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Das Einmaleins der Finanzmärkte: Die Manipulation des Silbermarktes

07.04.2017  |  Craig Hemke
- Seite 3 -
Indem sie in der vergangenen Woche 23.713 Silberkontrakte geschaffen und an Spekulanten verkauft haben, sind die Banken im Grunde genommen die Verpflichtung eingegangen, den Käufern dieser Kontrakte 118.565.000 zusätzliche Unzen Silber zu liefern. Das entspricht etwa 14% der gesamten Silbermenge, die die Welt in diesem Jahr produzieren wird. Wurde zumindest ein Teil dieser Menge als Sicherheit für die neuen Kontrakte bei der Börse hinterlegt, oder haben die Banken das Silber mit Hilfe von Cash und Leverage einfach frei erfunden?

Die nachfolgenden Tabellen zeigen die Silberbestände der CME Group, zu der auch die Comex gehört, per Montag und Freitag letzter Woche. Beachten Sie dabei vor allem den Gesamtbestand an physischem Silber (letzte Zeile), der im Laufe der Woche von 191,5 Millionen auf 190,2 Millionen Unzen gesunken ist.

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Spätestens an diesem Punkt in einer Diskussion schalten sich normalerweise die Verteidiger und Fürsprecher des Bankenkartells ein und behaupten, dass all die neuen Kontrakte nur deswegen von den wohlwollenden und altruistischen Bullionbanken bereitgestellt werden, damit ihre Klienten aus dem Bergbausektor die Möglichkeit haben, ihre Produktion abzusichern. Die Banken selbst würden ja gar keine Wetten auf die Richtung der Preisentwicklung abschließen, sondern alles nur im Auftrag ihrer Kunden tun.

Diese Theorie hat allerdings ein paar Löcher:

  • Die Absicherungsgeschäfte der Silberproduzenten haben einen historischen Tiefststand erreicht. Bei einem Preisniveau, bei dem die meisten Minengesellschaften gerade so die Produktionskosten decken und die Gewinnschwelle erreichen können, ist das auch nicht anders zu erwarten.

  • Sollen wir wirklich glauben, dass die Silberunternehmen aus aller Welt kollektiv und innerhalb von nur fünf Tagen beschlossen haben, 14% ihres gesamten jährlichen Minenausstoßes abzusichern?

  • Was ist mit dem Goldmarkt? Mit dem Auslaufen der April-Futures in der letzten Woche ist das Open Interest am Goldmarkt der Comex um fast 10% bzw. um 45.471 Kontrakte gesunken und bewegt sich jetzt wieder in der Nähe der diesjährigen Tiefststände. Sollen wir also zudem noch glauben, dass sich im Moment nur die Silberunternehmen absichern und ihre künftige Produktion verkaufen?

Die Behauptung, dass die Banken ganz einfach den "Markt machen" und "Dienstleistungen" für ihre Kunden bereitstellen, ist also offensichtlich völliger Quatsch und bedarf keiner weiteren Diskussion.

Das Thema Preisentwicklung im Laufe der Zeit bedarf dagegen durchaus einer weiteren Erläuterung. Es gibt zwar eine Handvoll fundamentale Faktoren, die bei der Preisfindung langfristig eine gewisse (kleine) Rolle spielen, aber die Vorstellung, dass physisches Angebot und physische Nachfrage den Kursverlauf innerhalb eines oder weniger Handelstage beeinflussen, ist veraltet und naiv. In zwei aktuellen Artikeln von Steve St. Angelo und BullionStar wird erklärt, dass die Edelmetallpreise im 21. Jahrhundert vom Papierhandel an den Derivatemärkten bestimmt werden, nicht vom physischen Markt.

Beide Artikel befassen sich mit dem Goldmarkt, doch die gleichen Beobachtungen lassen sich auch auf den Silbermarkt übertragen. Dort ist die Situation sogar noch schlimmer als am Goldmarkt, weil die Hebelwirkung, die das Angebot an Silberkontrakten auf den Preis hat, noch größer ist als bei Gold.


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