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Eine Rezession steht bevor - und die Fed kann sie nicht aufhalten

15.06.2018  |  James Rickards
Ist die Fed bereit für die nächste Rezession?

Die Antwort: Nein.

Umfangreiche Nachforschungen haben ergeben, dass Zinssenkungen von etwa 300 bis 500 Basispunkten benötigt werden, um die US-amerikanische Wirtschaft aus einer Rezession zu retten. (Ein Basispunkt entspricht einem Hundertstel eines Prozentpunktes, also bedeutet eine Reduzierung von 500 Basispunkten, dass die Fed die Zinsen um 5 Prozent verringern müsste.)

Aktuell beträgt der Leitzinszielwert der Fed, die sogenannte "Policy Rate", 1,75%. Wie senkt man die Zinssätze um 3% bis 5%, wenn man bei 1,75% beginnt? Das ist unmöglich.

Negative Zinsen werden nicht unsere Rettung sein. Negativzinsen verwendete man bisher versuchsweise in Japan, der Eurozone, Schweden und der Schweiz und es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass sie sich nicht als wirtschaftliche Stimuli eignen.

Hinter den Negativzinsen steckt die Idee, einen Anreiz zum Geld ausgeben zu bieten: Wenn Sie Ihr Geld nicht ausgeben, wird es die Bank stattdessen von Ihrem Konto abheben - das Gegenteil von Zinszahlungen. Es deutet jedoch vieles darauf hin, dass Menschen in Negativzinsumgebungen mehr Geld sparen, um ihre Renten-, Gesundheits-, Bildungsziele etc. trotzdem zu erreichen.

Heben die Banken Geld von Ihrem Konto ab, sparen Sie mehr, um Ihre Ziele verwirklichen zu können. Das verringert die Ausgaben oder die Gesamtnachfrage, wie es Neokeynesianer nennen. Das ist nur ein weiteres Beispiel dafür, wie weit das menschliche Verhalten in der Realität von idiotischen Theorien abweichen kann.

Das Fazit ist: Null bedeutet null. Wenn wir uns morgen schon in einer Rezession befinden, könnte die Fed die Zinsen um 1,75% verringern, bevor sie auf null fallen. Dann wäre ihr die Munition ausgegangen.

Wie sieht es mit zusätzlicher quantitativer Lockerung oder "QE" aus? Die Fed beendete ihre QE im Spätjahr 2014 nach den drei Runden QE1, QE2 und QE3 in den Jahren 2008 bis 2014. Was ist mit QE4 in einer neuen Rezession?

Das Problem ist, dass die Fed das Chaos, das durch QE1, 2 und 3 entstanden ist, nie beseitigt hat. Demnach ist ihre Fähigkeit, QE4 durchzuführen, bestenfalls zweifelhaft.

Von 2008 bis 2014, während QE1, 2 und 3, wuchs die Bilanz der Fed von 800 Milliarden Dollar auf 4,4 Billionen Dollar. Eine Zunahme von 3,6 Billionen Dollar neu gedruckten Geldes, das die Fed dazu verwendete, langfristige Vermögenswerte zu erwerben und die Zinsen über die gesamte Renditekurve hinweg zu unterdrücken.

Der Plan bestand darin, die Investoren mithilfe niedriger langfristiger Zinsen dazu zu zwingen, in riskantere Vermögenswerte wie Aktien und Immobilien zu investieren. Ben Bernanke nannte diese Manipulation den "Portfolio-Channel"-Effekt.

Die höheren Bewertungen für Aktien und Immobilien sollten dann der Theorie nach einen "Wohlstandseffekt" auslösen, der mehr Ausgaben anregen würde. Die höheren Bewertungen würden ebenso zusätzliche Kreditsicherheiten für die Aufnahme weiterer Darlehen zur Verfügung stellen. Diese Kombination aus höheren Ausgaben und Krediten sollte die Wirtschaft zu einem nachhaltigen Pfad höheren Wachstums führen.

Diese Theorie war ein weiterer Fehler dieser Intelligenzbestien.

Der Wohlstandseffekt trat niemals ein und die erhofften positiven Nebeneffekte der Neuverschuldung erreichten die USA nicht. (In den Schwellenländern wurden mehr in Dollar ausgezeichneten Kredite vergeben, aber das ist nicht das, was sich die Fed erhofft hatte. Die Dollarschuldenbombe der Schwellenländer ist eine weitere drohende Gefahr, die ich in Zukunft behandeln werden.)

Der einzige Teil von Bernankes Plan, der funktionierte, war die Steigerung der Anlagewerte. Jedoch sehen diese Werte aktuell gefährlich wie Blasen aus, die nur darauf warten, zu platzen. Danke, Ben.

Nun ist das Problem, dass sich all diese Schuldverschreibungen noch immer in der Bilanz der Fed befinden. Das neue Geld im Wert von 3,6 Billionen Dollar wurden nie von der Fed abgeschöpft; es ist noch immer in Form von Bankreserven vorhanden. Die Fed hat ein Programm zur Bilanznormalisierung begonnen, welches jedoch noch in den Kinderschuhen steckt. Die Bilanz der Fed übersteigt noch immer 4 Billionen Dollar.

Das macht einen Start von QE4 äußerst problematisch für die Fed. Als man QE1 im Jahr 2008 begann, betrug die Bilanz 800 Milliarden Dollar. Wenn man zum derzeitigen Zeitpunkt also ein neues QE-Programm beginnen würde, so würde man bei einem viel höheren Niveau einsteigen.

Die Frage ist, ob die Fed ihre Bilanz im Laufe von QE4 oder QE5 auf 5 Billionen Dollar oder 6 Billionen Dollar erhöhen könnte?

Bei der Beantwortung dieser Frage hilft es, sich vor Augen zu führen, dass die Fed nur 40 Milliarden Dollar an Kapital besitzt. Mit aktuellen Vermögenswerten von 4,4 Billionen Dollar ist die Fed im Verhältnis von 110 zu 1 fremdfinanziert. Das ist genügend Fremdkapital um Bernie Madoff erröten zu lassen.

Ehrlich gesagt wäre ihr Leverage viel geringer, wenn die vom Finanzministerium ausgegebenen Goldzertifikate gemäß dem Marktpreis neu bewertet würden. Das ist eine Geschichte für einen anderen Tag, doch es ist nichtsdestotrotz ein wesentlicher Punkt für die zukünftige Rolle des Goldes innerhalb des Geldsystems.

Vertreter der modernen Geldtheorie (MMT), insbesondere linke Akademiker wie Stephanie Kelton, sehen kein Problem darin, dass die Fed so viel Geld druckt, wie sie Staatsschulden monetisieren möchte. Die Theorie ist in diesem Aspekt höchstwahrscheinlich fehlerhaft.


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