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Das Gold ist das Grundgeld der Menschheit

09.04.2021  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Ein Aufsatz gegen Fehldeutungen

Der "digitale Hype" rund um die Kryptoeinheiten verdeckt, dass Gold und Silber - die "natürlichen" Geldarten - selbstverständlich auch im digitalen Zeitalter die Geldfunktion übernehmen können.

"Manche Wahrheiten sollen nicht gesagt werden, manche brauchen's nicht, manche müssen es." - Wilhelm Busch


Blick in die Währungsgeschichte

Der Blick in die lange Währungsgeschichte zeigt: Wann immer es den Menschen frei stand, ihr Geld selbst wählen zu können, haben sie zu Edelmetallgeld gegriffen. Vorzugsweise zu Gold, aber auch zu Silber. Dafür gibt es nachvollziehbare, handfeste Gründe. Denn damit "etwas" als Geld - also als allgemein akzeptiertes Tauschmittel - verwendet werden kann, muss es bestimmte (physische) Eigenschaften haben.

Es muss zum Beispiel knapp sein, homogen (das heißt von gleicher Art und Güte), teilbar, prägbar, haltbar, transportabel, es muss einen hohen Wert pro Gewichtseinheit repräsentieren, und es muss weithin bekannt und akzeptiert sein. Vor dem Hintergrund dieser Anforderungen hatten Gold und Silber immer wieder die Nase vorn gegenüber anderen Waren, die ebenfalls um die Geldfunktion konkurrierten.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde in nahezu allen bedeutenden Volkswirtschaften der Welt Gold als Währung verwendet. In den Vereinigten Staaten von Amerika definierte bereits das Münzgesetz von 1792 den US-Dollar in Form von Feingold- und Feinsilbermengen. Im Jahr 1873 wurde jedoch das Silber demonetisiert, und der Greenback entsprach fortan nur noch einer bestimmten Feingoldmenge.

Im Deutschen Reich wurde durch das Gesetz vom 4. Dezember 1871 mit der Reichsgoldmünze der Goldgehalt der neuen gemeinsamen Währung "Mark" festgelegt. Großbritannien ging in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf Goldgeld über, Frankreich im Jahr 1878. 1898 wechselte Indien von Silbergeld auf eine Art Goldstandard (der die indische Rupie für den Außenhandel in Gold einlösbar machte, nicht aber für Transaktionen, die in der heimischen Wirtschaft stattfanden). China hingegen folgte dem weltweiten Wechsel zum Goldgeld nicht, sondern hielt am Silbergeld fest. Gleichwohl ist es keine Übertreibung zu sagen, dass das Gold gegen Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts das Weltgeld war.

Heutzutage findet sich jedoch nirgendwo auf der Welt mehr Gold- oder Silbergeld in täglicher Verwendung. Alle wichtigen Währungen - US-Dollar, Euro, chinesischer Renmimbi, japanischer Yen, britisches Pfund, Schweizer Franken etc. - repräsentieren vielmehr ungedecktes Geld: Geld, das sich beim Geldemittenten in nichts einlösen lässt. Man kann es auch als Fiat-Geld bezeichnen, und es hat drei Eigenschaften:

(1) Fiat-Geld ist staatlich monopolisiertes Geld. Die staatlichen Zentralbanken haben das Produktionsmonopol des Fiat-Geldes. (2) Fiat-Geld wird meist durch Kreditvergabe erzeugt, der keine echte Ersparnis gegenübersteht; es wird "aus dem Nichts" geschaffen (oder "ex nihilo"). Und (3): Fiat-Geld ist entmaterialisiertes Geld. Es hat die Form von bunt bedruckten Papierzetteln (genauer: Baumwollstückchen) und Einträgen auf Computerfestplatten (Bits und Bytes). Ob US-Dollar, Euro, chinesischer Renminbi, japanischer Yen, Britisches Pfund oder Schweizer Franken: Sie alle sind Fiat-Geld.

Das Fiat-Geld ist für die Mehrzahl der Menschen zum "Normalfall" geworden. Man nutzt es unbekümmert im Tagesgeschäft. Kaum jemand macht sich noch Gedanken darüber, wie das Fiat-Geld in die Welt gekommen ist, oder welche wirtschaftlichen und sozial-politischen Folgen es hat. Dass es Zentralbanken gibt, die die Produktion des Geldes monopolisiert haben, sehen nur wenige als problematisch an.

Wer das Fiat-Geld als "schlechtes Geld" kritisiert und Gold und Silber als das "gute Geld" lobt, stößt daher meist auf Unverständnis, wenn nicht gar auf Ablehnung. Vielfach wird das Gold- und Silbergeld nicht nur als "überkommen" oder als ein aus der Zeit gefallenes Relikt angesehen, sondern die Idee, es als offizielles Geld wiedereinzusetzen, wird sogar als "Gefahr" für Wachstum und Beschäftigung der Volkswirtschaften gewertet.

Wer sich für das Goldgeld (und damit gegen das Fiat-Geld) ausspricht, der bekommt häufig die folgenden Sätze zu hören und zu lesen: “Der Goldstandard hat nicht funktioniert, deshalb hat man ihn ersetzt durch Fiat-Geld”. Oder: “Die “Große Depression” von 1929 bis 1933 war die Folge des Goldstandards”. Oder: “Ein Goldstandard lässt sich heutzutage gar nicht mehr durchführen, dazu ist nicht genügend Gold vorhanden”. Oder: “Ein Goldstandard ist nicht gut, er würde Wachstum und Beschäftigung hemmen, wäre eine Bedrohung für die modernen Volkswirtschaften”.

Doch alle diese Aussagen lassen sich als falsch wiederlegen und zurückweisen. Sie alle beruhen auf einer unzureichenden beziehungsweise falschen Geldtheorie. Die folgenden Ausführen sollen das aufzeigen, sollen erklären, warum das Edelmetallgeld "gutes Geld" und warum Fiat- Geld "schlechtes Geld" ist; und warum die Beendigung des staatlichen Geldmonopols und die Eröffnung eines "freien Marktes für Geld" notwendig sind, wenn die freie Gesellschaft und Wirtschaft erhalten bleiben sollen.


Pseudo-Goldstandard

Wer kritisch in die Währungsgeschichte blickt, der erkennt, dass es so etwas wie einen “echten Goldstandard” in der jüngeren Historie nicht gegeben hat. Was man vorfindet sind unterschiedliche Formen eines “Pseudo-Goldstandards”. Was ist damit gemeint? Ein “echter Goldstandard” würde folgendes bedeuten:

1) Gold ist das Grundgeld.

2) Geld läuft um in Form von Goldmünzen, -barren und Banknoten, die zu 100 Prozent in Gold gedeckt sind. Das heißt, die Bank, die eine Banknote ausgibt, muss sie jederzeit zu 100 Prozent in physisches Gold einlösen können.

3) Die ausstehende Geldmenge wird durch eine Erhöhung der monetären Goldmenge vermehrt; das kann durch Minenproduktion erfolgen und/oder durch Ausprägung von Gold, das in anderen Verwendungen steckt (Kunstwerken, Schmuck, dentale Zwecke etc.).

4) Bei der Kreditgewährung der Banken wird bereits vorhandenes Gold vom Sparer zum Kreditnehmer weitergereicht, die ausstehende Geldmenge bleibt davon unberührt.

5) Es gibt einen freien Markt für Prägestätten, der Goldbesitzer hat folglich die freie Wahl, von wem er sein Gold prägen lässt.

Dass es in der Währungsgeschichte keinen “echten Goldstandard” gegeben hat, und dass es die Verstöße gegen die Regeln des "echten Goldstandards" waren, die immer wieder zu großen Krisen geführt haben, ist eigentlich unübersehbar.


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