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Die lange Geschichte des Goldgeldes - Ein kurzer Aufsatz

12.04.2019  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Die folgenden Seiten geben in kurzer und knapper Form einen Überblick über die lange Geschichte des Goldgeldes. Sie reicht weit zurück und hält viele Lehren bereit. Ihre zentrale Botschaft ist: Das Gold ist das "natürliche", ist das gute Geld; die Entscheidung, Gold durch ungedecktes Papiergeld zu ersetzen, ist ein verhängnisvoller Fehler.


Die Eigenschaften des Goldes

Als Einstimmung in das Thema beginne ich mit einigen elementaren, wissenswerten Fakten über das Gold. Symbolisch steht das Gold für Schönheit, Unvergänglichkeit, für Göttlichkeit, Macht, für das Beste - und das seit Jahrtausenden, über viele Kulturen und Religionen hinweg. Physikalisch gesehen ist Gold ein chemisches Element. Es hat das Elementsymbol AU (lateinisch Aurum) und die Ordnungszahl 79. Im Periodensystem steht es in der 1. Nebengruppe (Gruppe 11), die auch als Kupfergruppe bezeichnet wird.

Gold ist ein Edelmetall. Das heißt, dass es in natürlicher Umgebung unter Einwirkung von Luft und Wasser dauerhaft chemisch stabil ist. Auch von Säure, mit Ausnahme des “Königswassers“, wird Gold nicht angegriffen. Gold hat eine hohe Dichte: 19,30 g/cm³ (Gramm pro Kubik-Zentimeter). Silber kommt nur auf 10,49 g/cm³. Der Schmelzpunkt des Goldes liegt bei 1064 Grad Celsius. Zu kochen beginnt es ab 2700 Grad Celsius. Gold ist leitfähig, und es ist relativ weich und damit gut formbar.

Aus einem Gramm Gold kann ein mehr als drei Kilometer langer Draht mit einem Durchmesser von 0,006 Millimeter hergestellt werden - ein Menschenhaar ist zehnmal dicker, etwa 0,06 Millimeter. Eine Feinunze Gold (sie entspricht 31,1034768 Gramm) lässt sich in Blattform ausschlagen mit einer Fläche von ungefähr 9 Quadratmetern. Ende 2017 gab es auf der Welt überirdisch gut 190.000 Tonnen Gold, so die Schätzung, unterirdisch weitere 54.000 Tonnen. Die Menge des überirdischen Goldes entspricht damit einem Würfel mit einer Kantenlänge von 21,4 Metern.


Wie ist Gold entstanden?

Wie ist Gold entstanden? Man geht davon aus, dass das Gold vor langer, langer Zeit entstanden ist, und zwar aus der Kollision und Verschmelzung von Neutronensternen. Als die frühe Erde noch keine feste Kruste hatte, ist das Gold aufgrund seiner hohen Dichte in den Erdkern gewandert. Wir kommen heute nur noch an das Gold heran, das nach der Krustenbildung auf die Erde gelangt ist, das beispielsweise durch vulkanische Prozesse wieder an die Oberfläche befördert wurde, oder das durch Meteoriten auf die Erde gelangte.


Wie und wo wird Gold gefördert?

Im Jahr 2018 lag die weltweite Goldfördermenge bei 3346,9 Tonnen. Die derzeit bedeutendsten Goldförderländer sind China, Australien, Russland, die USA und Kanada. Gold wird meist gewonnen, indem es aus dem umgebenden Gestein gelöst wird. Durch Fortschritte in der Gewinnung lohnt sich bei aktuellen Preisen der Abbau von Gestein, das weniger als 1 Gramm Gold pro Tonne Gestein enthält. In den letzten 119 Jahren war das Wachstum der geförderten Goldmenge relativ trendstabil: Es betrug etwa 2 Prozent pro Jahr.


Warum Edelmetalle als Geld?

Gold wird für viele Zwecke nachgefragt: Die Industrie fragt Gold nach; auch Schmuckhersteller fragen Gold nach; es wird zudem in Medizin und Technik eingesetzt, und auch für monetäre Zwecke nachgefragt. Sie werden nun vielleicht fragen: Warum sollten Edelmetalle, warum Gold (und auch Silber) als Geld verwendet werden? Gibt es nichts Besseres?

Nun, damit "etwas" als Geld - also als das allgemein akzeptiertes Tauschmittel - verwendet wird, muss dieses "etwas" bestimmte Eigenschaften haben. Es muss zum Beispiel knapp sein, homogen (also von gleicher Art und Güte), haltbar, transportabel, teilbar und prägbar, und es muss einen hohen Wert pro Einheit aufweisen und allgemein wertgeschätzt sein. Im Wettbewerb um die Geldfunktion haben sich in der Vergangenheit immer wieder die Edelmetalle durchgedurchgesetzt, insbesondere Gold und Silber, weil sie am relativ besten die genannten Eigenschaften erfüllen, die "gutes Geld" ausmachen.


Zur Geldentstehung

Das führt zur Frage: Wie ist Geld eigentlich entstanden? Geld ist im freien Markt entstanden, und zwar spontan und aus einem Sachgut. Das erklärte der österreichische Ökonom Carl Menger (1840 - 1921) bereits 1871 in seinem Buch Grundsätze der Volkswirtschaftslehre. Mengers Theorie wurde von Ludwig von Mises (1881 - 1973) nachfolgend, im Jahr 1912, mit einer logischen Begründung versehen.

Damit "etwas" zu Geld werden kann, muss es bereits einen Marktwert besitzen; und zwar einen Marktwert, der sich allein aufgrund der nicht-monetären Eigenschaften dieses "etwas" erklärt. Der nicht-monetäre Marktwert ist der Anfangspunkt, an dem sich der Tauschwert des Gutes, wenn es zu Tauschzwecken eingesetzt wird, festmacht, und von dem sich der Tauschwert des Gutes (weiter)entwickelt.

Der Blick in die Währungsgeschichte zeigt, dass Geld in der Tat stets ein Sachgut war: in Form von Vieh, Muscheln, Salz, Zigaretten, vorzugsweise aber in Form von Edelmetallen wie Gold und Silber. Edelmetalle, allen voran das Gold, haben nämlich die Eigenschaften, die es zu einem geradezu perfekten Geld machen. Und deshalb wurden sie auch stets, wenn es den Menschen freistand, als Geld ausgewählt.


Anfänge des Goldgeldes

Die für uns Menschen nachvollziehbare Geschichte des Goldes reicht weit zurück - man schätzt bis auf etwa 4475 Jahre vor Geburt Christi. Die frühesten Hinweise, dass Edelmetalle als Geld verwendet wurden, finden sich im Codex Hammurapi des Königs von Babylon, 1870 Jahre vor Geburt Christi. In China verwendete man bereits 1100 Jahre vor Christi Geburt Gold als Geld, und zwar in Form kleiner Würfel. Die Anfänge der Münzprägung finden sich im östlichen Mittelmeerraum etwa 800 Jahre vor Christi Geburt. Viele der frühen Münzen bestanden aus Elektrum: einer natürlichen Legierung aus Gold und Silber, die später auch künstlich hergestellt wurde.

Lassen Sie uns nun einen großen zeitlichen Sprung machen, und zwar geradewegs zum Ende des 18. Jahrhunderts.


Goldgeld in England

Ende des 18. Jahrhunderts war Großbritannien die wirtschaftlich und militärisch mächtigste Nation der Welt. Zu dieser Zeit hatten die Briten einen Bimetallismus: Das hieß, sie verwendeten Geld und Silber als Geld. Das Britische Pfund (dessen Ursprung bis in das 8. Jahrhundert zurückreicht) war allerdings bis dato nur in Silber definiert.² Und dennoch wurden Gold und Silber als Geld verwendet. Warum?

Das kam so: Der Mathematiker und Physiker Issac Newton (1643 - 1727) wurde 1699 zum Herrn der Britischen Münze (Master of the Royal Mint) berufen. Er sollte die Währungsverhältnisse ordnen, und dazu setzte er im Jahr 1717 das Silber-Goldpreis-Verhältnis auf 15 ½ : 1. Das heißt, 15 ½ Feinunzen Silber entsprachen einer Feinunze Gold. Seit dem 12. Jahrhundert hatte jedoch das Austauschverhältnis zwischen Silber und Gold bei etwa 12 : 1 gelegen.


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