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Greg Weldon: Erwarten Sie eine 3-jährige Aufwärtsbewegung in Edelmetallen, wenn Banken der Schuldendeflation entgegenwirken

16.09.2019  |  Mike Gleason
Mike Gleason: Es ist mir ein Privileg, nun unseren guten Freund Greg Weldon, CEO und Präsident von Weldon Financial, zu begrüßen. Greg hat Jahrzehnte Erfahrung in der Marktforschung und im Handel an den Metall- und Rohstoffmärkten. Er hat 2006 sogar ein Buch mit dem Titel "Gold Trading Boot Camp" geschrieben, in dem er treffsicher die Implosion des US-Kreditmarkts prognostizierte und die Leute dazu anhielt, Gold zu kaufen, als es nur 550 Dollar je Unze kostete. Er stellte einige andere exzellente Prognosen für die Edelmetalle auf. Es ist großartig, ihn wieder bei uns zu haben.

Greg, nochmals danke, dass Sie hier sind und willkommen. Wie geht es Ihnen?


Greg Weldon: Mir geht es gut, danke Mike. Es ist mir eine Freude. Ich bin einfach dankbar, dass wir vor der Verwüstung, die der Sturm auf den Bahamas anrichtete, verschont blieben. Ich bin gerade in Jupiter, Florida, und es hätte uns direkt treffen sollen, also war es ein ziemlich stressiges Feiertagswochenende.


Mike Gleason: Ja, es gab viele verschiedene Wettermodelle, die sich alle irgendwie widersprachen. Aber ja, in Ihrem Teil der Welt ist es noch einmal gut gegangen. Ich bin froh, dass zu hören.

Zu Anfang möchte ich sagen, Greg: Sie haben den Nagel wieder auf den Kopf getroffen. Wir haben uns Ende Juni zuletzt unterhalten und Sie standen kurz davor, eine große Investition in Silber zu tätigen. Sie sagten, dass es bei einem Anstieg über 16,20 Dollar je Unze sehr schnell an Fahrt gewinnen würde. Das ist endlich geschehen.

Geben Sie uns einen Eindruck davon, was Sie in Silber kürzlich gesehen haben. Was war der Auslöser für die Bewegung des weißen Metalls, das Anfang dieser Woche über 19 Dollar stieg? Während unseres Interviews am Donnerstagvormittag erleidet es einen ziemlich großen Kursrücksetzer. Fangen wir also mit Silber an, Greg. Was sahen Sie, dass Sie dazu veranlasste, an einen Aufwärtsausbruch aus der jahrelangen Handelsspanne zu glauben und was halten Sie vom derzeitigen Rücksetzer?


Open in new windowGreg Weldon: Nun, ich denke, dass beide Teile der Antwort auf ihre zweiteilige Frage eine Gemeinsamkeit besitzen. Der erste Teil ist, dass wir sahen, wie sich Gold und Silber - Gold eindeutig stärker - vom Dollar lösten sowie die Gewinnspanne der Goldrally und der neuen Hochs in einem sich vergrößernden Währungskorb, einer länger werdenden Liste weltweiter Währungen.

Und es waren nicht nur einige der Währungen von Schwellenländern, wo man die inländische Währung nicht mehr akzeptieren kann, wie in Angola - einem großen OPEC-Produzenten - oder Pakistan und natürlich Argentinien, deren Währungen seither noch mehr aufgebläht wurden. Es waren auch Orte wie Australien und Schweden dabei. Und es breitete sich in Europa aus, wo - wie Sie wissen - die schwedische Zentralbank und die Schweizerische Nationalbank offizielle Zinssätze von unter -1% hatten.

Im Endeffekt war für mich klar, dass der Dollar ein Überdruckventil werden muss, weil sich eine heftige Disinflation und Deflation, aufbaut. Einfach nur, weil es so viele Staatsschulden mit Negativzinsen gibt. Ich denke, dass es ein großer Fehltritt der weltweiten Zentralbanken war, besonders in Europa. Denn das Ziel bestand darin, etwas Ähnliches wie die Fed nach 2009 zu tun - ein Szenario und Umfeld zu schaffen, das dich und dein Geld irgendwie in riskante Vermögenswerte drängte. Die Fed führte das sehr wirksam nach der Krise 2009 durch und kurbelte die Wirtschaft über den Aktienmarkt wieder an und ließ Verbraucher wieder Kredite aufnehmen und so weiter und so fort.

In Europa betraf der Fehltritt allerdings eher die Führung. Die BIZ veröffentlichte dazu vor nicht allzu langer Zeit eine Studie. Sie ist etwas über 80 Seiten lang und ich habe alles gelesen. Es war faszinierend, was die vorausschauenden Hinweise anging. Die EZB sagte im Grunde, dass es kein Szenario gebe, das gut genug wäre, um sie auch nur auf den Gedanken zu bringen, im nächsten Jahr Zinsen zu erhöhen. Das wurde von einem Jahr so gesagt. Die Zinsen hätten zu dem Zeitpunkt bereits angehoben werden sollen.

Doch die vorausschauenden Hinweise verursachten Angst unter den Investoren, Haushalten und Verbrauchern. Anstatt Geld auszugeben, anstatt in Aktien zu investieren, hatten sie solche Angst, dass die Nachricht lautete: Was weiß die Zentralbank, das wir nicht wissen? Was kommt auf uns zu, dass sie Angst hat, auch nur eine Zinserhöhung auf null in Erwägung zu ziehen?

Nun besteht das Problem, dass sie bereit sind, den Staat dafür zu bezahlen, dass er 30 Jahre lang ihr Geld aufbewahrt. Das ist doch verrückt und es zieht das ganze Geld aus der Realwirtschaft und dem Aufschwung. So sieht es in Europa aus. Es ist ein absolutes Chaos.

Was sollen sie schon im großen Zusammenhang und angesichts der Situation der Europäischen Zentralbank tun? Somit bleibt nur der Dollar. Es bleibt nur noch die Zentralbank der USA, die Fed, übrig, um etwas zu unternehmen. Im August sagten wir, dass das nicht schnell vonstattengehen würde. Es sollte ein mehrstufiger Prozess werden, um die Fed dahin zu bringen, wo sie heute ist.

Ich denke, die Fed beging zwei Fehler. Sie hätte die Zinsen im Dezember nicht erhöhen sollen. Und dann gab es keine Anzeichen auf vorausschauende Hinweise beim letzten Treffen der Zentralbank, als die Zinsen tatsächlich gesenkt wurden. Und nun befinden wir uns in einer verschärften Lage, in der die Märkte mit festverzinslichen Wertpapieren in Zukunft noch mehr Zinssenkungen fordern. Fügt man da noch den Handelsstreit mit China hinzu, dann gibt es ein echtes Chaos.

Im Endeffekt kann ich diese wirklich lange Antwort auf eine sehr kurze herunterbrechen. Was wir hier haben, sind ein wachsender Mangel an Vertrauen, Sorge, wenn nicht sogar Angst und Unbehagen in Bezug auf jedes Papier. Es geht um Papierwährungen, um Papierschulden, egal. Es ist alles ein großer Schuldschein. Und die Zentralbanken werden damit weitermachen.


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