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Die Inflationsratte nagt nicht schnell genug

18.11.2017  |  Prof. Dr. Hans J. Bocker
Je höher die Inflationsrate, umso schneller schrumpft die Last der Schuldner, ganz besonders der großen unter ihnen, allen voran die Staaten bzw. Regierungen, die Großkonzerne, die verschuldeten Banken und natürlich die Zentralbanken.

So jedenfalls lautet die Theorie, denn es wird mit immer wertloserem Geld zurückgezahlt. Jeder Gläubiger erhält genau die Summe, wie sie im Vertrag festgehalten wurde, nur haben diese Rückzahlungen an "Wert", sprich Kaufkraft, eingebüßt. Man sieht dies den zurückgezahlten Scheinen oder Digitalgeldbeträgen zwar nicht an einer veränderten Druckfarbe oder einem kleinerem Schrifttyp an, spürt es aber im Supermarkt oder Einzelhandelsgeschäft, ganz allgemein in der Lebenshaltung.

Großbanken und Regierungen aber gehen nicht zu Supermärkten, wälzen aber ihre Verluste auf ihre Kunden, Bürger oder Steuerzahler ab, die von Jahr zu Jahr rasch verarmen. Ganz besonders schnell in Zeiten der Hyperinflation. In Deutschland stiegen die Preise in der Zeit um 1923 dramatisch, eine Briefmarke und ein Frühstücksei verteuerten sich beide von 3 Pfennigen auf 10 Milliarden Mark.

Gerettet wurden damals nur diejenigen, die nachgefragte nützliche Sachwerte und natürlich Gold und Silber besaßen.

Brasilien und insbesondere Venezuela durchlaufen gegenwärtig ähnliche Phasen der raschen Verarmung. Was Wunder, dass den unsichtbaren Regierungen, allen voran den Zentralbanken, so viel daran liegt, die Inflationsraten unbedingt zu steigern ("Wir müssen unbedingt 2% Inflation erreichen!"), da dies eine Verlängerung ihrer Herrschaft erlaubt und einen Volksaufstand verhindert.

Die sich aus der Verschuldung ergebenden Verpflichtungen müssen also unbedingt für die Finanzeliten und die unter Druck stehenden Regierungen gemindert werden.

Gibt es denn überhaupt Schulden? Die Zahlenangaben für die Weltschulden schwanken in ihren Angaben zwischen 250 und 900 Billionen $, je nachdem, ob und wieweit man die Derivate herein- oder herausrechnet, und inwieweit man zwischen verzinslichen Schulden und allgemeinen unverzinslichen Verpflichtungen der Regierungen unterscheidet. In den USA beläuft sich erste Gruppe auf beinahe 21 Billionen $, während die Zweite bei ca. 80 Billionen $ angekommen ist. Auf jeden Fall hat der Lavaberg der Schulden ein historisches Hoch erreicht, und er wächst noch immer.

Und wie steht es mit dem Verschuldungsgrad? Also der Relation zwischen Schulden und Wirtschaftsleistung pro Jahr, die etwas über die Fähigkeit der Schuldenrückzahlung aussagt. Diese Zahl betrug 2007, für die Welt als Ganzes gesehen, noch 149%, kletterte aber bis heute auf bedenkliche 327%.

Die Staatsschulden der Schwellenländer haben sich im abgelaufenen Jahrzehnt etwas mehr als verdoppelt. Die Emissionen von Schuldtiteln, die seit der Finanzkrise 2008 von der Masse der Anleger auffälligerweise gemieden wurden, beschleunigten sich allein im ersten Halbjahr 2017 in geradezu erstaunlicher Weise. Besonders die Titel von Banken führten den neuen Tanz oder Reigen ums große Schuldenkalb an. Das Ganze begleitet von einer Flucht in Kryptowährungen, insbesondere in Bitcoin, die genau wie Papierwährungen durch nichts Reales gedeckt sind. In Schweden prüft die Riksbank gerade die Schaffung und den Einsatz der "E-Krone" (Kryptowährung der Zentralbank für Privatkunden).

In Deutschland schwankten die Inflationszahlen in den letzten 10 Jahren im Bereich von 2%, mit geringen Abweichungen von diesem Mittelwert. Den von Finanzeliten angestrebte Zielwert von 2% gelang es trotz massiver Gelddruckerei nicht dauerhaft zu überschreiten. In anderen Ländern, wie beispielsweise in Südafrika, schritten die Inflationszahlen nicht jährlich um etwa 2%, sondern in größeren Jahressprüngen im Bereich, je nach Jahr, zwischen 4% und 6% vorwärts. Entsprechend heftig reagierten auch die Goldpreissprünge in der Landeswährung.

Ich erinnere mich, dank lokalem Eigenkauf, an den Ausgabetag des Krügerrands in Pretoria, welcher am Eröffnungstag 27 Rand kostete, und inzwischen schon bald in den Bereich von 20 000 Rand vordringen wird - eine Steigerung, von der man im Bereich der Dollar- und Eurozone nicht einmal zu träumen wagt (genauer: n o c h nicht!), aber was nicht ist, oder war, kann ja noch werden.

Der allmächtigen FED in Amerika steht eine harte Konfrontation mit wirtschaftspolitischen Realitäten ebenfalls noch bevor. Trotz aller Preisdrückungsmanipulationen wird der Unzenpreis für Gold, und ganz besonders aber für das fast vergessene Silber, seine heutigen Preisspannen in naher Zukunft ruckartig verlassen. Abgesehen von einem möglichen Krieg im asiatischen Raum oder in Nahost wird eine Ereigniskette die Preise in Bewegung setzen. Was wohl?

Kein großes Geheimnis: Das völlige Verkennen der Lafferkurve. Diese Kurve ist das Kernstück des Neuen Finanz-Testaments, an welches die FED-Führung felsenfest glaubt. Dieses besagt, dass eine reziproke Beziehung zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation bestünde. Fällt die Arbeitslosigkeit, zeigt dies einen Mangel an Arbeitskräften, welcher Lohnsteigerungen über dem Wachstumspotential erzwingt und damit zu Inflation führt; und umgekehrt. Doch leider, leider, sprechen die Realitäten eine andere Sprache als das Lafferkurven-Kapitel im volkswirtschaftlichem Lehrbuch, in dem die Fed-Führung täglich mehrere Male blättert.

Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre: Die Zeit, in welcher der Goldpreis auf 852 $ pro Unze explodierte. Es herrschte hohe Arbeitslosigkeit und hohe Inflation. Heute aber haben wir niedrige Arbeitslosigkeit und niedrige Inflation. Die Zinssätze waren damals ein wenig aus dem Ruder gelaufen, je nach Land erhielt man von der Bank auf Einlagen zwischen 14 und 18% Jahreszins. Persönlich kaufte ich damals in Ontario/Kanada sogenannte Savings Bonds mit 21% Zins (leider viel zu wenig).


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