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Das Ende der Üppigkeit

01.04.2020  |  Prof. Dr. Eberhard Hamer
Wirtschaft, Wissenschaft und Politik glaubten an den "ewigen Boom", den man durch hemmungsloses Gelddrucken (Liquiditätsflut), Nullzinsen und wachsende Staatsausgaben erhalten könnte. So entstand die Lüge von der großen Üppigkeit:

Durch das neu geschaffene Geld stiegen die Börsen, die Investitionen, die Immobilienpreise, die Löhne, die Staatseinnahmen und die Sozialausgaben. Nicht mehr Arbeit, Leistung und Sparsamkeit, sondern frisches Geld, mehr Kredite und immer mehr Schulden sollten den Wohlstand bringen, brachten aber nur Scheinblüte und Scheinwohlstand.

Geldflut und Schuldenorgie haben aber zu Unwirtschaftlichkeiten geführt, die nun aufbrechen:
  • Die sprudelnden öffentlichen Einnahmen haben im Staatsapparat zu überflüssigen, unwirtschaftlichen und sogar schädlichen Bürokratiebereichen wie Krebsgeschwüren geführt, z.B. Gleichstellungsbürokratie, Umweltbürokratie, Genderbürokratie, EU-Bürokratie u.a. Der Staatsapparat hat sich durch Überliquidität um ein Drittel zu stark aufgebläht.

    Der aufgeblähte Staat hat auch uns ein Übermaß an Regulierung gebracht mit überflüssigen, sogar schädlichen Vorschriften sowie bürokratischen Pflichten der Unternehmen für den Staat (Bürokratieüberwälzung), hat also die Freiheit der Bürger durch überflüssige Regulierungstätigkeit stranguliert.

  • Aber auch viele Unternehmen haben falsch reagiert, haben Rationalisierungen unterlassen, unwirtschaftliche Produktions- oder Dienstleistungsbereiche nicht geschlossen, sind in veralteten Geschäftsfeldern tätig geblieben, haben zu viele unproduktive Stellen geschaffen und zu wenig Innovationen gebracht.

  • Das gilt auch volkswirtschaftlich. Das Wachstum unserer Volkswirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten lag vor allem in Dienstleistungen, die nicht selbst produktiv sind, sondern von der Produktivität anderer Bereiche leben wie z.B. Sozialbetreuungen, Umweltdienste, Hilfsdienstleistungen u.a., welche sich auf 70% unseres Sozialproduktes erhöht haben, während die Güterproduktion auf unter 30% gesackt ist. Während man normalerweise von Sozial-, Umwelt- oder Hilfsdienstleistungen nur leben kann, wenn das Geld dafür in produktiven Bereichen verdient wird, wurden diese immer mehr mit FIAT-Geld, künstlicher Liquidität und Schulden finanziert.

  • Die Versorgung der Bevölkerung mit ungedeckter Kunstliquidität hat Scheinwohlstand und allgemeine Zufriedenheit erzeugt: "Es geht uns doch so gut!". Die Gewinne stiegen, die Löhne stiegen, auch die Renten und die Sozialleistungen. Man holte sogar Millionen von Sozialleistungsbedürftigen zusätzlich ins Land und gab Gelder in die ganze Welt, wo internationale Funktionäre angeblichen Sozialbedarf sahen.

    In der Natur gibt es aber nicht nur Sommer, sondern auch Winter. Dieser ist sogar korrekturnotwendig; - ohne ihn gäbe es keinen neuen Frühling und Sommer. Nur die Politik und Wirtschaft glaubten, es bliebe immer Boom, die Korrektur durch Rezession sei überwunden, man könne ohne Reformen und Innovationen immer mehr ausgeben und immer üppiger leben.

Als der Verfasser im Jahr 2000 auf die widersprüchlichen Entwicklungen von Leistung und Verteilung, von Liquidität und Produktivität hinwies und eine Zwangskorrektur des Scheinwohlstandes voraussagte ("Was passiert, wenn der Crash kommt?"), wurde er von Bankern und Politikern verlacht und von vielen wissenschaftlichen Kollegen als rückständig bezeichnet. Inzwischen hat 2020 der Crash an den Börsen begonnen. Noch wird das Corona-Virus dafür verantwortlich gemacht. Die ersten Korrekturen zeigen aber, dass jetzt ein ökonomisches Großreinemachen ansteht, die erwartete Zwangskorrektur der im Boom entstandenen Fehlentwicklungen fällig ist, welche deren Urheber immer geleugnet haben und an denen sie jetzt wohl auch selbst zugrunde gehen werden.

Der Absturz der Börsen wird viel künstliches Geld vernichten und Banken- sowie Spekulantenkonkurse bringen. Mit oder ohne Corona werden dadurch auch Umsätze fallen (wie z.B. jetzt schon in der Touristik, im Maschinenbau und in der Automobilindustrie), werden dadurch in immer größeren Bereichen der Wirtschaft Verluste auftreten, die zu Zwangssparmaßnahmen und Entlassungen führen.

Theoretisch ist dies der einem Stopp-Signal gleichende "Deflationsschock".

Die Politiker und Zentralbanken werden diese notwendige Rezessionskur aber nicht hinnehmen wollen, sondern mit Fördermaßnahmen und verstärktem „Gelddrucken“ zu bekämpfen versuchen. Sie werden damit die notwendige Rezession um den Preis galoppierender Inflation aber nur verzögern und verstärken, um sich dadurch noch einige Monate oder Jahre länger im Amt halten können.

Lässt man also die Korrektur der Scheinblüte nicht zu, sondern versucht man, den Deflationsschock durch wachsende Inflation zu bekämpfen, wird dies für alle in der Wirtschaft Beteiligten (mit Ausnahme der Politiker) noch schädlicher als bisher:
  • Mehr Geld führt zu geringerem Geldwert. Die kommende Inflation verzehrt deshalb Geldeinkommen (Löhne, Renten), lässt also alle ärmer werden, die von sich entwertenden Geldeinnahmen leben müssen.

  • Gegenüber sinkenden Geldwerten steigen die Sachwerte. Die Menschen werden sich also für das Geld immer weniger Güter leisten können. Das wird im Immobilienmarkt wegen steigender Mieten zu öffentlichen Zwangseingriffen führen und zur "Bewirtschaftung" in solchen Versorgungsbereichen, in denen keine freie Preisbildung mehr einen Marktausgleich herbeiführt (Strom, Gas, Transport bis hin zu Lebensmitteln).

Eine wachsende wird zur galoppierenden, nicht mehr zu beherrschenden Inflation. Dies führt immer zur Währungsreform. Diese wird bereits durch den Übergang zur digitalen Währung vorbereitet.

Statt "es geht uns ja so gut!" werden schon bald immer mehr Menschen in Not geraten, weil die Wirtschaft, deren Gewinne und Abgaben und damit auch die staatliche Sozialversorgung verfallen.

Der Markt lässt sich nicht auf Dauer betrügen. Die Marktkräfte bleiben immer stärker als politische Manipulationen. Wer dies rechtzeitig erkannt hat oder jetzt noch erkennt (vom Verfasser: "Der große Crash-Ratgeber"), kann seinen Schaden mindern.

Ein Crash ist aber für Kluge auch immer eine Jahrhundertchance. So war es nach dem Kriege, nach der Wiedervereinigung und wird es auch jetzt wieder sein: dass findige Unternehmer aus den Trümmern anderer eigenen Wohlstand aufbauen können. Neben der großen Sozialumverteilung von den Fleißigen auf die Faulen findet dann wieder die zusätzliche Umverteilung von den Dummen auf die Klugen statt.

Der Crash ist diese Chance. Wenn eine Mehrheit verliert, kann eine Minderheit leichter gewinnen.


© Prof. Dr. Eberhard Hamer


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