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Wehren Sie sich gegen miese Finanztricks

08.10.2017  |  Manfred Gburek
Anfang 2018 wird MiFID II in Kraft treten. Das ist die novellierte Richtlinie über Märkte und Finanzinstrumente. Ihr Ziel ist der Anlegerschutz. Oder was die Bürokraten dafür halten. Um konkret zu werden: Anleger, die nicht aufpassen, werden demnächst von Banken, Sparkassen, Fonds und Vermögensverwaltern oder -beratern zusätzlich zur Kasse gebeten. Der Datenschutz wird enorm eingeschränkt.

Das heißt, Anleger müssen vom nächsten Jahr an mehr Informationen von sich geben, um Dienstleistungen rund um Wertpapiere in Anspruch nehmen zu können. Mehr noch: Handelt es sich dabei um Wertpapieraufträge per Telefon, sollen Gespräche komplett aufgezeichnet werden - einschließlich privater Informationen.

Das mag man gar nicht gut finden und sogar verwünschen, doch an der Tatsache als solcher kommen Sie nicht vorbei. Was also ist zu tun, um bleibende Schäden zu vermeiden? Zumindest dies: Einen noch größeren Bogen als bisher um standardisierte Finanzprodukte machen. Die dürften nämlich demnächst wie Pilze aus dem Boden schießen. Dabei wird es sich zum einen um Hausmannskost handeln, wie Zertifikate oder Riester-Verträge, zum anderen - aus Anlegersicht besonders gefährlich - um eine vermeintliche Allfinanzberatung oder sogar um Robo-Advice, wenn ein Algorithmus bestimmt, was mit Ihrem Geld geschieht.

Lassen Sie sich auf diesen faulen Zauber nicht ein, sondern nehmen Sie die MiFID II hin und ziehen Sie die Konsequenzen. Das heißt, planen Sie Ihre Finanzen so individuell wie möglich, also auf Ihre ganz persönlichen Belange und Ziele ausgerichtet. Das erfordert, dass Sie sich wahrscheinlich mehr als bislang um Ihre Anlagen kümmern müssen. Denn Beratung im eigentlichen Sinn dieses Begriffs gibt es bestenfalls erst dann, wenn Sie über ein Vermögen von einigen Millionen Euro verfügen.

Übrigens wird man Ihnen höchstwahrscheinlich kein Gold empfehlen und erst recht kein Silber. Beide Edelmetalle, die Ihnen ja noch einen Rest an Anonymität gewähren, kaufen Sie am besten über spezialisierte Händler oder über eine mit dem Edelmetallgeschäft vertraute Bank bzw. Sparkasse. Bei der Auswahl hilft Ihnen goldseiten.de mit laufenden Hinweisen. Warum Gold und Silber in letzter Zeit relativ schwach notieren, dürfte in erster Linie damit zu tun haben, dass an niedrigen Preisen interessierte Kreise Druck ausüben. Doch wie beispielsweise die Preisentwicklung am vergangenen Freitag gezeigt hat, folgt postwendend Gegendruck.

Derweil werden Ihnen Banken, Sparkassen, Vermögensverwalter und -berater mit ihren standardisierten Finanzprodukten ständig auf die Nerven gehen, vor allem mit Fonds aller Art, besonders mit Indexfonds, sogenannten ETFs. Schlagen Sie solche Angebote einfach rigoros aus. Warum, liegt auf der Hand: Obwohl Sie in Zukunft bei Geldgeschäften mehr an persönlichen Informationen preisgeben müssen, wissen Sie allemal doch mehr über Ihre Finanzen als irgendwer sonst, vielleicht mir Ausnahme Ihres Steuerberaters - aber der versteht im Zweifel nicht mehr von Geldanlagen als Sie.

Nun noch ein paar Anmerkungen zu den ETFs. Sie werden gern als das Nonplusultra für den langfristigen Vermögensaufbau empfohlen. Nach dem Motto: Langfristig sind Aktien die beste Geldanlage, und mit einem Aktien-ETF könne man von daher nichts falsch machen, weil er das Risiko streut. Doch dieses Argument ist nicht stichhaltig. Denn einerseits haben wir es allein in Europa mit mehr als 1500 ETFs zu tun, die überwiegend auf bestimmte Anlagen - meistens Aktien - spezialisiert sind, sodass die Auswahl schwerfällt. Andererseits können ETFs sogar zur Gefahr für die Aktienmärkte und damit für sich selbst werden. Warum, beschreibe ich ausführlich auf meiner Internetseite gburek.eu.

Banken und Sparkassen klammern beim Verkauf ihrer Finanzprodukte gern zwei Komponenten aus, die enorm wichtig sind, aber den Verkaufsabschluss stören würden: Die Geduld, wenn etwas nicht so läuft wie gewünscht, und das oft irrationale Verhalten ihrer Kunden. Die Geduld wird besonders dann auf eine harte Probe gestellt, wenn das Erreichen eines Anlageziels in immer weitere Ferne rückt. Und nicht selten entspringt daraus irrationales Verhalten; das heißt, der Geduldsfaden reißt, wenn Aktienkurse oder Fondspreise im Keller sind. Ungeduldige Anleger trennen sich dann prozyklisch und zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt in Panik von ihren Ersparnissen.

Um das zu verhindern, wenden die Anbieter von Finanzprodukten gern einen miesen Trick an: Sie binden ihre Kunden an langfristige Anlagen, aus denen es zunächst kein Entrinnen gibt - es sei denn, die Kunden trennen sich von diesen Anlagen mit hohen Verlusten. Klassische Beispiele sind Kapitallebensversicherungen, bei denen die Einzahlungen der Anleger in den ersten Jahren für Provisionen draufgehen, außerdem Fondspolicen und Riester-Produkte. Im Fall von Fonds und den auf ihnen basierenden Sparplänen sieht es etwas anders aus. Sie können in der Regel von heute auf morgen verkauft werden.

Allerdings werden Anleger auch mit ihnen zum Teil ausgetrickst, nämlich über den Ausgabeaufschlag. Das ist eine beim Kauf fällige Provision, mit der Folge, dass Anleger oft erst nach Monaten oder sogar Jahren in die Gewinnzone kommen. Immerhin bieten verschiedene Direktbanken Fonds auch ohne Ausgabeaufschlag an.

Die hier bisher genannten Beispiele schreien geradezu danach, selbst aktiv zu werden. Aber woher die Zeit dafür nehmen, wenn man einen Beruf jenseits der Finanzen hat, etwa Arzt, Ingenieur oder Lehrer? Immerhin, bereits die Erkenntnis, dass man die Initiative ergreifen muss, um Geld vernünftig anzulegen, kann der erste Schritt zur Optimierung der eigenen Finanzen sein.

Darüber hinaus erweist es sich oft als nützlich, eine größere Buchhandlung aufzusuchen, um in dem einen oder anderen Buch zum Thema Geld zu blättern und sich dann für eines zu entscheiden, das den eigenen Ansprüchen gerecht wird. Wenn Sie an einem der regionalen Börsentage teilnehmen, können Sie stundenlang mit Gleichgesinnten diskutieren. Und dann gibt es ja noch die von goldseiten.de ausgerichtete jährliche Edelmetall- und Rohstoffmesse, die für jeden Geldgeschmack etwas zu bieten hat. Die nächste findet - traditionell in München - am 2. und 3. November statt.

Zum Schluss möchte ich heute ein spezielles Steuerthema aufgreifen, dessen Brisanz nicht ernst genug genommen werden kann. Es geht, zunächst scheinbar harmlos, um selbst genutzte Ferienimmobilien. Werden sie verkauft und fällt dabei ein Gewinn an, ist dieser - wie bei anderen selbst genutzten Wohnimmobilien - nicht erst nach zehn Jahren (wie bei vermieteten Häusern und Wohnungen) steuerfrei, sondern auch innerhalb der zehnjährigen Spekulationsfrist.

Das Finanzgericht Köln (Aktenzeichen: 8K 3825/11) argumentiert indes: Handelt es sich um eine Zweitwohnung, die nicht aus beruflichen Gründen vorgehalten wird (etwa wegen doppelter Haushaltsführung), sei der Verkaufsgewinn zu versteuern. Der Fall ist inzwischen zur abschließenden Klärung beim Bundesfinanzhof gelandet (Aktenzeichen hier: IX R 37/16). Was ihn so brisant macht: Im Grunde kann es sich um den Beginn der Aufweichung steuerfreier Gewinne aus dem Verkauf selbst genutzter Wohnimmobilien handeln. In der kommenden Bundesregierung dürfte sich jedenfalls kaum jemand finden, der etwas dagegen hätte.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu


Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

Neu bei gburek.eu: Deutsche Konzerne in amerikanischer Hand



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