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Clive Maund - Der Bergbausektor ähnelt einem Somme-Schlachtfeld

10.10.2013  |  The Gold Report
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Aber um etwas spezifischer zu werden, fangen wir mit den Unternehmen an, die Sie eben erwähnt haben: Barrick hatte ernste Probleme mit seinem riesigen Pascua Lama-Projekt in den Hochanden an der argentinisch-chilenischen Grenze. Die Vertreter des Managements hätten besser daran getan, sich ein paar feste Schuhe anzuziehen und ein bisschen mehr Sauerstoff mitzunehmen, als sie dort auftauchten. Allerdings ist das jetzt in der Aktie eingepreist; sie hatte nach den jüngsten Abschreibungen einen ordentlichen Dämpfer erhalten, weshalb wir vor einer Weile diese Aktie und ihre Optionen auch empfahlen. Barrick-Aktien scheinen sich in der Endphase eines schönen Kopf-Schulter-Tiefs zu befinden.

Zu McEwen Mining: Man darf nicht vergessen, dass dieses Unternehmen von Robert McEwen gegründet wurde, jener Person, die Goldcorp Inc. aus dem Nichts nach oben gebracht hatte, so dass es heute das zweitgrößte Goldunternehmen der Welt ist. Das Potential ist hier also augenscheinlich. Wir entschieden uns auf unserer Seite also für McEwen, noch bevor die Aktie im August einen Sprung machte. Auch hier sieht es so aus, als würde die Aktie ein Bodenbildungsmuster beenden und bei ca. 2,50 $/ Anteil günstig sein - verglichen mit jenen 9,50 $/ Anteil beim Höchststand von 2011.

Mit Silver Wheaton, das jede Menge Silber hat, hebelt man ganz klar steigende Silberpreise. Die soliden Fundamentaldaten von Silver Wheaton spiegeln sich darin wieder, dass es hier gar keine allzu großen Kurskorrekturen gegeben hatte, wenn man sich vor Augen führt, was mit so vielen anderen Aktien im selben Zeitraum passierte. Auch hier sieht es so aus, als würde sich die Aktie aus dem Bodenbildungsmuster aufrappeln; und solange das Management keine ganz dummen Sachen macht, müsste sich der Wert gut entwickeln, wenn Silber wieder Schwung bekommt.

Goldcorp und Yamana Gold Inc. machen den Eindruck, als würden sie sich in den Spätphasen des Bodenbildungsmusters befinden, so dass sich hier gute Einstiegspunkte bieten.

Gold Resource Corp. ist spannend. Die Aktie des Unternehmens hat im letzten Jahr brutale Tiefschläge hinnehmen müssen, sie fiel von ca. 26 $/ Anteil auf rund 6,70 $/ Anteil; aber vor einer Woche zeigte sich im Chart ein “Bullenhammer“ mit einem neuen Tief und mit enormen Volumen; auch wenn es sich hier wohl um Schnäppchenjäger handelt, so könnten wir dem finalen Tief jetzt ganz nah sein, da der Kurs nur leicht in die Nähe des Hammertiefs zurückdriftete.

Bei Scorpio Gold Corp., die in den letzten Jahren in den Boden gehämmert wurde, hatte es vor einigen Tagen immense Kaufaktivität gegeben. Das sieht aktuell nach einer überaus attraktiven, wenn auch spekulativen, Position aus.

Die beiden alten Unerschütterlichen - Coeur Mining Inc. und Hecla Mining Co. - machen ebenfalls den Eindruck, als würden sie gerade einen guten Einstiegspunkt bieten, obwohl ich bei beiden gerne noch eine Verbesserung des Aufwärtsvolumens sehen würde, das in letzter Zeit schwach gewesen ist.


The Gold Report: Wie wirken sich die Übernahmen dieses Jahr auf die Edelmetallunternehmen aus? Goldcorp hat zum Beispiel Wheaton River Minerals Ltd. übernommen. Gibt es aktuell noch andere Gold- oder Silberunternehmen mit Übernahmen, die Sie persönlich vorteilhaft finden? Wie lange werden diese Tiefstpreise noch anhalten - mit Blick auf zyklische Folgebewegungen?

Clive Maund: Ich kann dahingehend nur allgemeine Aussagen treffen, weil ich die Details der jüngsten Übernahmen nicht kenne. Wie Sie sich erinnern werden, hatte ich zuvor gesagt, dass der Bergbausektor wie ein Schlachtfeld nach dem ersten Kampftag an der Somme aussieht. Die Verluste wurden dann durch “nacktes Shorten" noch verschlimmert. All das hat zum Untergang vieler Unternehmen geführt. Der entscheidende Punkt ist aber: Der Bergbausektor wird nicht aufhören, zu existieren.

Wie wir wissen, sind die Bergbaukosten über die letzten Jahre hinweg deutlich gestiegen. Viele Bergbaufirmen wurden und werden aufgerieben - durch fallende Preise für ihre Produkte und scheiternde Kapitalaufnahme, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, daher leuchtet es ein, dass sich in Zukunft Knappheiten beim Gold und Silber ausbilden werden. Das ist besonders in der aktuellen Situation relevant: Es herrscht eine hohe physische Nachfrage, die gerade in Asien rapide anwächst, wo den Edelmetallen als Vermögensspeicher eine viel höhere Bedeutung zugemessen wird als im alten, müden Westen.

Die daraus resultierende Knappheit muss letztendlich zu steigenden Preisen führen, welche zu weiteren Preissteigerungen führen, weil Investoren, die diesen neuen Aufwärtstrend erkennen, wieder in den Sektor strömen, um hier zu verdienen. Vor diesem Hintergrund ist eines klar: Der Edelmetallsektor liegt immer noch mit dem Rücken auf der Matte und die Zeit könnte für die Großen gar nicht besser sein, um im Sektor die besseren Aktien und Projekte billig mitzunehmen.

Der springende Punkt ist folgender: Unternehmen suchen jetzt nach Reserven im Boden, um die eigenen aufzustocken, und aufgrund der Prügel, die die meisten Werte bezogen haben, sind diese jetzt richtig billig. Jetzt gilt Folgendes: Je mehr nachgewiesenes Gold und Silber ein Unternehmen im Boden hat, desto attraktiver ist es. Was das Timing angeht, ist die Zeit jetzt gekommen; der Sektor befindet sich allem Anschein nach in den Spätphasen der Bodenbildung.

Was ist mit dem Worst-Case-Szenario? Wenn die Fed den Stecker rauszieht und wir schwere Deflation erleben? In diesem Szenario könnte der Goldpreis fallen, da er wahrscheinlich viel weniger fallen wird, als fast alles andere, steht man trotzdem noch ganz gut da.


The Gold Report: Gibt es ganz bestimmte Unternehmen, die Ihnen in Mittel- und Südamerika gefallen?

Clive Maund: Das Entscheidende hierbei ist, dass man Anteile an Unternehmen meiden sollte, die schwer in riskanten Ländern wie Argentinien und Bolivien investiert sind. Argentinien ist zu einem sehr riskanten Ort für Investoren geworden. Die derzeitige Regierung unter Cristina Kircher hat vor einigen Jahren als erstes die Rentenersparnisse der Bürger verstaatlicht (an sich gerissen). Dann holten sie sich die Assets der spanischen Firma Repsol, vor ein oder zwei Jahren; der jüngste Streich kam vor ein oder zwei Monaten, als man die LAN Argentina Airlines praktisch aus dem Land schmiss, indem man dem Unternehmen mitteilte, dass es seinen Hangar auf dem Aeroparque in Buenos Aires nicht mehr benutzen könne, obwohl das Unternehmen einen Nutzungsvertrag bis 2023 hatte.

Es dürfte klar, sein, was hier passiert. Ein Unternehmen könnte der Meinung sein, es sei Eigentümer einer Mine; wenn es aber der Regierung gerade passt, kommt sie vorbei, zieht die Mine ein und befördert das Unternehmen aus dem Land. Kein Wunder, dass Argentinien mit 25 % oder mehr die schlimmsten Inflationsraten der Welt aufweist. An einem solchen Ort macht man keine Geschäfte.

Ähnliches gilt für Evo Morales, Boliviens Staatschef, der nicht gerade gut auf "Kapitalisten" zu sprechen ist; es könnte passieren, dass Sie hier investieren und später merken, dass die Regierung dort rein möchte - und Sie raushaben will.


The Gold Report: Danke für das aufschlussreiche Interview.


Clive Maund ist seit der Gründung 2003 der Vorsitzende der erfolgreichen Rohstoff-Webseite www.clivemaund.com. Er hat 30 Jahre Erfahrung als technischer Analyst und arbeitete für Banken sowie Rohstoff- und Aktienmakler in der City of London. Er hat ein Diplom in technischer Analyse von der UK Society of Technical Analysts. Er lebt in Südchile.


Selbstauskunft:

1) The Gold Report ist kein verbundenes Unternehmen von Goldcorp Inc. Streetwise Reports akzeptiert keine Aktien für erbrachte Dienstleistungen oder als Sponsoring.

2) Clive Maund: Ich oder meine Familie besitzen keine Anteile an den im Interview genannten Unternehmen. Ich oder meine Familie erhalten von keiner in Interview genannten Firma Geld. Mein Unternehmen hat keine finanziellen Beziehungen zu den im Interview genannten Unternehmen. Ich wurde von Streetwise Reports nicht für die Teilnahme an diesem Interview bezahlt.

3) Ich äußerte in diesem Interview ausschließlich persönliche Kommentare und Meinungen. Ich hatte Gelegenheit, das Interview aus Gründen der Exaktheit zu überprüfen und bin verantwortlich für den Inhalt des Interviews.

4) Die Interviews werden zu besseren Verständlichkeit editiert. Streetwise Reports nimmt keine Herausgeberkommentare vor oder ändert Expertenaussagen ohne deren Zustimmung.

5) Dieses Interview ist nicht als Investitionsempfehlung zu betrachten. Jeder Leser sollte eigene Finanzberatung in Anspruch nehmen; für alle Entscheidungen und Maßnahmen, die in Reaktion auf dieses Interview getroffen werden, sind die Leser persönlich verantwortlich. Die allgemeinen Geschäftsbedingungen und den Disclaimer von Streetwise Reports finden Sie unter: www.theaureport.com


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Dieser Artikel wurde am 07. Oktober 2013 auf www.theaureport.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.




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