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Setzen Sie auf die wahren Werte

21.09.2008  |  Manfred Gburek
Was zurzeit an den Finanzmärkten passiert, ist ohne Beispiel und lässt sich in einem einzigen Satz zusammenfassen: Das ganze Wertesystem ist durcheinander geraten. Das kann man an der Volatilität (Stärke der Schwankungen) messen. Sie erfasst praktisch alles, was gehandelt wird, von Aktien bis zu Anleihen, von Währungen bis zu Immobilien, von Rohstoffen bis zu Edelmetallen. Was Letztere betrifft, hat zunächst der Mittwoch der abgelaufenen Woche einen Anschauungsunterricht wie selten vermittelt: Da stiegen nach vorheriger Abwärtstendenz Goldminenaktien wie Aurizon, Great Basin und Golden Star innerhalb weniger Stunden um 24, um 37 bzw. um 39%.

Danach setzten die Preise von Gold und Silber zu einer Achterbahnfahrt an wie lange nicht mehr und mündeten am Freitagabend europäischer Zeit in den erwarteten Aufwärtstrend. Hinter der allgemeinen Volatilität steckt natürlich, über die Suche nach den wahren Werten hinaus, auch eine riesige Unsicherheit. Die soll nun ausgerechnet die US-Regierung aus der Welt schaffen, indem sie Bankschulden verstaatlicht. Börsianer haben am Freitag, nachdem sie diese vermeintlich frohe Botschaft vernommen hatten, erst einmal die Kurse der Finanzaktien nach oben gejubelt. Einfach pervers. Warum, liegt auf der Hand: 1. Weil die US-Regierung sich ihr Opfer auf Dollar und Cent genau zurückzahlen lassen wird. 2. Und in Bezug auf deutsche Finanzaktien: Hier haben die Vorstände von Deutscher Bank, Allianz und Commerzbank die Schwerstarbeit noch vor sich. Macht nichts, auch hier wird der Staat bei Bedarf einspringen.

Gehen wir den Dingen auf den Grund. Der Niedergang der amerikanischen Finanzkonzerne, von Bear Stearns (danach Rettung mithilfe der US-Notenbank Fed) über Fannie Mae, Freddie Mac (de facto Verstaatlichung), Merrill Lynch (Übernahme durch Bank of America) und AGI (Rettung dank Regierungsintervention) bis zu Lehman Brothers (Bauernopfer, garniert mit deutschem KfW- und Landesbaken-Geld zu Lasten hiesiger Steuerzahler) ist nichts anderes als das Dichtmachen eines Spielcasinos, in diesem Fall auf Raten. Das geht nur mit staatlicher Autorität, also US-Regierung. Wer später die meisten finanziellen Opfer bringen wird, steht im Einzelnen zwar noch nicht fest; aber es wird sich auf jeden Fall um die größtmögliche internationale Masse handeln müssen, das heißt - über die Amerikaner hinaus - auch um Deutsche, Mitglieder anderer EU-Länder, um Japaner, Chinesen usw. Wie das gehen wird, liegt auf der Hand: über ein wenig höhere Steuern und Abgaben, über mehr Einsatz im Kampf gegen die so genannte Achse des Bösen, über die Steuerung von Geldmengen und Zinsen, über die Manipulation von Währungen und Rohstoffpreisen.

Nun fragen Sie sich bestimmt, was das alles für Sie persönlich und speziell für Ihr Geld zu bedeuten hat. Auf die Gefahr hin, als stur zu gelten, kann ich mich nur wiederholen: Das Geld verteilen, dabei aber den Schwerpunkt eindeutig auf Edelmetalle legen (vorzugsweise Gold und Silber) und auf Tagesgeld bei zwei, drei oder vier Banken bzw. Sparkassen, die einem Einlagensicherungsfonds mit praktisch unbegrenzter Absicherung angehören (im Zweifel wird auch hier der Staat helfend eingreifen).

Edelmetalle, weil sie am Ende als wahrer Maßstab aus dem Durcheinander im eingangs erwähnten Wertesystem hervorgehen werden. Dazu hat die abgelaufene Woche gezeigt: Während die Preise von Industriemetallen, Öl und Getreide abwärts tendierten, gewannen Gold, das volatilere Silber und sogar das auch als Industriemetall stark eingesetzte Platin zwischenzeitlich an Wert. Das heißt, für Börsianer stand auf einmal wieder der Edelmetallcharakter aller drei im Vordergrund, unabhängig davon, dass gleichzeitig die Rohstoffpreise fielen und selbst der Dollar im Vergleich zum Euro stieg. Vor allem Gold wurde da - neben der Funktion als Edelmetall - seiner Rolle als ultimativer Wertmaßstab und als internationales Geld gerecht.

Da physisches Edelmetall (Anlagemünzen, Barren) in Deutschland knapp geworden ist, sollten Sie versuchen, es über die etablierten Händler zu bekommen. Hier einige Internetadressen: www.proaurum.de, www.muenzkabinett-frankfurt.de, www.westgold.de, www.mp-edelmetalle.de. Die aktuell jeweils besten Tagesgeldangebote erfahren Sie im Internet über www.fmh.de, die abgesicherten Banken über www.bdb.de. Zum Schluss noch einige Anmerkungen zu den Aktien der Gold- und Silberminen: Sie schwanken viel heftiger als die Edelmetallpreise, weil sie inzwischen - unter anderem wegen der im Vergleich zu den Metallpreisen hohen Förderkosten - quasi zu Optionen auf den Preisanstieg geworden sind.

Sie sind zwar nichts für Anleger mit schwachen Nerven; aber sobald Gold demnächst wieder über 1.000 Dollar und Silber über 15 Dollar je Unze notiert, werden ihre Kurse nach oben explodieren. Wenn Sie bei www.kitco.com auf den HUI-Index klicken, finden Sie die wichtigsten Minenaktien. Wie viele und welche (abgesehen vom in der vorigen Woche vorgestellten Indexfonds) Sie dann kaufen, hängt von Ihren persönlichen Finanzen und Ihrer Risikobereitschaft ab. Einen Einsatz sind sie allemal wert.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu

Herr Gburek ist am 7.+8.11.2008 Moderator auf der "Internationalen Edelmetall- & Rohstoffmesse" in München und Buchautor. Seine letzten Werke waren: "Das Goldbuch" (2005) und das Wörterbuch "Geld und Gold klipp und klar von A bis Z" (2007)







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