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USA: BIP überrascht erneut positiv

28.04.2019  |  Klaus Singer
Und wieder einmal überraschte die Entwicklung des BIP in den USA positiv. Die Erwartungen der Beobachter für die Wirtschaftsentwicklung der größten Volkswirtschaft der Erde lagen gemittelt bei einem jährlichen Zuwachs von 2,0%. Nach erster Schätzung wurden jedoch im ersten Quartal 3,18% erreicht, 1,02% mehr als im Vorquartal.

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US-BIP-Entwicklung Q1/2019
Quelel: http://www.consumerindexes.com/news.rss


Der Konsumbereich trug 0,82% zum Wachstum bei, die Investitionen kamen auf einen Beitrag von 0,92%, Staatsausgaben kamen auf +0,41%, der Außenhandel trug 1,03% bei.

Bei näherem Hinsehen ist das Bild nicht mehr ganz so rosig.

Der Beitrag des Konsumsektors zum BIP-Wachstum liegt in Q1 0,84% unter dem Wert des Vorquartals und markiert damit den dritten Quartalsrückgang in Folge.

Der Beitrag des Lageraufbaus innerhalb des Postens "Investitionen" machte 0,65% aus. Die sonstigen privaten und geschäftlichen Investitionen trugen noch 0,27% zum Wachstum bei, nach 0,54% im Vorquartal. Eine verlangsamte Investitionstätigkeit drückt häufig Vorsicht bei den Entscheidern hinsichtlich der künftigen Entwicklung aus.

Ein Lageraufbau leistet einen positiven Wachstumbeitrag, dieser ist temporär, ein späterer Lagerabbau bewirkt das Gegenteil. Über längere Zeit gesehen sind Lagerbewegungen hinsichtlich ihres Einflusses auf das BIP-Wachstum ein Null-Summen-Spiel. Allerdings besteht das Risiko, dass auf Lager produzierte Waren mit Lagerdauer an Wert verlieren und sich so neben den Kosten für die Lagerhaltung negativ auf die Ertragslage von Unternehmen auswirken.

Die Exporte haben sich im Vergleich zum Vorquartal erhöht und leisten jetzt einen Wachstumsbeitrag von 0,45%. Die Importe sind hingegen gesunken und tragen dadurch im ersten Quartal 0,58% zum Wachstum bei, so viel wie seit dem verten Quartal 2012 nicht. Im Vorquartal war der Importbeitrag mit -0,30% noch negativ.

Der BIP-Berechnung liegt ein annualisierter Deflator von 0,64% zugrunde. Das liegt weit unter dem für den Zeitraum Januar bis März berechneten CPI-U-Index von 2,27%. Wird die Inflation zu niedrig angesetzt, resultiert das in überhöhten Wachstumsraten. Würde man den CPI-U-Index bei der Berechnung des jährlichen BIP-Wachstums zugrunde legen, käme ein Wert des BIP-Wachstums von 1,56% heraus, also eine Halbierung.

Die Berechnung des real-time-BIPs als Produkt aus Zahl der Arbeitsplätze und der geleisteten Wochenstunden lässt erwarten, dass das Wachstum des US-BIPs in den nächsten Quartalen nachlässt.

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USA: "Real-time-BIP" versus BIP
Quelle: https://fred.stlouisfed.org


Berücksichtigt man bei der Berechnung des BIP-Wachstums der USA alle Schönfärbereien, bleibt zwar immer noch ein Ergebnis übrig, das über dem der meisten industrialisierten Länder liegt. Ob das aber die in letzter Zeit häufig geäußerte Meinung rechtfertigt, das makroökonomische Tief würde gerade durchschritten?

Zum Teil wird diese Einschätzung genährt durch ein Q1-Wachstum des BIPs der VR China, das besser als erwartet hereinkam. Dabei wird die Entwicklung in China der Einfachheit halber als Indikator für die Weltwirtschaft genommen. Übersehen wird aber, dass es erneut durch zunehmende Verschuldung erkauft wurde und die dort getriggerte Zeitbombe vergrößert.

Insgesamt sehe ich auch angesichts der sich über mittlerweile drei Quartale hinziehende Schwäche des US-Konsumsektors wenig Anlass, daran zu glauben, dass die Weltwirtschaft jetzt wieder Fahrt aufnimmt. Gerne wird in diesem Zusammenhang auch mit der möglichen Beilegung des Handelsstreits zwischen USA und China argumentiert.

Ob es letztlich dazu kommt, steht immer noch nicht fest. Ein wie auch immer gearteter Kompromiss ist nach wie vor wahrscheinlich, beide Seiten brauchen ihn. Er dürfte auch gewisse positive Effekte haben, die aber eher kurz- bis mittelfristig angelegt sind. Insbesondere die strukturellen Aspekte etwa hinsichtlich Achtung des intellektuellen Eigentums dürften kaum zur Gänze aus dem Weg geräumt werden.

Hinter dem Streit um Strafzölle steht ein Kampf um ökonomische Vorherrschaft, der auch nach Beilegung von oberflächlichen Streitpunkten weitergeht. Abgesehen davon würde eine Einigung beider Länder, die wohl ziemlich sicher eine Stärkung von US-Lieferungen nach China beinhalten würde, andere Länder empfindlich treffen, allen voran die in Europa.


© Klaus G. Singer
www.timepatternanalysis.de



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