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Was wird den globalen Schuldenturm zum Einsturz bringen?

08.08.2017  |  David Chapman
Im Englischen gibt es den Ausdruck "der Elefant im Raum" für ein Problem, das allen bekannt ist, aber willentlich ignoriert wird. Der Elefant ist der Gast, mit dem niemand sprechen möchte. In unserer heutigen Situation sind das - die Schulden! Die globale Gesamtverschuldung beläuft sich Schätzungen zufolge auf 217 Billionen $, manche Beobachter gehen auch von 230 Billionen $ aus. 2008, als das globale Finanzsystem beinahe kollabierte, lag die weltweite Verschuldung bei 142 Billionen $.

Das seitdem verzeichnete Schuldenwachstum ist wirklich erstaunlich. Statt ihre Kredite abzubezahlen, hat sich die Welt mehr und mehr Geld geliehen. Während sich der globale Schuldenstand Jahr für Jahr um 5% erhöht hat, betrug das weltweite Wirtschaftswachstum im Durchschnitt nur 3%.

Die Gesamtschulden, einschließlich der Schulden aller Staaten, Unternehmen und Privathaushalte, entsprechen global gesehen 325% des Bruttoweltprodukts. In manchen Ländern, wie beispielsweise Großbritannien, sind es sogar mehr als 600%. Für ein Wirtschaftswachstum von 1 $ waren seit der Finanzkrise von 2008 mehr als 4 $ an Neuverschuldung notwendig. Zahlreiche Berichte und Analysen wurden zu diesem massiven Schuldenwachstum bereits veröffentlicht, z. B. von McKinsey & Company, vom Internationalen Währungsfonds und von der Weltbank.

Wie konnte es dazu kommen? Die Krise von 2008 drohte, das gesamte globale Finanzsystem zum Einsturz zu bringen. Die Reaktion der Behörden (d. h. der Zentralbanken) war wahrscheinlich die einzige, zu der sie in der Lage waren: Sie retteten das System im Grunde genommen durch die Senkung der Zinsen auf 0% (oder noch tiefer), überschwemmten die Märkte mit Geld und bewahrten die Finanzinstitutionen vor der Insolvenz (mit dem Geld der Steuerzahler).

Während dieser Zeit explodierte die Geldbasis in den Vereinigten Staaten und die Bilanz der Federal Reserve wuchs innerhalb weniger Jahre von 800 Milliarden $ auf 4 Billionen $ an. Die US-Notenbanker verabreichten dem System mit Hilfe eines als "quantitative Lockerungen" (QE) bekannten Prozesses gigantische Geldspritzen. Doch nicht nur die Fed schlug diesen Kurs ein. Fast alle Zentralbanken, insbesondere jedoch die Bank of Japan und die EZB, taten es ihr gleich.

Es handelte sich um den größten Bail-out der Geschichte. Im Zuge dessen ist die Staatsverschuldung der USA beispielsweise von 10,4 Billionen $ im Jahr 2008 auf 19,9 Billionen $ zum heutigen Tag angewachsen. Seitdem befinden sich die Vereinigten Staaten und mit ihr die ganze Welt im Schuldenrausch. Grund dafür sind in erster Linie die nach wie vor extrem niedrigen Zinssätze.

Was hat all das nun genützt? Die westlichen Staaten holpern und stolpern bis heute durch eine Phase geringen Wachstums. Der Wirtschaftsexperte John Mauldin spricht von einer Ökonomie des "Durchwurstelns". Doch auch wenn die USA, die EU, Kanada, Japan und Australien hohe Schulden aufgenommen haben, waren es doch Länder wie China, die die höchste Neuverschuldung verzeichneten.

Im Jahr 1989 hatten die USA einen Anteil von 61% am globalen Anleihemarkt; im Juni 2016 waren es nur noch 38%. Der Anteil der Schwellenmärkte war von 1% auf 18% angestiegen, während aufstrebende Wirtschaftsräume ihren Anteil unter der Führung Chinas von 38% auf 45% erhöhten. Heute sind es vor allem die Schulden dieser sich schnell entwickelnden Schwellenländer, die eine Gefahr für die globale Finanzarchitektur darstellen.


Geldbasis der USA

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Wie Sie sehen, ist die Geldbasis rückläufig. Das ist üblicherweise ein Warnsignal, weil es zeigt, dass dem Finanzsystem Kapital entzogen wird.
(Quelle: www.fred.stlouisfed.org)


Durch den plötzlichen Anstieg der Geldmenge, die nun dank QE durch das Finanzsystem fließt, durch die außergewöhnlich niedrigen Zinsen und das enorme Schuldenwachstum haben riesige Kapitalmengen den Weg an die Aktien- und Immobilienmärkte gefunden und dort den Grundstein für eine ganze Reihe von Finanzblasen gelegt. Die Aktienkurse sind seit 2009 weltweit in die Höhe geschossen, nur 2011 und 2015/2016 gab es einige flache Rücksetzer.

Seit den Tiefs von 2009 hat der S&P 500 270% zugelegt, der Londoner FTSE 116%, der Pariser CAC 40 notiert 112% im Plus, der DAX ist um 247% gestiegen, der chinesische Shanghai Index SSEC notierte bei seinem Hoch 2015 211% über dem Tief und liegt heute immerhin noch 94% im Plus und der in Tokio berechnete Nikkei verzeichnete einen Anstieg um 186%.

Der kanadische TSX Composite hinkt mit Kursgewinnen von "nur" 104% ein wenig hinterher, da er zahlreiche Unternehmen aus dem Energie- und Rohmaterialiensektor umfasst - zwei Marktsegmente, die sich seit 2009 nicht besonders gut entwickelt haben. Der TSX Energy Index ist gegenüber den Tiefs von 2009 sogar um 6% gesunken, während der TSX Materials Index 46% zugelegt hat.

Die Immobilienpreise sind seit dem Ende der Finanzkrise nicht nur hier in Kanada, sondern weltweit sprunghaft gestiegen. In Kanada wurden Erhöhungen zwischen 70% und weit über 100% verzeichnet, je nach Standort und Art der Immobilie. In Toronto und Vancouver waren die Preisanstiege am stärksten ausgeprägt. Doch auch in den USA sind Immobilien wieder deutlich teurer geworden, auch wenn die Spitzenwerte von 2006 zumeist noch nicht wieder erreicht wurden. In Europa, Asien und anderen Regionen sind die Preise an den Immobilienmärkten aufgrund der niedrigen Zinsen und der für Hypotheken frei zu Verfügung stehenden Liquidität ebenfalls nach oben geschossen.

Nähern sich die Blasen schon ihrem Höhepunkt? Wahrscheinlich nicht, denn Finanzblasen haben die Tendenz, sich länger und größer aufzublähen, als die bearishen Beobachter erwarten. Die bisherigen Gewinne waren zwar beeindruckend, aber die Aktienmärkte bleiben beispielsweise noch deutlich hinter den Kursanstiegen früherer Spekulationsblasen zurück.

Doch die künftigen Probleme zeichnen sich bereits am Horizont ab, auch wenn sie uns noch nicht direkt betreffen. Die Zinsen steigen, aber noch nicht so stark, dass sie einen Crash auslösen könnten. Achten Sie insbesondere auf die Spreads zwischen den 2-jährigen und den 10-jährigen Staatsanleihen. Im Moment sind diese noch positiv, aber wenn sie negativ werden, ist das normalerweise ein sehr schlechtes Zeichen.


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