weil sie nur in den Anlagenpreisen drinsteckt.


MONEY: Erscheint diese Gefahr wirklich real? Die Verbraucherpreise sind doch zuletzt in Deutschland und Euro-Land erstmals sogar gesunken.


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